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„Sabine“ über Berlin : Einschränkungen bei der S-Bahn, ab Dienstagnacht wieder Sturmböen

Berlin hat das Sturmtief vorerst relativ gut überstanden. Einschränkungen bei S-Bahn und Fernverkehr gibt es trotzdem, auch Parks sollte man erst mal nicht betreten.

Das Sturmtief "Sabine" bringt stürmische Böen nach Berlin und Brandenburg. (Symbolbild)
Das Sturmtief "Sabine" bringt stürmische Böen nach Berlin und Brandenburg. (Symbolbild)Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Nach dem Durchzug des Sturms „Sabine“ bleibt es in Berlin und Brandenburg weiterhin sehr windig.

Nach einem ruhigeren Montagabend nimmt der Wind in der Nacht zu Dienstag wieder zu, wie der Deutsche Wetterdienst ankündigte. Nach Mitternacht können Sturmböen mit Geschwindigkeiten von 65 bis 85 Kilometern pro Stunde (Windstärke 8-9) aufkommen. Am Dienstag erreichen einzelne schwere Sturmböen sogar wieder Geschwindigkeiten bis zu 100 Kilometern pro Stunde (Windstärke 10).

Bahnkunden in Berlin und Brandenburg mussten am Montag mit Zugverspätungen und einzelnen Ausfällen rechnen. „Unterm Strich sind wir aber glimpflich davon gekommen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Am Morgen hatten Mitarbeiter in Spezialfahrzeugen die Strecken auf Schäden untersucht, Bäume beseitigt und die Trassen dann nach und nach freigegeben.

Bei der Berliner S-Bahn gibt es seit dem frühen Montagmorgen ebenfalls Probleme wegen des Sturmtiefs: Die S2 fährt nur zwischen Potsdamer Platz und Buch im Zehn-Minuten-Takt, die S26 fuhr erst eingeschränkt, dann gar nicht mehr. Die S25 fährt zwischen Teltow-Stadt und Priesterweg sowie zwischen Südkreuz und Hennigsdorf. Ein Ersatzverkehr wurde zwischen Priesterweg und Südkreuz eingerichtet.

Grund für die Probleme war eine Signalstörung am Bahnhof Südkreuz. Hier sei infolge des Regens Wasser in einen Kabelkanal und in Verteilerkästen eingedrungen, sagte eine Sprecherin der S-Bahn. Die S-Bahn teilte am späten Montagnachmittag mit, dass die Stellwerkstörung am Montag nicht mehr behoben werden könnte.

Fernverkehr wird langsam wieder aufgenommen

Die Bahn hat nach eigenen Angaben im Norden Deutschlands den Fernverkehr wieder aufgenommen. Am Sonntag war er in ganz Deutschland eingestellt worden, auch von und nach Berlin rollten keine Züge. Die Bahn empfiehlt, für Montag und Dienstag geplante Reisen auf einen anderen Tag zu verschieben, da es weiterhin zu Beeinträchtigungen und Zugausfällen kommen könne.

Fahrgäste sollten sich auf der Website der Deutschen Bahn oder unter der kostenlosen Service-Hotline 08000 99 66 33 über ihre Verbindung informieren.

„Wir laufen jetzt an, das wird noch ein wenig ruckelig, man muss noch ein mehr Zeit einplanen“, sagte ein Sprecher der Bahn am Montagmorgen. So könne etwa auf der Strecke Berlin-Hamburg ein Abschnitt nur eingleisig befahren werden, wodurch es zu Verzögerungen kommt.

Der Bezirk Mitte hat ausdrücklich und dringend vor dem Betreten der Parks gewarnt. Vor allem abseits der offiziellen Wege könnten abgebrochene Äste oder gespaltene Kronen ausbrechen und zu schweren Verletzungen führen, teilte das Bezirksamt am Montagvormittag mit. Weil für Montag weitere starke Sturmböen vorhergesagt worden seien, könne man nicht ausschließen, dass ganze Bäume plötzlich umstürzen oder große Äste abbrechen.

Die Gärtner des Grünflächenamtes Mitte sollen zunächst die am meisten genutzten Hauptwege etwa im Tiergarten kontrollieren und dann auch nach und nach die Nebenwege in den Blick nehmen. Das könne aber mehrere Tage dauern, erklärte das Bezirksamt.

Warnung vor „Sabine“ besteht weiter

Für Berlin und Brandenburg gilt wegen des Sturmtiefs „Sabine“ weiterhin eine Wetterwarnung: Es solle stark stürmische Böen bis 75 Kilometer pro Stunde geben, warnte der Deutsche Wetterdienst am frühen Morgen. In Schauernähe könnten schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis 100 Kilometern pro Stunde auftreten.

[Lesen Sie alle Entwicklungen zum Sturmtief „Sabine“ über Deutschland in unserem Liveblog.]

Einzelne unwetterartige Gewitter mit orkanartigen Böen um 110 km/h seien nicht ausgeschlossen. Berlin befindet sich inzwischen rückseitig der Kaltfront, kältere Meeresluft strömt ein.

Bisher keine größeren Schäden in Berlin

Das stürmische Wetter hat in Berlin wohl bisher zu keinen größeren Schäden geführt. „Wir waren vorbereitet, dass mehr hätte passieren können, doch glücklicherweise ist das ausgeblieben“, sagte ein Feuerwehrsprecher.

