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Forderung von Ex-Gesundheitssenator Czaja : Sollten Ärzte aus Covid-19-Notklinik für Schuluntersuchungen eingesetzt werden?

Ärzte des leeren Corona-Behandlungszentrums an der Messe könnten bei Schuleingangsuntersuchungen helfen - denn den Gesundheitsämtern fehlt Personal.

Wegen der Corona-Eindämmungsverordnung konnten die Einschulungsuntersuchungen nicht stattfinden.
Wegen der Corona-Eindämmungsverordnung konnten die Einschulungsuntersuchungen nicht stattfinden.Daniel Reinhardt/dpa

In Berlin werden die Stimmen, die eine volle Öffnung der Schulen fordern, zahlreicher. Nachdem sich Kinderärzte, Sozialpädagogen und Psychologen schon dafür aussprachen, regte am Sonntag der CDU-Bildungsexperte und frühere Gesundheitssenator Mario Czaja an, das Personal der neuen Covid-19-Notklinik für angehende Schüler zu nutzen.

Wie berichtet, gehen Fachleute davon aus, dass das Reservekrankenhaus an der Messe erst im Fall einer zweiten Infektionswelle gebraucht wird – demnach frühestens ab Herbst.

Zugleich sind die für die obligatorischen Schuluntersuchungen zuständigen Gesundheitsämter überlastet.

Mario Czaja: „Ärzte bitten, bei Schuleingangsuntersuchungen zu helfen“

„Durch den Lockdown und die von den Amtsärzten organisierte Kontaktnachverfolgung konnten Tausende Schuleingangsuntersuchungen in Berlin leider nicht stattfinden“, sagte Czaja dem Tagesspiegel. „Dabei handelt es sich um die einzige vollständige Reihenuntersuchung, die für jeden Menschen in Deutschland verpflichtend ist. Diese Tests sind enorm wichtig, so lässt sich früh der Entwicklungsstand von Kindern begutachten. Und wenn nötig, auf individuellen Förderungsbedarf reagieren.“

In den für die Untersuchungen zuständigen Gesundheitsämtern der Bezirke sind mehr als 200 finanzierte Stellen unbesetzt. Deshalb wäre es ratsam, sagte Czaja, diejenigen Ärzte in den Bezirken einzusetzen, die sich zuletzt freiwillig für einen Dienst in der nun leeren Covid-19-Notklinik gemeldet haben.

Dort hatten sich einem Aufruf der Ärztekammer folgend mehr als 500 Mediziner für Einsätze registrieren lassen; darunter Ärzte im Ruhestand, in Teilzeit, in Weiterbildung, kurz nach dem Studium oder aus Praxen, die derzeit geschlossen haben. „Wir sollten diese Ärzte jetzt dringend bitten, bei den Schuleingangsuntersuchungen zu helfen“, sagte Czaja.

Mario Czaja ist heute Bildungsexperte der Berliner CDU.
Mario Czaja ist heute Bildungsexperte der Berliner CDU.picture alliance/Lino Mirgeler/dpa

Vier Wochen lang waren Berlins Schüler während der Pandemie zu Hause. Am 27. April öffneten die Berliner Schulen teilweise, derzeit findet vereinzelt Unterricht statt: Das bedeutet, jeder Schüler erhält nur wenige Stunden die Woche klassischen Unterricht. Auch in den Kindertagesstätten herrscht weitgehend Notbetreuung.

Deutsches Ärzteblatt: „Kinder haben das Recht auf Bildung“

Auch der Präsident der Berliner Ärztekammer, Günther Jonitz, plädierte für ein Öffnen der Schulen und Kitas. Man könne zügiger den Regelbetrieb aufnehmen, sagte Jonitz, als der Senat dies aktuell plane. Studien hätten gezeigt, dass Kinder eine weniger gravierende Rolle als Überträger von Sars-CoV-2 spielten.

Zudem erkrankten sie seltener an dem durch das Virus ausgelösten Lungenleiden Covid-19 als Erwachsene. Ärztekammerchef Jonitz verwies auch auf die aktuelle Ausgabe des „Deutschen Ärzteblatts“. Dort heißt es unter der Überschrift „Kinder haben das Recht auf Bildung“: Als Überträger von Sars-CoV-2 spielen Kinder „eine geringere Rolle als bislang vermutet“, daher sollten die Schließungen von Kindertagesstätten und Schulen überdacht werden.

In der Notklinik an der Messe sollen – wenn die regulären Krankenhäuser ausgelastet sind – leichtere Covid-19-Fälle versorgt werden. Die offiziell Corona-Behandlungszentrum genannte Reserveklinik umfasst derzeit fast 500 Betten. Sie soll in dieser Woche mit vorerst 84 Betten öffnen: Ab dann dürften diese Behandlungsplätze belegt werden, auch wenn es dafür noch keinen Bedarf gibt.

Der Betreiber, der landeseigene Krankenhauskonzern Vivantes, sucht derweil weiter Personal für den Einsatz an der Messe. Für den Ernstfall werden noch Pflegekräfte gebraucht. Die sollen auf Wunsch der Vivantes-Manager jedoch nicht von regulären Stationen abgezogen werden.

Allerdings suchen nahezu alle Krankenhäuser derzeit nach Pflegekräften – auch, weil planbare Behandlungen in Berlins fast 60 regulären Kliniken wieder gestattet sind.

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