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Berlins Digitalpakt und die Schulen : Lehrer sollen im Jahr 2021 dienstliche Mailadressen bekommen

Schulen warten auf Digitalpaktgelder - und ärgern sich über Schüler, die ohne Mund-Nasen-Schutz kommen. Erste Schulen kassieren dafür.

Bei der digitalen Bildung geht es nur schleppend voran.
Bei der digitalen Bildung geht es nur schleppend voran.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Zum Thema „Schule und Corona“ gab es am Donnerstag mehr gute als schlechte Nachrichten: Berlin erhält aus dem Sofortprogramm des Bundes 25,7 Millionen Euro für mobile Endgeräte. Damit können in Berlin weitere 40.000 Tablets für sozial benachteiligte Schüler beschafft werden, verkündete die Bildungsverwaltung.

Zudem sollen alle Lehrkräfte zusammen mit den bereits zugesagten Laptops einheitliche dienstliche Mailadressen erhalten. Das werde im Laufe von 2021 abgeschlossen sein, legte sich Sprecher Martin Klesmann auf Anfrage fest. Die Mailadressen würden „alle Kriterien der Datenschutz-Grundverordnung erfüllen“.

Es werde „natürlich“ auch für Erzieher und Sozialarbeiter „Lösungen“ geben, antwortete Klesmann auf die Frage, ob auch die weiteren pädagogischen Kräfte an dem Digitalisierungsschub beteiligt werden.

Als weitere gute Nachricht kam hinzu, dass an den zentral verwalteten und beruflichen Schulen bereits über zwei Drittel der Digitalpaktgelder bewilligt seien: Diese Mittel könnten somit abfließen. Von diesen Mitteln würden jetzt Server angeschafft oder flächendeckende W-Lan-Anschlüsse bezahlt. Bei einem Treffen an diesem Freitag werde Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD) mit Bezirksstadträten „das weitere Vorgehen beraten“.

Womit man bei den weniger guten Nachrichten angelangt wäre. Denn über „die Bezirke“ gibt es viele Klagen seitens der allgemeinbildenden Schulen: Die Bezirke seien das „Nadelöhr“ des Digitalpaktes, denn die Schulen könnten ihre Verkabelungen oder Endgeräte nicht selbst bestellen, sondern müssten darauf warten, dass die Bezirke dies täten.

Die Bezirke als "Nadelöhr" des Digitalpakts

Mehr noch: Die Schulen wissen noch nicht einmal, wie viel Geld ihnen zusteht. Zwar können sie sich anhand der Digitalpaktinformationen und anhand ihrer Schülerzahl ausrechnen, mit welchem Betrag sie theoretisch rechnen können. 

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Die Bezirke würden aber abwinken und betonen, dass zuerst die Schulen dran seien, die noch nicht einmal W-Lan hätten, also erstmal die Grundausstattung brauchten. Wer hingegen schon weiter sei und händeringend auf Whiteboards oder Endgeräte warte, werde vertröstet, berichtet etwa Sven Zimmerschied vom Vorstand der Sekundarschulleiter-Vereinigung BISSS.

Die BISSS engagiert sich im Berliner Bündnis für einen „Corona-Bildungspakt“, dem Vertreter von Eltern, Schülern, Schulleitern und der Bildungsgewerkschaft GEW angehören.

„Das Geld kommt an den Schulen nicht an“

Alarmiert äußerte sich auch BISSS-Sprecherin Miriam Pech : „Geld für die Digitalisierung scheint es genug zu geben - aber das so dringend benötigte Geld kommt in den Schulen nicht an“, sagte sie nach einem Treffen. „Das ist im Angesicht von Corona verheerend! Senat und Bezirke müssen endlich an einem Strang ziehen, unkompliziert und lösungsorientiert. Wir brauchen dringend mehr Personal und Fachkompetenz für die Bezirke, um eine schnellere Bearbeitung sicherzustellen!“, so Pech.

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, forderte pragmatische Lösungen. „Die Schulen können nicht Jahre warten, bis an allen Schulen Glasfaserkabel verlegt sind. Wenn die Modernisierung der Infrastruktur so lange dauert, brauchen wir übergangsweise Pop-Up-Lösungen, zum Beispiel über Mobilfunk-Router oder mobilfunkfähige Tablets oder Laptops. All das ist technisch möglich.“

Der Breitbandausbau, der allen Schulen zu guten Leitungen verhelfen soll, wird sich bis 2024 hinziehen, bestätigte Klesmann den bisherigen Stand der Dinge.

Tablets für Schüler mit dem Berlin-Pass

Bezüglich der kostenlosen Schüler-Tablets wurde mitgeteilt, dass die Ausschreibung vorbereitet werde und der Zuschlag „zeitnah“ erfolge. Es sei vorgesehen, die Ausschreibung in vier Lose aufzuteilen, so dass drei verschiedene Geräteanbieter zum Zuge kommen sollen - „Android, iOS, Windows“. 

Zudem solle mit dem vierten Los ein Mobile-Device-Management (MDM) beschafft werden, das für alle drei Systeme zentral nutzbar sei. Parallel führen die Schulaufsichten eine Abfrage durch, um die Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit BuT-Pass („Berlin-Pass“) und ohne digitales Endgerät zu erfassen.

„Die Digitalisierung der Berliner Schulen erfährt durch die Corona-Krise einen wirklichen Schub. Gemeinsam mit den Bezirken wollen wir mit zügiger Ausschreibung und schneller Vergabe nun dafür sorgen, dass die Schulen und Lehrkräfte zeitnah digitale Endgeräte erhalten“, wurde Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zitiert.

GEW beklagt Datenschutzprobleme des "Lernraum Berlin"

Der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann hingegen warf der Bildungsverwaltung vor, "bis heute die verschiedenen an Schulen eingesetzten Lernmanagementsysteme nicht geprüft und auf Datenschutz, Gebrauchstauglichkeit, Barrierefreiheit und Kosten getestet zu haben". Das verunsichere die Lehrkräfte und erschwere die Arbeit.

Stattdessen verweise die zuständige Abteilung auf ihr eigenes System Lernraum Berlin, obwohl der Lernraum unter anderem aus Datenschutzgründen komplett neu konzipiert werden müsse.

50 Cent bis ein Euro sollen Schüler pro Maske zahlen

Unterdessen werden in den Schulen die Masken knapp, die die Bildungsverwaltung zur Verfügung gestellt hatte für den Fall, dass Schüler keine dabei haben. Erste Schulen geben die Masken nun nur noch gegen Geld an Schüler heraus. Nach Informationen des ehemaligen Berliner Schülersprechers Miguel Góngora berichten betroffene Schüler - etwa aus Neukölln - von 50 Cent oder gar einem Euro als Preis pro Maske.

Je nach Schule habe die Zahlung zwei Gründe: Entweder würden die Masken knapp oder man sehe die Zahlung als „Erziehungsmittel“.

Wie berichtet, hatte die Senatsverwaltung für Bildung zu Schuljahresbeginn eine "Anschub-Reserve" von fast 300.000 Masken an die regionalen Schulaufsichten gegeben, die sie an die Schulen verteilen sollten.

Angesichts von weit über 300.000 Schülern in Berlin konnte die Reserve nicht länger halten.

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