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Die Feuerwehr habe rund 50 Einsätze fahren müssen, etwa für abgerissene Äste und abgedeckte Ziegel. Den größten Einsatz habe es in Marzahn gegeben, dort sei ein Dach abgedeckt worden. Zudem verwies er auf das umgeworfene Baugerüst in Berlin-Mitte, das war aber bereits am Sonntagnachmittag passiert.

In der Pasewalker Straße in Wedding ist laut Feuerwehr außerdem ein Baum umgestürzt und auf drei Autos gefallen, auch ein 30 Quadratmeter großes Werbebanner drohte wegzufliegen.

Am Morgen war die Feuerwehr auch in Friedenau im Einsatz: Nach Angaben eines Sprechers hatte es am Südwestkorso Ecke Stubenrauchstraße eine Unterspülung durch einen Wasserrohrbruch unter der Straße gegeben. Vor Ort hätten die Einsatzkräfte zwei Bäume fällen müssen, um zu verhindern, dass diese umstürzen. Ein Zusammenhang lasse sich nicht mehr genau herstellen, ob die beschädigten Bäume den Schaden verursachten.

Feuerwehrleute stehen in der Sophienstraße an dem bei Windböen eingestürzten Gerüst.
Feuerwehrleute stehen in der Sophienstraße an dem bei Windböen eingestürzten Gerüst.Foto: Paul Zinken/dpa

Sturmtief Sabine – Schulunterricht findet statt

Anders als in anderen Teilen Deutschlands fand in Berlin und Brandenburg der Schulunterricht statt. Eltern konnten ihre Kinder aber zu Hause lassen oder später zur Schule schicken. Genaue Zahlen dazu, wie hoch der Anteil der Schüler war, die trotz des glimpflichen Sturmverlaufs der Schule fernblieben, gab es bis Montagnachmittag nicht.

Ein Sprecher der Bildungsverwaltung teilte aber auf Nachfrage mit, dass nicht allzu viele Schüler dem Unterricht fern geblieben seien. Manche seien jedoch auf dem Schulweg stecken geblieben, zum Beispiel durch Zugausfälle.

„In Sachen ‚Sturm‘ alles in Ordnung“, lautete die spontane Reaktion eines Zehlendorfer Gymnasiums. Andere Schulen berichteten über „etwas mehr“ abwesende Schüler. Eine „Blitzabfrage“ der Freien Kantschulen ergab, dass etwa drei Prozent der Schüler fehlten.

Zumindest eine Grundschule in Tempelhof-Schöneberg den Eltern am Sonntagabend mitgeteilt, dass kein regulärer Unterricht stattfinden werde. Die Bildungsverwaltung hatte es den Schulleitern freigestellt, selbst zu entscheiden, wie sie mit der Sturmwarnung verfahren wollten. In jedem Fall sollten die Eltern aber ihre Kinder abmelden, wenn sie sie aus Sicherheitsgründen zu Hause lassen wollten.

Der Berliner Straßencheck

Kaum Schäden in Brandenburg

Das Orkantief war auch über Brandenburg hinweggefegt. Die meisten Feuerwehreinsätze wurden in der Nacht zum Montag von umgestürzten Bäumen, Ästen auf Straßen und umgefallenen Telefonmasten ausgelöst. Verletzte gab es keine. Im Norden Brandenburgs, wo der stärkste Sturm erwartet worden war, musste die Feuerwehr überwiegend wegen umgekippter Bäume und herabgefallener Äste ausrücken.

In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg ist es wegen „Sabine“ zu Stromausfällen gekommen. Am Montagvormittag waren noch jeweils 500 Kunden in Mittelsachsen, im Vogtlandkreis und im Umland von Cottbus betroffen, wie eine Sprecherin der Firma Mitnetz Strom (Kabelsketal/Saalekreis) am Montag mitteilte. Es werde weiter an der Behebung der Stromausfälle gearbeitet. Es sei allerdings für Mitarbeiter teilweise sehr schwierig die Leitungen und Anlagen zu erreichen. Grund seien wegen Sturmschäden gesperrte Straßen und Waldgebiete.

In Spitzenzeiten waren den Angaben zufolge wegen des Sturmtiefs Montag früh gegen 5.00 Uhr zeitgleich 6500 Kunden in dem Versorgungsgebiet des Unternehmens ohne Strom, darunter auch im Harz. Die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH (Mitnetz Strom) ist eine Tochter der envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM/Chemnitz). Die Firma hat Kunden in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Brandenburg

Am Montagmorgen ist ein Kleintransporter auf der A24 beim Überholen von einer Windböe erfasst worden und mit einem Sattelzug zusammengestoßen.

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Der Wagen kollidierte zwischen den Anschlussstellen Meyenburg und Pritzwalk auch mit der Mittelschutzplanke, wie die Polizei mitteilte. Anschließend kippte der Transporter auf die Seite. Der 36-jährige Fahrer und sein Beifahrer blieben unverletzt, kamen jedoch zur weiteren Untersuchung in ein Krankenhaus. Der Kleintransporter musste geborgen werden. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf etwa 20.000 Euro. Die Richtungsfahrbahn nach Berlin wurde zeitweise einseitig gesperrt. (mit dpa)

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