Umgangston und Mobbing sind ein andauerndes Thema bei den Piraten

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Wut-E-Mail : Pirat Nerz: "Ich habe die Schnauze voll"

Andreas Baum hatte auf die E-Mail mit einem Blogeintrag auf der Seite der Abgeordnetenhausfraktion reagiert. Darin machte er die Mail zum Thema, ohne allerdings den Wortlaut zu nennen, der deshalb bisher nicht öffentlich geworden war. In seinem Blogeintrag schrieb Baum: "Du siehst es offenbar auch als meine Aufgabe als Vorsitzender einer Piratenfraktion in einem Landesparlament an, für die Äusserungen einzelner Mitglieder dieser Fraktion Verantwortung zu übernehmen. Das sehe ich anders." Baum schrieb, Kritik solle "an den richtigen Adressaten gerichtet sein."

Mit seinem Blogeintrag hatte Baum bereits eine parteiinterne Diskussion ausgelöst. Auch Nerz hatte reagiert und einen Kommentar veröffentlicht. Auch darin sprach er von gezieltem Mobbing gegen einzelne Beauftragte und Vorstandsmitglieder der Piratenpartei Deutschland. Nerz schrieb auch: "Ich übergebe Dir keine Verantwortung für das Handeln der Abgeordneten, wohl aber für das Handeln der Fraktion. Und die Fraktion hat bislang zu den Kommentaren einiger Abgeordneter geschwiegen." Am Mittwoch hatte Nerz im Zuge der Debatte auch darauf hingewiesen, dass es in jüngster Zeit auf unterschiedlichen Ebenen der Partei eine ganze Reihe von Rücktritten oder Entscheidungen, nicht wieder für ein Amt zu kandidieren, gegeben habe. „Das sollte durchaus zum Nachdenken anregen“, sagte Nerz. Die prominente politische Geschäftsführerin der Piraten, Marina Weisband, hatte angekündigt, sich von ihrem Posten zurückzuziehen. Auf dem Landesparteitag der Berliner Piraten war überraschend Landeschef Gerhard Anger nicht zu Wiederwahl angetreten.

Nach dem Schlagabtausch über Blogbeiträge zwischen Baum und Nerz hatten sich beide Seiten bemüht, miteinander ins Gespräch zu kommen. Es gab ein klärendes Telefonat zwischen Nerz und Martin Delius, dem parlamentarischen Geschäftsführer der Piratenfraktion. Nerz und Fraktionschef Baum vereinbarten zudem, sich bald zu einem persönlichen Gespräch zu treffen.

Für Nerz kommt der Konflikt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Ende April wählen die Piraten auf einem Bundesparteitag ihre Führungsspitze neu. Dann will er sich zur Wiederwahl als Parteichef stellen. Es tritt aber auch der Berliner Bernd Schlömer, im Moment Vizevorsitzender, für den Chefposten an. Ihm wird, ebenso wie der Berlinerin Julia Schramm, eine realistische Chance zugesprochen. Und auch Martin Delius will in den Bundesvorstand aufrücken: Sein Ziel ist es, als politischer Geschäftsführer der Partei Marina Weisband zu beerben. Delius äußerte sich kürzlich per Blogbeitrag selbstkritisch zur Debattenkultur der Piraten. Er schrieb: "Wir gerieren uns auf öffentlichen Medien oftmals wie Wilde aus Urzeiten, ohne auch nur geringe Spuren von anerzogener Höflichkeit erkennen zu lassen."

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