BSR plant neues Tarifmodell : Biotonnen-Pflicht in ganz Berlin ab 2019

Zum April 2019 sollen alle Berliner Haushalte eine Biotonne bekommen. Wie teuer das wird und welche Ausnahmen es gibt, wird bald geklärt.

Ab in die Tonne.
Ab in die Tonne.Foto: DPA/Peter Steffen

Jahrelang hat sich die Berliner Stadtreinigung gesträubt, aber jetzt muss das Landesunternehmen sich den politischen Vorgaben fügen: Die Biotonne wird stadtweit Pflicht. Der BSR-Aufsichtsrat unter Vorsitz von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hat die Einführung zum 1. April 2019 beschlossen. Das betrifft vor allem die außerhalb der City gelegenen Stadtteile: Während in den innerstädtischen Kiezen bereits rund 80 Prozent der Haushalte ans Bio-Sammelsystem angeschlossen sind, nutzt in den gartenreichen Siedlungsgebieten nicht einmal jeder vierte Haushalt die Tonne mit dem braunen Deckel.

Das soll nächstes Jahr anders werden, zumal das Kreislaufwirtschaftsgesetz die Bio-Sammlung schon seit 2015 vorschreibt. Es lässt allerdings auch eine Ausnahme für jene zu, die Abfälle auf ihrem privaten Grundstück selbst beseitigen wollen und können. Im Klartext: Wer sein Bio-Gut selbst kompostiert, kann sich von der Tonnenpflicht befreien lassen. Ein Anhaltspunkt, um die Kompostierung plausibel zu machen, kann die Grundstücksgröße sein.

Wie viele Hausbewohner damit argumentieren, wird die BSR erfahren, wenn sie sie in den nächsten Monaten anschreibt. "Wir werden nicht mit dem Zollstock losziehen", sagt Pop und stellt ein Tarifmodell in Aussicht, "das Spitzenbelastungen vermeidet". Aktuell liegen die Bio-Tarife laut BSR je nach Tonnenart bei rund 30 Prozent der Restmüllgebühren.

Mehrkosten "im mittleren zweistelligen Cent-Bereich"

Laut ersten Berechnungen müssen sich Haushalte auf monatliche Mehrkosten "im mittleren zweistelligen Cent-Bereich" gefasst machen, sagt BSR-Vorstandschefin Tanja Wielgoß. Im Detail soll das Preismodell bis November kalkuliert sein. Absehbar ist, dass vor allem jene mehr zahlen dürften, die bisher gar keine Biotonne haben und nur die Mindestmenge Restmüll bezahlen.

"Klar ist, dass wir Anreize schaffen müssen, dass die Getrenntsammlung auch wirklich funktioniert", sagt Pop. Ein solcher Anreiz kann der Verzicht auf die Laubsäcke sein, die bisher für vier Euro pro Stück verkauft werden. Vor allem will die BSR verhindern, dass die bisher sehr geringe "Störstoffquote" von etwa vier Prozent in den Biotonnen steigt, weil dieser Anteil mühsam aussortiert und anderweitig entsorgt werden muss. Die Energiegewinnung durch Vergärung ist das wichtigste Argument für die Biosammlung: Die bloße Kompostierung in großem Stil ist klimaschädlich.

Aus einem früheren Test weiß die BSR außerdem, dass in Siedlungen mit vielen Gärten vor allem Laub und Grünabfälle wie Strauchschnitt über die Biotonnen entsorgt werden. Die sind zwar prinzipiell unproblematisch, eignen sich aber nicht zur Vergärung wie die meisten Küchenabfälle. Aus denen gewinnt die BSR in Ruhleben Methan, also Biogas. Die Gärreste aus der Anlage - laut Wielgoß sind sie kaum geringer als der Input - werden anschließend kompostiert. Womöglich werden einige Bio-Sammeltouren der BSR künftig also direkt zu den Kompostieranlagen führen. Eine logistische Herausforderung für das Unternehmen. Allerdings ist das Problem der BSR auch nicht völlig neu, denn für Grünschnitt nutzen einige Gartenbesitzer schon jetzt die "Laub- und Gartentonne". Ob die mit der Pflicht-Biotonne koexistieren kann, gehört zu den Unbekannten in der Rechnung. Rund 100 zusätzliche Leute will die BSR für die erweiterte Biosammlung einstellen. Die Kapazitäten der vorhandenen Vergärungsanlage sollen ausreichen.

Die BSR macht dem Senat viel Freude

Ansonsten macht die BSR dem rot-rot-grünen Senat viel Freude: 33 Millionen Euro Jahresüberschuss bei im bundesweiten Vergleich sehr geringen Gebühren, regelmäßige Auszeichnungen als guter Arbeitgeber, erfolgreiche Integration schwer vermittelbarer Arbeitskräfte und anhaltend gute Bewertungen ihrer Leistung. Das gilt insbesondere für die Parks und Forstreviere, in denen die BSR bereits aktiv ist. Zum 1. Juni übernimmt das Unternehmen die Reinigung von 34 weiteren Parks, Grünflächen und Spielplätzen sowie von Waldgebieten in den Revieren Eichkamp und Dachsberg auf der Nordseite des Schlachtensees.

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