• Konflikt an Berliner Johanna-Eck-Schule: Organisierter Protest für Schulleiterin lief ins Leere
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Konflikt an Berliner Johanna-Eck-Schule : Organisierter Protest für Schulleiterin lief ins Leere

Wenig Teilnehmer bei Demonstration zugunsten Özhan-Erhardts. Kritik an Unterschriftensammlung unter Schülern.

Die Johanna-Eck-Schule war 2010 aus der Fusion von Werner-Stephan-Hauptschule und Dag-Hammarsjköld-Realschule hervorgegangen.
Die Johanna-Eck-Schule war 2010 aus der Fusion von Werner-Stephan-Hauptschule und Dag-Hammarsjköld-Realschule hervorgegangen.Foto: Susanne Vieth-Entus

Der Protest der Gesamtelternvertretung (GEV) der Tempelhofer Johanna-Eck-Schule gegen die Beurlaubung ihrer Schulleiterin ist auf wenig Resonanz gestoßen. Zu einer Demonstration am Freitag vor der Senatsverwaltung für Bildung kamen nur 15 bis 20 Personen. Wenig Teilnehmer hatte es auch bei einer außerordentlichen "Elternvollversammlung" am Mittwoch gegeben, bei der der Protest organisiert werden sollte. Zudem lief eine Unterschriftensammlung der GEV unter Schülern ins Leere:

Unterschriftensammlungen sind an Schulen sehr enge Grenzen gesetzt. Auf Druck von anderen Elternvertretern musste die GEV die Listen mit den Unterschriften der Schüler bei der Elternversammlung in Gegenwart von zwei Schulaufsichtsbeamten zerreißen. Dies wurde dem Tagesspiegel von mehreren Seiten bestätigt.

Die Unterschriften waren von der neu gewählten Gesamtelternvertreterin am Freitag vergangener Woche gesammelt worden. Dabei soll sie im Foyer vor der Aula gesessen haben, in der die Schüler jahrgangsweise zur Wahl der Schülervertreter zusammengerufen worden waren. Somit hatte sie eine ideale Ausgangsbasis, um möglichst viele Schüler erreichen zu können.

Dieses Vorgehen kam bei der genannten Elternversammlung am Mittwoch zur Sprache, woraufhin einige Eltern darauf aufmerksam gemacht haben sollen, dass dieses Vorgehen den Vorschriften widerspreche, die sich aus dem Beutelsbacher Konsens ergeben. Zu diesem seit 1976 geltenden bundesweiten Konsens gehört das "Überwältigungsverbot", das besagt, dass Schüler nicht indoktriniert werden sollen.

Zudem muss die "Kontroversität" gewahrt werden: Schüler dürfen also nicht einseitig informiert werden. Beides bezieht sich allerdings in erster Linie auf Lehrer. "Möglicherweise haben die Elternvertreter darum gedacht, dass sie das dürfen", mutmaßte ein Vater der Schule.

Strenge Vorschriften für Unterschriftensammlungen

Wie streng das Verbot von Unterschriftensammlungen gehandhabt wird, wurde erst im November 2018 wieder deutlich, als der Leiter einer Tempelhofer Grundschule verboten hatte, im Lehrerzimmer Unterschriften gegen das AfD-Portal "Neutrale Schule" zu sammeln. Allerdings bezog er sich auf eine Verwaltungsvorschrift, in der es um politische Betätigung geht - somit ein anderer Sachverhalt als im konkreten Fall.

Wobei sich bei der Johanna-Eck-Schule vieles mischt: Von Unterstützern der beurlaubten Schulleiterin war nämlich in den sozialen Netzwerken unter anderem behauptet worden, dass Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) mit der Personalie auf Druck der AfD reagiert habe. Hingegen hatte Scheeres im Bildungsausschuss sinngemäß klar gemacht, dass der Weggang des freien Trägers für Sozialarbeit der Anlass für ihre Entscheidung war, nachdem bereits ein Großteil des Kollegiums die Schule verlassen hatte.

