Berliner Verwaltung : Jeder dritte Azubi hat Migrationshintergrund

34 Prozent aller Berliner haben einen Migrationshintergrund, unter den Jugendlichen sogar noch mehr. Die Verwaltung umwirbt diese nun gezielt.

Ein Sechstel der knapp 120.000 Verwaltungsmitarbeitender geht in den kommenden drei Jahren in den Ruhestand - Nachwuchskräfte dringend gebraucht.
Ein Sechstel der knapp 120.000 Verwaltungsmitarbeitender geht in den kommenden drei Jahren in den Ruhestand - Nachwuchskräfte...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Berliner Verwaltung steht vor immensen Herausforderungen: Während die Digitalisierung der Behördenleistungen nur stockend vorangeht, sehen sich die Personalabteilungen mit einem Umbruch konfrontiert. Ein Sechstel der knapp 120.000 Verwaltungsmitarbeitender geht in den kommenden drei Jahren in den Ruhestand. Berlin wächst, Nachwuchskräfte werden dringend gebraucht.

Die Zielgruppe: Jugendliche mit Migrationshintergrund. Schließlich haben laut Mikrozensus 34 Prozent aller in Berlin lebenden Menschen eine Migrations- bzw. Einwanderungsgeschichte, bei den unter 21-Jährigen liegt der Anteil gar bei 41 Prozent.

Eine am Donnerstag veröffentlichte und im Auftrag der Berliner Integrationsbeauftragten Katarina Niewiedzial erstellte Studie zeigt Licht und Schatten. Mit 28 Prozent der eingestellten Auszubildenden verfügte jeder dritte Azubi bei Berliner Behörden und Betriebe mit Landesbeteiligung über einen Migrationshintergrund. "Die aktive Förderung der Berliner Integrationspolitik trägt Früchte", heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Die Ausbildung beim Land sei erfolgreich für Jugendliche mit Migrationshintergrund geöffnet worden.

Am Ziel sieht Niewiedzial die Verwaltung jedoch noch lange nicht. Junge Menschen mit Migrationshintergrund sollten noch aktiver angesprochen und in Personalentwicklungsplänen des Berliner Senats viel stärker in den Fokus genommen werden. „Wir brauchen eine Verwaltung, deren Personal das Spiegelbild der Gesellschaft ist. Das stärkt das Vertrauen in den Staat und bewirkt, dass sich alle Menschen mit ihm identifizieren können“, erklärte Niewiedzial. Der Generationswechsel im Öffentlichen Dienst sei eine Chance, die es zu nutzen gelte, forderte die Integrationsbeauftragte weiter.

Große Unterschiede zwischen den Bezirken

Die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen machen deutlich: Die Unterschiede zwischen den einzelnen Behörden sind groß. In den Bezirken waren Friedrichshain-Kreuzberg (48,1 Prozent) und Pankow mit 40 Prozent Migrantenanteil Vorreiter und ließen andere Bezirksämter wie die von Tempelhof-Schöneberg (9,5 Prozent), Spandau (14,3 Prozent) oder Lichtenberg (15,8 Prozent) klar hinter sich. Insgesamt lag der Anteil von neu eingestellten Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Durchschnitt aller Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung Berlins bei 26,7 Prozent.

Das entspricht einer deutlichen Steigerung im Vergleich zu Werten vergangener Jahre. Dennoch machten einzelne Behörden und Einrichtungen, darunter die Senatsverwaltung für Finanzen, keinerlei Angaben zum Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund unter den neu eingestellten Azubis.

Die Betriebe mit Landesbeteiligung, also unter anderem den Berliner Verkehrsbetrieben, der Berliner Stadtreinigung oder diversen Wohnungsbaugesellschaften, bildeten 2018 insgesamt 266 (30,3 Prozent) junge Menschen mit Migrationshintergrund neu aus. Beim Krankenhauskonzern Vivantes stieg ihr Anteil von 35,5 Prozent auf 41,1 Prozent verhältnismäßig stark an, genau wie beim IT-Dienstleistungszentrum Berlin von 31,3 Prozent auf 37,5 Prozent.

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