• Coronafälle in Berlins Klassenräumen: „Schulen sind keine unsicheren Orte für Kinder“

Coronafälle in Berlins Klassenräumen : „Schulen sind keine unsicheren Orte für Kinder“

An rund 40 Schulen gibt es aktuell Corona-Infektionen. Reinickendorfs Amtsarzt geht davon aus, dass die Zahlen nicht weiter ansteigen - und beruhigt.

Zwei Wochen nach Ferienende gibt es trotz vieler Reiserückkehrer nicht viele Infektionen an Berlins Schulen.
Zwei Wochen nach Ferienende gibt es trotz vieler Reiserückkehrer nicht viele Infektionen an Berlins Schulen.Foto: dpa/Lm Otero/AP

Die Fälle von bisher festgestellten Corona-Infektionen an Schulen verteilen sich höchst ungleichmäßig über die Stadt. Dies zeigen neue Zahlen, die die Senatsverwaltung für Bildung sowie einzelne Bezirke am Freitag bestätigten. Demnach gab es bis Freitag 38 gemeldete Fälle an öffentlichen und freien allgemeinbildenden Schulen und nur vereinzelte an Berufsschulen.

Zudem ist laut Verwaltung kein Fall bekannt, bei dem die Ansteckung innerhalb einer Schule erfolgt wäre. Vielmehr ist an den meisten Schulen nur eine einzelne Person infiziert. Das bedeutet, dass unter rund 370.000 Schülern und 40.000 Beschäftigen nur rund 50 Personen infiziert sind.

Zuerst hatte die Berliner Zeitung über die bezirkliche Verteilung der Fälle berichtet. Demnach gab es zuletzt mit Pankow und Marzahn-Hellersdorf zwei Bezirke ohne einen einzigen aktuellen Coronafall an Schulen. Die meisten Fälle wurden bisher in Reinickendorf (6), Mitte, Steglitz-Zehlendorf sowie Spandau (je 5) registriert, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf, Neukölln (je 4), Tempelhof-Schöneberg (3), Friedrichshain-Kreuzberg (2) sowie Lichtenberg und Treptow-Köpenick (je 1).

Besonders liegt der Fall an der Spandauer Carlo-Schmid-Schule, die am Freitag wegen weiterer Tests geschlossen bleiben musste. Hier war ein Zehntklässler mit dem Coronavirus infiziert.

Bei anschließenden Tests kam heraus, dass zwar bei keinem weiteren Zehntklässler, aber bei einem Lehrer der Virus nachgewiesen werden konnte. Daraus ergab sich der Verdacht, dass es sich ausnahmsweise um eine Infektion innerhalb der Schule gehandelt haben könnte.

Kein Anhaltspunkt für eine Infektion in der Schule

Diesem Verdacht ging inzwischen das Gesundheitsamt nach, wie Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) dem Tagesspiegel auf Anfrage mitteilte. Nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt sagte er, dass die bei dem Lehrer gefundenen Werte auf eine „ältere Infektion deuten“.

Es sei zwar nicht auszuschließen, dass er sich bei dem Schüler angesteckt habe, dieses sei aber „eher unwahrscheinlich“, sagte Kleebank. Er nannte als weitere betroffene Einrichtungen das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, die Concordia-Grundschule, das Kant-Gymnasium sowie die freie Wilhelmstadt-Schule.

Neukölln sorgt für die größte Transparenz

Einen umfassenden Überblick lieferte am Freitag Neuköllns Bildungsstadträtin Karin Korte (SPD). Sie berichtete, dass „sich 146 Kinder, 15 Lehrkräfte, elf Erzieherinnen und Erzieher und weiteres Personal aus fünf Neuköllner Schulen derzeit in Quarantäne befinden“.

Gegenüber den Zahlen der Bildungsverwaltung, die nur von vier Neuköllner Fällen wusste, ist demnach die Silberstein-Grundschule neu hinzugekommen. Ansonsten sind in dem Bezirk wie berichtet die Karl-Weise-, Sonnen-, Hugo-Heimann- und Wetzlar-Schule betroffen.

Die Zahl der Corona-Fälle ist aus Sicht des Reinickendorfer Amtsarztes Patrick Larscheid kein Grund zur Sorge. Wenn man die Fälle auf die Bezirke verteilt sehe, seien das „keine besonders dramatischen Zahlen“, sagte Larscheid der Nachrichtenagentur dpa. Die Schulen seien „kein unsicherer Ort für Kinder“. Larscheid geht davon aus, dass die Zahlen der Corona-Fälle an Schulen nicht mehr ansteigen. „Das ist eher schon Vergangenheit“, sagte er.

Das würde bedeuten, dass sich die großen Sorgen der Gewerkschafts- und Elternvertreter bezüglich des Infektionsgeschehens nicht bestätigen würden.

Noch immer werden "Schnupfenkinder" nach Hause geschickt

Die Ansteckung erfolge nicht in der Schule, sondern „im privaten/familiären Umfeld, bei Veranstaltungen oder durch Reiserückkehrer“, ergänzte Torsten Kühne (CDU), der in Pankow Bildungs- und Gesundheitsstadtrat ist. Es bestehe aber nach wie vor „ein großes Informations- und Kommunikationsbedürfnis“.

Auch sei das Thema der „Schnupfen-Kinder“ an Schulen nach wie vor aktuell: Kinder würden noch immer mit normalen Erkältungssymptomen gleich nach Hause geschickt werden und es würden „Gesundschreibungen“ verlangt werden. Das sollte eigentlich nicht mehr passieren, wie die Senatsverwaltung für Bildung den Schulen nahegelegt hatte.

Eltern wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen

Unzufrieden sind viele Eltern auch darüber, dass sie nicht wissen, wie sie gegenüber ihren Arbeitgebern die Quarantäne ihrer zu betreuenden Kinder glaubhaft machen sollen. Weder die Senatsverwaltung für Arbeit noch für Bildung konnten auf Tagesspiegel-Anfrage klären, woher die Eltern die entsprechenden Bescheinigungen bekommen sollen.

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Ein weiteres Problem ist, dass Eltern pro Jahr nur einen zehntägigen Anspruch haben, im Krankheitsfall des Kindes zu Hause zu bleiben. „Hier müsste meines Erachtens das Bundesinfektionsschutzgesetz angepasst werden, sodass Eltern/Arbeitgeber für die Betreuung einen Anspruch auf Entschädigungen haben“, sagte Kühne hinsichtlich der Quarantäne auf Anfrage

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