Berliner Baugewerbe : Schwarzarbeit kostet Berlin mehrstelligen Milliardenbetrag

Die Baubranche boomt, auch die Schwarzarbeit floriert. Der entstandene Schaden von 2014 bis 2018 wird in Berlin auf rund 98,5 Milliarden Euro geschätzt.

Laut statistischen Bundesamt sind die Auftragseingänge in der Baubranche 2019 um 8,6% gestiegen.
Laut statistischen Bundesamt sind die Auftragseingänge in der Baubranche 2019 um 8,6% gestiegen.Foto: picture alliance / dpa

Die Baubranche steht gut da: Der Immobilienboom in Deutschland beschert Firmen viele Aufträge – nicht nur deutschlandweit, wo laut Statistischem Bundesamt die Auftragseingänge um 8,6 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro gestiegen sind. Auch in Berlin haben Hoch- und Tiefbauunternehmen derzeit mehr zu tun als zu bewältigen ist.

Umso auffälliger erscheint der Fachgemeinschaft Bau (FG Bau), dass viele Betriebe bei den Sozialkassen angegeben haben, dass ihre Auslastung nur bei 25 Prozent lag. „Das ist ein Indiz dafür, dass man hier von schwarz geleisteten Arbeitsstunden ausgehen kann“, sagt Thomas Herrschelmann, Sprecher der FG Bau. Denn bei der enormen Auftragslage nur 25 Prozent Auslastung hieße ja, dass die Bauarbeiter nach wenigen Stunden nach Hause gehen. „Es gibt aber auf dem Bau keine Teilzeitarbeit“, erklärt Herrschelmann.

Somit sei davon auszugehen, dass etliche Firmen Mitarbeiter schwarz beschäftigen und so die Sozialbeiträge, die normalerweise abzuführen wären, einsparen. In der FG Bau sind rund 900 Betriebe in Berlin und Brandenburg vertreten.

Facharbeiterquote als Indikator für Schwarzarbeit

Ein weiteres Indiz für Schwarzarbeit sei, wenn ein Unternehmen nicht wie üblicherweise mindestens zur Hälfte aus Facharbeitern und zur anderen Hälfte aus geringer qualifizierten „Hilfsarbeitern“ besteht. „Sobald die Quote von Facharbeitern bei weniger als 50 Prozent liegt, kann man davon ausgehen, dass Schwarzarbeit geleistet wird“, sagt der Sprecher.

Denn heutzutage seien die meisten Projekte ohne das Know-How von gut ausgebildeten Kräften gar nicht zu bewerkstelligen – doch diese Mitarbeiter, Facharbeiter, verursachen mehr Kosten. „Jeder Bauunternehmer muss bei der Sozialkasse angeben, wie viele Mitarbeiter auf der Baustelle beschäftigt sind, und wie viel Bruttolohn ausgezahlt wird.“

Verbandseigene Detektive im Einsatz

Rund 98,5 Milliarden Euro Schadenssumme seien in den Jahren zwischen 2014 und 2018 in Berlin durch Schwarzarbeit entstanden, hat die FG Bau errechnet. „Wir gehen gegen Schwarzarbeit vor, denn wir wollen nicht, dass durch unlautere Mittel die ganze Branche in Verruf gerät“, sagt Herrschelmann. Doch was kann der Verband tun gegen die Schattenwirtschaft?

„Wir haben zwei Baustellen-Läufer“, schildert Herrschelmann. Die Männer seien wie „Detektive“ unterwegs und beobachten und recherchieren rund um bestimmte Baustellen. Ihre Kenntnisse reichten sie dann an den Zoll weiter, der dann die Ermittlungen aufnimmt und bei einem konkreten Verdacht auch eine Razzia macht.

„Unsere Baustellen-Läufer kennen die einschlägigen Orte, wo sich Schwarzarbeiter treffen, um dann für bestimmte Tätigkeiten eingesammelt und gezielt zu Baustellen gefahren werden.“ Eine konkrete Zahl, wie viel Schwarzarbeit es in Deutschland gibt, existiert nicht.

Eine Milliarde Euro Schaden pro Jahr verhindert

„Den Umfang kennt niemand, und das wäre nicht seriös, sich an Schätzungen zu beteiligen“, sagt ein Sprecher der Finanzkontrolle bei der Generalzolldirektion.

Doch anhand von Kontrollen hätten die Zollfahnder rund eine Milliarde Euro Schaden pro Jahr in Deutschland verhindert. Die meisten Schwarzarbeiter kämen in Branchen zum Einsatz, wo Kräfte „auch mit niedriger Qualifikation gebraucht werden“.

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