Wer soll künftig den BER-Aufsichtsrat führen?

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Flughafen Berlin-Brandenburg : Abgeordnete drohen BER mit Zahlungsstopp
Die Nase voll? BER-Chef Hartmut Mehdorn hat am Flughafen seit Frühjahr 2013 das Sagen.
Die Nase voll? BER-Chef Hartmut Mehdorn hat am Flughafen seit Frühjahr 2013 das Sagen.Foto: dpa

Nach dem Rückzug des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) wächst nun auch der Druck von außen, den vakanten Vorsitz des BER-Aufsichtsrats mit einem externen Wirtschaftsfachmann zu besetzen. Das forderten am Mittwoch im Gespräch mit dem Tagesspiegel die Vereinigung der Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg (UVB), die Vereinigung Deutscher Aufsichtsräte (VARD) und der Cottbuser IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger, der selbst im BER-Aufsichtsrat sitzt. Das ist auch die Linie Brandenburgs und des Bundes. „Grundsätzlich ist ein externer Vorsitzender vorstellbar“, sagte der Sprecher von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) auf Anfrage.

Als Favorit für einen unabhängigen Vorsitz gilt der von Brandenburg neu als BER-Aufsichtsrat bestellte frühere Daimler- und Rolls-Royce-Manager Axel J. Arendt. Allerdings hat der designierte Regierende Michael Müller (SPD), der über die Personalie vorab informiert war und selbst den Vorsitz ausgeschlossen hat, zurückhaltend reagiert. Am Freitag tagt der Aufsichtsrat in Motzen, geleitet vom Vize-Aufsichtsratschef und brandenburgischen Flughafenstaatssekretär Rainer Bretschneider.

Vom Zentralflughafen der DDR zum Billigflieger-Terminal
Der heutige Flughafen Schönefeld SXF entstand in der Nachkriegszeit auf dem ehemaligen Gelände des Flugzeugbauer Henschel und wurde nach und nach zum Zentralflughafen der DDR ausgebaut.Weitere Bilder anzeigen
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25.11.2016 09:02Der heutige Flughafen Schönefeld SXF entstand in der Nachkriegszeit auf dem ehemaligen Gelände des Flugzeugbauer Henschel und...

Zur letzten Sitzung in diesem Jahr, auf der es um den Zeithorizont einer möglichen BER-Eröffnung, nötige Kapazitätserweiterungen und Geld gehen wird, werden die Brandenburger in der von der Potsdamer Regierung beschlossenen Neubesetzung erscheinen, mit Arendt und Krüger als externen Wirtschaftsexperten und zwei regierungsamtlichen Staatssekretären. Dagegen sitzen für Berlin der neue Regierende Müller (SPD) und dessen Stellvertreter und Innensenator Frank Henkel (CDU) im Gremium. Berlin ist wegen des Rückzugs der Potsdamer Minister auf Brandenburg derzeit nicht gut zu sprechen.

„Wo Aufsichtsrat draufsteht, muss auch Aufsichtsrat drin sein“

Dagegen begrüßte die Vereinigung Deutscher Aufsichtsräte (VDAR) den Kurswechsel Brandenburgs. „Wo Aufsichtsrat draufsteht, muss auch Aufsichtsrat drin sein – in Potsdam ist die Botschaft angekommen“, sagte der Vorsitzende Peter Dehnen. Bei dem ins Trudeln geratenen Milliardenprojekt sei es zwingend, dass ein Mann aus der Wirtschaft die zentrale Funktion des Vorsitzes übernehme. Die Neuaufstellung des Aufsichtsrates sei dafür eine „große Chance“, sagte der Cottbuser IHK-Hauptgeschäftsführer und BER-Aufsichtsrat Wolfgang Krüger. „Damit verbunden ist meine Erwartung, dass die Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführung mit Blick auf den nötigen Erfolg des BER deutlich professioneller wird.“

UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck sagte, der Aufsichtsratsvorsitz am BER sei „nahezu ein Fulltime-Job“, für den ein Regierungschef nicht die Zeit habe. Nötig sei aber, dass sich Berlin, Brandenburg und der Bund einvernehmlich auf eine Personalie einigen. Da Brandenburg das Vorschlagsrecht habe, wäre Arendt, der viel Erfahrung mitbringe, ein denkbarer Vorsitzender. Gleichzeitig unterstützte Amsinck Müller darin, selbst als Mitglied in den Aufsichtsrat zu gehen. „Es ist ein Projekt von drei Gesellschaftern, eine Politikfreiheit haben wir nicht gefordert.“



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