Es müsse endlich Ruhe in die Schule einkehren, hatte Scheeres hinterhergeschickt und auf „inhaltliche Probleme“ verwiesen. Die Schule habe zwar gute pädagogische Ansätze. Um diese weiterzuentwickeln, benötige man aber ein Klima der Zusammenarbeit, so Scheeres im Ausschuss.

Wie berichtet, hatte es dieses Klima schon länger nicht mehr gegeben: Die Konflikte zwischen einem Großteil des Kollegiums und der Leiterin hatten sich über ein Jahr hingezogen, bis weit über 20 Lehrer sowie weitere Mitarbeiter die Schule von sich aus oder gezwungenermaßen verließen. Zwar begannen viele neue Kräfte zum neuen Schuljahr, es blieben aber Konflikte, zumal auch angesehene Partizipationsmodelle für die Schüler plötzlich wegfielen. Dass es weiterhin Probleme mit dem Schulklima gab, wurde spätestens dann erneut vermutet, als auch der freie Träger KIDS e.V. nach 13 Jahren an der Schule wegen „unterschiedlicher Interessen“ seinen Posten räumte.

Elternvertreterin lobt "frischen Wind"

Nach der Abberufung der Schulleiterin am vorletzten Donnerstag hatte es große Empörung im Kollegium und von der GEV-Vorsitzenden und ihrer Stellvertreterin gegeben. Die GEV wollte mit besagter Unterschriftenliste und mit einer großen Demonstration ein Zeichen des Protestes setzen. Das aber misslang wegen der geringen Beteiligung. Die Schule hat rund 400 Schüler.

Eine der demonstrierenden Mütter war Barbara Ganske, eine der beiden Gesamt-Elternvertreterinnen. Sie sagte allerdings, sie sei vor allem als Mutter da. „Wir wollen einerseits die alte Schulleiterin zurück und andererseits, dass endlich Ruhe in die Schule einkehrt. Die ersten 14 Tage im neuen Schuljahr waren gut, man hat gesehen, dass frischer Wind weht. Dann wurde Frau Özhan-Erhardt abgezogen, und seither herrscht wieder Unruhe.“ Angesprochen auf die Vorwürfe gegen Mengü Özhan-Erhardt sagte Ganske: „Sie wird sicher Fehler gemacht haben, aber sie war sehr engagiert.“

Die Kritik an Özhan-Erhardt komme von der alten Belegschaft, die nicht mehr mit der Schulleiterin habe zusammenarbeiten wollen. Aber früher sei viel Unterricht ausgefallen, weil der Lehrer-Krankenstand hoch gewesen sei. Das habe sich verbessert, seit viele Lehrer nicht mehr an der Schule unterrichteten.

Ob der Unterrichtsausfall tatsächlich geringer geworden sei, könne man noch nicht sagen, hielten dem andere Elternvertreter entgegen, die später von den Äußerungen Ganskes erfuhren. Schließlich habe das neue Schuljahr bisher vor allem aus einer Projektwoche und den verkürzten Schulstunden wegen hitzefrei bestanden.

Die Schule soll "an ihre erfolgreiche Vergangenheit anknüpfen"

"Die Vorgänge der letzten Tage haben deutlich gemacht, dass allein die Beurlaubung der Schulleiterin Özhan-Erhardt nicht ausreicht, um die Konflikte an der Johanna-Eck-Schule beizulegen", meldete sich am Nachmittag der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Bezirk zu Wort. Zwar sei die angekündigte Demonstration der Anhänger der alten Schulleiterin mit 15-20 Teilnehmern letztlich "nur ein Sturm im Wasserglas" gewesen, so Christian Zander. Doch es gelte nun, "mit allen Beteiligten - auch mit denjenigen, die Kritik an der Entscheidung von Senatorin Scheeres übten - die letzten Jahre aufzuarbeiten und die Scherben zusammenzufegen, statt neues Porzellan zu zerschlagen".

Um an die erfolgreichen Konzepte der Vergangenheit anknüpfen zu können, müsse "erst einmal Ruhe einkehren und klar werden, welchen Beitrag die Senatsverwaltung dazu nun endlich leisten wird", sagte Zander.

Zurzeit führt der neue stellvertretende Schulleiter die Geschäfte. Es wird damit gerechnet, dass er zeitnah Unterstützung bekommt.

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