Schulschließungen wegen Coronavirus : Caterer fürchten um ihre Existenz

Berlins Schulen und Kitas sind wegen des Coronavirus dicht. Nun befürchten deren Caterer Insolvenzen – und fordern die Bildungsverwaltung zum Handeln auf.

Seit Anfang des Schuljahres erhalten alle Schüler Berlins ein kostenloses Mittagessen – wenn die Schulen geöffnet sind.
Seit Anfang des Schuljahres erhalten alle Schüler Berlins ein kostenloses Mittagessen – wenn die Schulen geöffnet sind.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Infolge der Schul- und Kitaschließungen wegen der Ausbreitung des Coronavirus drohen nach Angaben des Verbands der deutschen Schul- und Kitacaterer Insolvenzen und damit das Wegbrechen der entsprechenden Infrastruktur. Es sei erforderlich, dass das Land „mindestens zwei Drittel der bisher gelieferten Portionen“ bezahle, heißt es in einem Schreiben, das der Verbandsvorsitzende Rolf Hoppe am Donnerstag an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) verschickt hat.

Zwar seien die wirtschaftlichen Auswirkungen noch nicht vollständig absehbar. Es stehe aber fest, dass „viele Caterer durch fehlende Liquidität bis hin zu Insolvenzen, die Struktur der Schul- und Kitaverpflegung nicht mehr aufrechterhalten können“, schreibt Hoppe.

Wie berichtet, haben nur rund zehn bis 15 Prozent der Kitakinder sowie der Erst- bis Sechstklässler Anspruch auf Notbetreuung. Das bedeutet, dass in manche Einrichtungen nur vereinzelt Kinder gebracht werden. „Manche Eltern hätten Anspruch auf Notbetreuung, bringen die Kinder aber aus Vorsicht trotzdem nicht“, berichtete zudem am Donnerstag eine Kitaleiterin aus Mitte.

Für die wenigen Kinder müssen die Caterer aber die Verwaltung aufrecht erhalten, kochen und das Essen ausfahren, um ihrem Auftrag gerecht zu werden. Wirtschaftlich rechnet sich das nicht. Entlassungen seien aber keine Option, da der Betrieb ja wieder hochgefahren werden müsse, wenn die Kitas und Schulen erneut vollständig öffnen, argumentiert der Verband. Diese „systemrelevante Infrastruktur“ sei zudem wichtig, um „im Notfall die Küchen für den Katastrophenschutz bereitstellen zu können“.

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Die Preiskalkulationen und Rücklagen seien auf solche Notsituationen nicht ausgelegt, zumal die Betriebe gerade erst hohe Investitionen tätigen mussten, um der erhöhten Nachfrage infolge der Einführung des kostenlosen Schulessens gerecht werden zu können, sagte Hoppe dem Tagesspiegel.

In seinem Schreiben an die Senatorin, das dem Tagesspiegel vorliegt, fordert der Verbandssprecher „eindringlich von den politischen Entscheidungsträgern, sich für schnelle, unbürokratische Nothilfemaßnahmen einzusetzen“, um die Anbieter vor der Pleite zu bewahren.

Der Sprecher der Bildungsverwaltung, Martin Klesmann, erklärte: „Die Caterer sind durch die deutschlandweiten Schulschließungen unbestritten in einer schwierigen Situation, auch in Berlin. Wir wollen im Senat erreichen, dass sie Hilfsmittel erhalten oder andere Hilfestellungen greifen. Zudem können diese Unternehmen Kurzarbeit beantragen.“

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