Hygiene im Krankenhaus : Der Kampf gegen die Keime

Die Bedeutung von Krankenhaushygiene wird heute allgemein anerkannt. Dafür haben Charité und Vivantes eigene Mitarbeiter. Eine aktuelle Tagesspiegel-Vergleichstabelle klärt auf, wie es um Sauberkeit und Sterilität in Berliner Krankenhäusern steht.

Wichtigste Waffe: Ärzte und Pfleger sollten sich die Hände desinfizieren – vor jedem Patientenkontakt.
Wichtigste Waffe: Ärzte und Pfleger sollten sich die Hände desinfizieren – vor jedem Patientenkontakt.Foto: dpa/Patrick Pleul

Der Schreck in der Öffentlichkeit ist jedes Mal groß. In den vergangenen sieben Jahren wurden immer wieder Fälle bekannt, bei denen sich zu früh geborene Babys im Krankenhaus mit gefährlichen Keimen infizierten, in Bremen, Mainz, Marburg oder an der Charité. Jedes Mal lautete die Frage: Wie konnte das passieren? Dabei sind diese Geschehnisse auf Frühchenstationen nur ein kleiner Teil eines großen Problems, das prinzipiell jeden Klinikpatienten treffen kann. Das Risiko, sich im Krankenhaus mit einem Erreger anzustecken, wenn der Körper ohnehin geschwächt ist, ist sehr real – und so häufig, dass Mediziner dafür einen Fachbegriff haben: nosokomiale Infektion. Studien haben ergeben, dass sich etwa 3,5 Prozent aller Klinikpatienten mit Bakterien oder Viren infizieren. Allein in Berlin wären das knapp 30 000 Patienten jährlich. Das sind etwa Harnwegsinfektionen oder entzündete Operationswunden, Atemwegserkrankungen oder eine Sepsis, die zu Nierenversagen und zum Tod führen kann.

Die Erreger schleppen die Kranken selbst ins Haus, aber auch Besucher und Personal. „Jeder Mensch hat rund zwei Kilogramm Bakterien im Darm und viele Milliarden auf der Haut“, sagt Petra Gastmeier, Chefhygienikerin der Charité. „Wenn diese Bakterien in sterile Körperbereiche gelangen, etwa über Gefäß- oder Harnwegkatheter, kann es zur Infektion kommen.“ Ein Problem, das Fachleuten bewusst ist: Immer im Mai gibt es den „Aktionstag Saubere Hände“. Klinikmanager, Politiker, Ärzte, Schwestern und Pfleger erfahren, was porentief rein bedeutet. Die Weltgesundheitsorganisation hat den jährlichen Tag ausgerufen, um deutlich zu machen, wie man gefährliche Mikroben bekämpfen kann: am wirkungsvollsten mit regelmäßig desinfizierten Händen. Vor jedem Patientenkontakt.

Jedes Jahr erinnert ein Aktionstag an die Wichtigkeit von Hygiene

Ein Spender für Desinfektionsmittel sollte in einem Krankenhaus immer in unmittelbarer Nähe zu finden sein, sagen Hygienefachleute. Er koste 20 oder 30 Euro, seine massenhafte Anschaffung mache Sinn. Die Spender sollten an den richtigen Stellen hängen, am besten direkt neben dem Krankenbett. Noch peniblere Experten meinen, dass auch Besuchertoiletten und Patientenbäder damit ausgestattet sein sollten. Ein Fläschchen mit Desinfektionsmittel lässt sich leicht auch im Arztkittel mitführen.

Weil Händedesinfektion so wichtig ist, wurde für das Magazin „Tagesspiegel Kliniken“ die regelmäßige Teilnahme an der Aktion Saubere Hände und der Verbrauch von Händedesinfektionsmitteln auf den Stationen als Qualitätsindikatoren für die Vergleichstabelle Klinikhygiene ausgewertet. Diese Übersicht mit wichtigen Daten aus der Hygieneüberwachung Berliner Krankenhäuser erscheint nach 2013 zum dritten Mal, komplett auf 2016 aktualisiert. Immer noch ist es bundesweit einmalig, dass sich Krankenhäuser einer Region freiwillig einem Vergleich von Eckdaten der Klinikhygiene stellen. Keine Selbstverständlichkeit, denn diese Daten, die im Rahmen des Beobachtungssystems für Krankenhausinfektionen mit dem in diesem Zusammenhang eher putzigen Namen KISS (Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System) erhoben werden, waren bis dato nur den Einrichtungen zugänglich, die sich auch daran beteiligten.

Nahezu alle der im Klinikführer gelisteten Berliner Kliniken, die Daten an das KISS liefern, haben diese internen Angaben nun für eine Veröffentlichung freigegeben. Noch einmal mehr als bei früheren Veröffentlichungen: nun sind es schon 40, 2013 waren es 24. Ein starkes Zeichen für die Bereitschaft zur Transparenz. Allein das ist schon ein Qualitätsmerkmal, unabhängig von konkreten Ergebnissen.

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