• Wann öffnen Schulen und Kitas in Berlin wieder?: Auf Unterrichtsbeginn am 20. April will sich keiner festlegen
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Wann öffnen Schulen und Kitas in Berlin wieder? : Auf Unterrichtsbeginn am 20. April will sich keiner festlegen

Eltern und Schüler bleiben weiter im Ungewissen: Vor dem 14. April gibt es in Berlin keine Klarheit. Die Regeln für die Abiturprüfungen werden überarbeitet.

Wann diese Räumlichkeiten wieder mit Schülerinnen und Schülern gefüllt werden, ist weiterhin unklar.
Wann diese Räumlichkeiten wieder mit Schülerinnen und Schülern gefüllt werden, ist weiterhin unklar.Foto: Arne Dedert/dpa

Öffnen die Kitas und Schulen am 20.April, wenn die Osterferien enden? Kommen dann rund 500.000 Kinder und Jugendliche in Berlin und rund 20 Millionen in Deutschland wieder in ihren Alltag zurück? Die Hoffnung, dass diese Fragen mit „Ja“ beantwortet wird, ist nochmals ein Stück gesunken, nachdem Österreich seinen Schulen die Auszeit bis Mitte Mai verlängert hat.

Denn Österreich steht besser da, weil sich die Anzahl der gesichert Coronainfizierten nur noch alle 16,5 Tage verdoppelt, was in Deutschland nur rund zwölf Tage dauert.

Definitive Antworten gibt es auf die Frage zum Schul- und Kitabeginn aber noch nicht, denn die Bundesregierung will die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts am 14. April abwarten. Vorher wird auch Berlin sich nicht festlegen – auch wenn der Landesschülerausschuss am Dienstag eine Absage des Schulbetriebs zum 20.April einforderte, um die Ansteckungsraten zu verringern.

Manche Schulen bauen bereits vorsorglich das Homeschooling aus

Die Schulen gehen mit der Ungewissheit unterschiedlich um: Manche ducken sich weg, andere machen längst Pläne für einen Ausbau ihrer Homeschooling-Möglichkeiten nach den Ferien.

Wann es wieder losgeht, war auch Thema bei einer Telefonkonferenz der zwölf Bildungsstadträte mit Staatssekretärin Beate Stoffers (SPD) am Dienstagnachmittag. Die Botschaft war auch hier die gleiche: Nichts wird festgelegt vor dem 14. April. Das gilt auch für die Frage, auf welche Weise der Betrieb wieder aufgenommen wird.

Mancherorts gibt es Überlegungen zu einem Schichtbetrieb: Um die Lerngruppen zu verkleinern, könnte man die Schüler auf den Vor- und Nachmittag verteilen, lautet eine Version. Andere winken ab und präferieren die Version, dass zunächst nur die Berufsschulen und die Oberschulen eröffnen – insbesondere die Jahrgänge, die kurz vor dem Abschluss stehen.

Den Grundschülern geht Basiswissen verloren

Und wieder andere geben zu bedenken, dass besonders die Grundschüler leiden: Vor allem in den ersten zwei bis drei Jahren wird durch die Alphabetisierung und das Zahlenverständnis die Basis für den gesamten Schulerfolg gelegt. Insbesondere Kinder aus bildungsfernen Familien oder aus Familien mit anderen Herkunftssprachen würden abgehängt und könnten den Anschluss an das Lernpensum nicht mehr finden, lautet die Mahnung.

Zudem können sich die jüngeren Schüler mangels Ausrüstung oder elterlichem Rat kaum online behelfen. Daher müssten vor allem die Grundschüler schnell zurück in die Schulen - oder das Schuljahr müsse verlängert werden, fordert etwa der CDU–Politiker Philipp Lengsfeld: Das fehlende Pensum lasse sich andernfalls schon jetzt nicht nachholen.

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Wer die Weltkarte betrachtet, sieht, dass in den meisten Ländern zurzeit kein Unterricht stattfindet. Die Unesco liefert dazu eine gute Übersicht. Wann welches Land zurück zum Schulalltag kommt, ist völlig unklar. In Frankreich wird gerade vage der 4. Mai genannt.

Frankreich hat das Abitur abgesagt

Aber für die 740.000 Schüler des französischen Absolventenjahrgangs wurde gerade das zentrale Abitur, das „Baccalaureat“ abgesagt. Dieser harte französische Schnitt könnte auch über 100 Abiturienten des Französischen Gymnasiums in Tiergarten treffen, die seit zwölf Jahren auf das schwierige französisch-deutsche Doppelabitur hingearbeitet haben. In dieser Woche will Frankreich entscheiden, wie mit den französischen Auslandsschulen verfahren werden soll.

