Kostenloses Schulessen in Berlin : Ernährungsbildung statt Verschwendung

Vom Sommer an müssen Berlins Grundschüler nichts mehr fürs Schulessen zahlen. Droht dann das wahllose Bestellen und Wegwerfen? Wie Schulen gegensteuern können.

Eine Etagere mit verschiedenen Obstsorten steht auf einem Tisch in der Mensa einer Schule.
Lecker und gesund. Ernährungsberatung ist ein Aspekt der Verbraucherbildung in der Schule.Foto: dpa

Rund 100 Tage verbleiben Berlins Grundschulen, um sich für das kostenlose Mittagessensangebot zu wappnen, das nach den Sommerferien für all ihre Schüler kommt. Groß sind die Sorgen um die organisatorischen und räumlichen Engpässe und darum, dass künftig viel mehr Essen als bisher weggeworfen werden könnte – eben weil es für die Familien umsonst ist und daher unter Umständen mehr bestellt werden wird als nötig.

Die FDP-Haushaltspolitikerin Sybille Meister hat daher bei Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erfragt, was bereits an den Schulen möglich ist in Sachen „Ernährungsbildung“, um die befürchtete Lebensmittelverschwendung einzudämmen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Überlegungen zur Etablierung eines Unterrichtsfaches „Ernährungsbildung“ gibt es aktuell nicht, wie die Bildungsverwaltung klarstellt. Aber das Thema findet sich vielerorts im Rahmenplan und auch ganz praktisch im Schulalltag wieder - etwa in Gestalt der Schulgärten.

Über 270 Schulgärten gibt es in Berlin, in denen Lehrer oder Erzieher und Sozialarbeiter mit ihren Schülern Obst, Gemüse und Kräuter anbauen können, um auf diesem Wege das Interesse an Lebensmitteln und einer bewussten Ernährung zu wecken. Die mit Abstand meisten Gärten gibt es an Grundschulen, wobei die Anlagen relativ gleichmäßig über die Stadt verteilt sind.

Auffällig ist, dass es Charlottenburg-Wilmersdorf die mit Abstand wenigsten Schulgärten gibt. Am anderen Ende der Skala befindet sich Reinickendorf mit fast 38 Schulgärten, Friedrichshain-Kreuzberg liegt mit 14 Gärten im Mittelfeld.

An 160 Schulen gibt es Lehr- und Lernküchen

Hoch ist auch die Zahl der Schulen, die über eigene Lern- und Lehrküchen verfügen: Über 160 enthält die Liste, die die FDP-Abgeordnete zusammen mit ihrem Fraktionskollegen, dem Bildungspolitiker Paul Fresdorf, erfragt hat: Sie befinden sich etwa zu gleichen Teilen an Grund- und Sekundarschulen. Hingegen kommen sie nur an drei Gymnasien, aber an rund 15 Förderzentren vor.

Besonders viel Nachholbedarf sieht die FDP im Bereich der „Produktions- und Frischküchen“: Dort könnte das Essen für alle Schüler gekocht werden – wenn es sie denn gäbe. Meister und Fresdorf erfuhren auf ihre Anfrage, dass nur an 27 der rund 700 Berliner Schulen solche Frischeküchen existieren.

„Angesichts von elf Millionen Tonnen Lebensmittel, die in Deutschland jährlich weggeworfen werden, ist beim kostenlosen Schulessen der zweite vor dem ersten Schritt gemacht worden“, kritisiert Meister den rot-rot-grünen Beschluss zum kostenlosen Schulessen. Um größeren Schaden abzuwenden, komme es jetzt darauf an, den Schülern mehr Wissen über Lebensmittel und Ernährung zu vermitteln, „um wertschätzend damit umzugehen“, fordert Meister.

"Man soll wissen, was auf dem Teller liegt"

Auf ihre Anfrage, wie die Schulen mit Essensresten umgehen und wie sichergestellt wird, dass die Verschwendung von Lebensmitteln so gering wie möglich gehalten wird, antwortet Ex-Bildungs-Staatssekretär Mark Rackles (SPD) – der zum Zeitpunkt der Anfrage noch im Amt war –, dass für das Essen nach wie vor ein Vertrag gemacht werde, damit tatsächlich nur für die Kinder das Essen bestellt und geliefert wird, die das wünschen.

Der nachhaltige und verantwortungsvolle Umgang mit den zur Verfügung gestellten Mahlzeiten sei „auch weiterhin ein wichtiges pädagogisches Thema“, betont Rackles und verweist hierbei auch auf die Rolle der Gartenarbeitsschulen.

Meister fordert, dass auch das Kochen in den Schulen seinen Platz haben müsse: „Wichtig ist es, dass Wissen um Ernährung zu vermitteln – dazu gehört auch das Erlernen von Kochen“, sagte sie dem Tagesspiegel: „ Nur wer weiß, was auf seinem Teller liegt, kann sich eigenverantwortlich gesund ernähren“.