Kreuzberg : Nach Protesten: Statt Hostel nun Büros und Läden

Erfolg für „No Hostel 36“-Protest: Statt Gastgewerbe soll es die "Kreuzberger Mischung" sein - mit Büros für Firmen aus dem Bezirk oder mit Gemeinwohlzweck.

Florian Schmidt (Grüne), Baustadtrat vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.
Florian Schmidt (Grüne), Baustadtrat vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Erst gab es Proteste von Anwohnern in Berlin-Kreuzberg, jetzt werden die Pläne für das im Jahr 2014 genehmigte Bauvorhaben an der Skalitzer Straße 122-126, Ecke Mariannenstraße geändert. Darauf haben sich der Bezirksbaustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt (Grüne), die Eigentümerin Ideal Lebensversicherung und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geeinigt. Statt einem Hotel, einem Hostel und einem „großflächigen Einzelhandel“ soll ein Bürogebäude mit „kleineren Ladeneinheiten“ im Erdgeschoss entstehen.

Am Sonntag veröffentlichte der Bezirk gemeinsam mit Ideal eine Erklärung. Demnach legt die Versicherung dem Bezirk zeitnah Planänderungen vor. Das neue Konzept begünstigt die sogenannte „Kreuzberger Mischung“, die ein Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten vorsieht. So sollen die entstehenden Gewerbeflächen vorrangig Unternehmen aus dem Bezirk oder solchen mit einer gemeinwohlorientierten und sozialen Ausrichtung angeboten werden. „Feintuning zu Gebäude und Gestaltung kommende Woche“, twitterte der Baustadtrat am vergangenen Freitag.

Dass viele Anwohner den Hotelkomplex nicht begrüßten, hatten sie vor einer Woche bei einer Demonstration gezeigt. Skeptisch zeigte sich auch Schmidt: „Stadtentwicklungspolitisch das falsche Projekt“, twitterte er am vergangenen Dienstag und stellte sich damit auf die Seite der Anwohner. „Der Großbau hat miese Auswirkungen auf unsere Nachbarschaft. Mehr Massentourismus, steigende Mieten, mehr Verdrängung, fehlender Raum für nützliche Dinge wie Kitas, soziale Zentren, Wohnungen“, erklärt die Initiative „No Hostel 36“ auf ihrer Internetseite.

Der Bau von Wohnungen sei nach den gültigen rechtlichen Rahmenbedingungen auf dem Grundstück jedoch nicht möglich, erklärte Ideal auf Nachfrage. Der mit einer Genossenschaft vergleichbare Versicherungsverein gibt zudem an, dem Bezirk in mehreren Gesprächen die Alternative eines Büro- und Geschäftshauses vorgeschlagen zu haben, zwei alternative Bauvorschläge seien aber abgelehnt worden. Außerdem sei die Baugenehmigung von 2014 durch den Bezirk selbst im März 2017 und im Mai 2018 verlängert worden. Nach der Einigung vom Freitag kann der Alternativplan nun aber bald starten.

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