"Es war nur so eine Seifenblase"

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Abitur mit 1+ : Vom Außenseiter zum Spitzenreiter
Yigit Muk ist der beste Schüler seines Jahrgangs.
Yigit Muk ist der beste Schüler seines Jahrgangs.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

„Es war nur so eine Seifenblase, aber ich habe sie in Angriff genommen“, beschreibt Muk seinen Weg zum Abitur. Angetrieben habe ihn der Wunsch der Mutter, dass eines ihrer drei Kinder Abitur machen sollte. Immer wieder habe sie ihn mit Geduld bei einer Tasse Kaffee gefragt, wie die Schule war, wie er vorankomme.

„Zuerst war es ihr Wunsch“, sagt Muk, „dann habe ich aber auch für mich immer mehr meine Fähigkeiten entdeckt und meine Ziele höher gesteckt.“ Erweiterter Hauptschulabschluss, dann Mittlerer Schulabschluss, dann Abitur, dann studieren. Während Muk für einen Sicherheitsdienst arbeitete und modelte, um seine Familie zu unterstützen, entdeckt er an der Privaten Kant-Oberschule, dass man ein Leben lang Spaß am Lernen haben kann. In Deutsch inszenieren sie „Emilia Galotti“ als Gerichtsverhandlung, der Wirtschaftslehrer weckt Interesse für Ökonomie. In den Zeitungen, die er früher nicht verstanden hat, entdeckt er mittlerweile die Fehler.

In Neukölln engagiert sich Muk in einem Verein für mobile Jugendarbeit. Er selbst bekommt neben Familie und Lehrern auch von den neuen Schulkollegen Unterstützung – und auch von alten. Seine beiden besten Freunde kennt Muk noch aus der Grundschulzeit. Beide haben kürzlich ihren erweiterten Hauptschulabschluss nachgeholt. Der eine will Psychologe werden, der andere in die Wirtschaft. Andere machen den Taxi-Schein oder beginnen eine Lehre, aber alle seien sie an dem Punkt, etwas ändern zu wollen. „Das ist auch ein großer Antrieb“, sagt Muk, „zu merken, dass man andere mitzieht und man sich unterstützt. Reziprok.“

Für ihn selbst geht es jetzt erst mal an die Wirtschaftsuniversität einer anderen deutschen Stadt oder vielleicht in der Türkei. Nicht in Berlin zu studieren, war eine schwierige Entscheidung, aber die Qualität der anderen Universitäten sei besser. Eine Zusage hat er schon. Aus dem Rucksack holt der Spitzenschüler stolz die Empfehlung, die ihm sein Wirtschaftslehrer geschrieben hat. Für ihn ist es die erste, die er je bekommen hat.

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