Die Bildungsstadträte und die Bildungsstaatssekretärin sprachen am Dienstag auch über das Prozedere beim Berliner Abitur: Einige Stadträte wie Pankows Bildungsstadtrat Torsten Kühne (CDU) hatten im Vorfeld angemerkt, dass sie nicht genügend Desinfektionsmittel hätten, um die Schulen zu versorgen, wenn ab dem 20. April über 12.000 Abiturienten zu den Prüfungen erwartet werden.

Bildungsverwaltung bereinigt umstrittenes Schreiben

Somit fühlten sie sich überfordert, als Schulen – mit Bezug auf ein Schreiben der Bildungsverwaltung vom 3. April – Desinfektionsmittel einforderten. Die Bildungsverwaltung will dem missverständlichen Schreiben eine bereinigte Version hinterherschicken, sagte Stoffers dem Tagesspiegel am Dienstag. Alle Schulleiter sollten das neue Schreiben zeitnah direkt über die Schulaufsicht erhalten.

Die Betonung soll nun nicht mehr auf der Desinfektion liegen ("Desinfektionsmittel sind vorab bereitzustellen"), sondern darauf, dass bei den Prüfungen genügend Abstand (1,5 Meter) gehalten werden solle und es nicht zur Gruppenbildung komme. Die Bezirke sollen aber sicher stellen, dass die Schulen vor und nach den Prüfungen ordentlich gereinigt werden. Dafür werde gesorgt, sagte Kühne dem Tagesspiegel.

Der Landesschülerausschuss erwartet Proteste

Nicht alle Schüler wollen sich damit zufrieden geben, dass Sauberkeit und Abstand gesichert werden: „In der Berliner Schülerschaft werden die Stimmen laut, die protestieren wollen“, teilte am Dienstag Landesschülersprecher Miguel Góngora mit. Zur Diskussion stünden sogar Demonstrationen während der Prüfungen. Sie wollten der „Senatorin zeigen, dass sie es ernst meinen“. Góngora sagte zudem, dass bereits die ersten Protestbriefe von Schulen an Senatorin Scheeres unterwegs seien.

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Wie berichtet, will der Landesschülerausschuss den Verzicht auf die Abitururprüfungen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hält aber daran fest - so wie die anderen Kultusminister: Hessen ist gerade dabei, die Abiturprüfungen zu schreiben, Rheinland-Pfalz ist schon durch, die anderen wollen folgen.

Gegenwehr gegen das Abitur: "Die Schüler sind verängstigt"

Selbst Schleswig-Holstein, wo Bildungsministerin Karin Prien (CDU) zunächst vorgeprescht war gegen die Abiturprüfungen, betont, auf das Votum am 14. April warten zu wollen. Dort hatten die Abiturienten vom 24. bis 25. März in der Hoffnung gelebt, ohne die Prüfungen das Abiturzeugnis als so genanntes Durchschnittabitur ausgehändigt zu bekommen - auf der Grundlage der Semesternoten aus der Oberstufe. Bis Prien auf die Länderlinie umschwenkte.

Inzwischen melden sich beim Tagesspiegel auch Schülerinnen aus Flensburg - mit der Bitte, ihren Kampf gegen die Abiturprüfungen zu kommunizieren.

Es gibt aber auch ganz andere Voten - etwa aus Brandenburg, wo sich der Landesschülerrat für die Abiturprüfungen stark gemacht hatte. Auch in Hessen ist nicht viel zu hören von Gegenwehr. In Berlin sind die Gegner wesentlich lauter als andernorts: Der Landesschülersprecher gehört selbst zum Abiturjahrgang, hat demnach viel Kontakt zu anderen, die sich in der selben Situation befinden, und sich immer weniger vorstellen können, die Abiturprüfungen zu meistern.

"Sie sind inzwischen zu weit weg von ihren Lehrern, sind verängstigt durch die ungewohnte Situation in ihrer veränderten Stadt", wirbt eine Oberstufenkoordinatorin um Verständnis. Das sei eben eine andere Situation als "in Prenzlau oder Bad Homburg", wo nicht nur die Wucht der Veränderungen, sondern auch die Schülervertretungen schwächer seien.

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