Berliner Lehrermangel : Zweite Chance für künftige Referendare

Ein zusätzlicher Einstellungstermin soll rund 80 Referendaren den Einstieg noch im ersten Schuljahr ermöglichen.

Berlin will die knappen Bewerber nicht mehr wegen einer paar fehlenden Stempeln vergraulen.
Berlin will die knappen Bewerber nicht mehr wegen einer paar fehlenden Stempeln vergraulen.Foto: Julian Strate/dpa

Die Senatsverwaltung für Bildung gibt ihre harte Haltung gegenüber angehenden Referendaren auf, denen noch einzelne Bewerbungsunterlagen fehlen: In diesem Jahr gibt es für sie eine zweite Chance in Form eines weiteren Einstellungstermins, wie die Verwaltung mitteilte. Bislang waren die Lehramtsabsolventen gezwungen, ein halbes Jahr zu warten, was immer wieder zu Unverständnis geführt hatte angesichts des Berliner Nachwuchsmangels. Nicht wenige Bewerber sollen sich daraufhin für einen Vorbereitungsdienst in Brandenburg entschieden haben. Nun also die Kehrtwende: Wer die erforderlichen Zeugnisse der Universitäten nicht bis zum 31. Juli vorlegen kann, kann statt am 9. August am 1. Oktober beginnen, lautet das Entgegenkommen. Für diese „Zielgruppe“ reiche eine Zeugnisvorlage bis 24. September aus, wurde mitgeteilt.

"Schnellstmöglich in den Vorbereitungsdienst"

„Wir wollen allen Lehramtsstudierenden die Möglichkeit geben, in Berlin ihre Ausbildung fortzusetzen. Deshalb bieten wir ihnen zusätzliche Termine an, damit sie ihr Studium bestmöglich beenden und die Ausbildung im Vorbereitungsdienst schnellstmöglich beginnen können“, ließ sich Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zitieren. Durch den zusätzlichen Oktobertermin profitierten nun auch Lehramtsstudenten, die ihre Bewerbung wegen fehlender Unterlagen verschoben hatten. „Diese Personengruppe wurde bereits durch die Senatsbildungsverwaltung persönlich informiert“, hieß es seitens der Bildungsverwaltung. Insgesamt würden rund 80 Bewerberinnen und Bewerber zum Start des Vorbereitungsdienstes am 1. Oktober erwartet. Wie berichtet, gibt es zahlreiche freie Referendarsstellen.

"Alle Maßnahmen kamen viel zu spät"

„In der jetzigen Situation ist es vernünftig, alle möglichen Ressourcen zu erschließen“, kommentierte Dieter Haase, der Vizevorsitzende des Gesamtpersonalrats, die Mitteilung der Bildungsverwaltung. Allerdings seien „alle Maßnahmen des letzten Jahres viel zu spät gekommen“. „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Die neue Regelung ist eine Verbesserung, es geht aber noch schneller und besser, gerade in Zeiten des Lehrermangels“, meinte auch der langjährige Sprecher der Berufsschulleiter, Pit Rulff.

Berlin braucht wegen des Lehrermangels jeden Bewerber. Kürzlich teilte die Senatorin wie berichtet erstmals mit, dass es nicht einmal mit Hilfe von Quereinsteigern gelingen werde, alle Lücken zu füllen. Scheeres äußerte daher die Bereitschaft, offene Stellen mit Pensionären und Vertretern anderer Berufsgruppen zu füllen. Gleichzeitig versäumte es die Verwaltung aber, potentiellen Interessenten und Bewerbern Ansprechpartner zu nennen. Eine Hotline (Montag bis Freitag von 09:00 bis 15:00 Uhr, Telefon: (030) 90227-5577) wurde erst verspätet bekannt gemacht.