Warnung vor Verkehrsinfarkt in Berlin : IHK fordert vom Senat bessere BER-Anbindung

Die Industrie- und Handelskammer fordert den Senat auf, eine bessere Anbindung für den BER zu schaffen. Sonst drohe ein Verkehrschaos.

Eine Studie warnt vor vermehrtem Verkehrsaufkommen zur BER-Eröffnung.
Eine Studie warnt vor vermehrtem Verkehrsaufkommen zur BER-Eröffnung.Foto: Kay Nietfeld / dpa

Im Jahr 2019 zählten die beiden Berliner Flughäfen in Tegel und Schönefeld zusammen fast 37 Millionen Passagiere. Mit der geplanten Konzentration auf den einen neuen Flughafen BER in Schönefeld ab November dürften sich die Verkehrsströme in Berlin verändern – und das noch um so mehr durch das weitere Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum, das Experten für die nächsten beiden Jahrzehnte für Berlin erwarten.

Darauf wies am Dienstag die Industrie- und Handelskammer (IHK) hin und forderte den Senat auf, schon jetzt konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um einen Verkehrsinfarkt zu verhindern. „Wir wollen, dass Berlin eine attraktive Stadt für Bewohner, Arbeitgeber und Arbeitnehmer bleibt“, fasste Jochen Brückmann, Leiter der Bereiche für Stadtentwicklung und internationale Märkte bei der Kammer, die Motive zusammen.

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Die IHK hatte eine Studie in Auftrag gegeben

Es gehe um flüssigen Verkehr auf der Straße wie einen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), auch um auf den Straßen möglichst viel Platz zu schaffen für Verkehr, der sich nicht ohne weiteres auf die Schiene verlagern lässt: Der von Lieferwagen, Entsorgungsunternehmen und Handwerksbetrieben zu Beispiel.

Die IHK hat dazu eine Studie bei den kommerziellen Verkehrsforscher von SPV Spreeplan Verkehr GmbH aus Steglitz in Auftrag gegeben, die vor einem Jahr schon untersucht hatten, wie der BER die Verkehrsströme im südlichen Brandenburg beeinflussen dürfte.

Jetzt liegt die ergänzende Analyse für Berlin vor. Demnach geht die Firma von einem Anstieg der Passagierzahlen auf 55 Millionen im Jahre 2040 aus und einem jährlichen Bevölkerungswachstum von rund 40000 Menschen im Großraum Berlin – und rund 135000 Arbeitsplätzen mehr als heute. Grundsätzlich entlaste die Konzentration auf den BER viele Berliner, zugleich brauchten die Einwohner im Südwesten wie Nordosten der Stadt kaum mehr oder weniger Zeit für die Anreise. Anders als die Bewohner in den nordwestlichen Bezirken Spandau und Reinickendorf, erklärte Spreeplan-Geschäftsführer Bertram Teschner. Auch sei der BER „sehr gut“ mit Bus und Bahn angebunden.

Zu Stoßzeiten könnte es problematisch werden

Ein Problem: Mit dem Wachstum der Stadt dürften die großen Straßen, die aus dem und in das Umland führen, noch stärker belastet sein. Und auch die Stadtautobahn A100 beziehungsweise der Zubringer nach Schönefeld, die A113. Zwar machten die Reisenden auf dem Weg zum Airport nur rund fünf Prozent des gesamten Straßenverkehrs auf der südlichen A100 aus, aber das macht in den Stoßzeiten schon viel aus.

IHK-Stadtentwicklungsexperte Brückmann legte einen Zwölf-Punkte-Katalog mit Nachbesserungsvorschlägen für den Straßenverkehr und den ÖPNV vor, darunter die Förderung nach dem „attraktiven Tarifoptionen“, wie die Jahreskarte für 365 Euro, für die auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) Sympathien hegt. Auch sollten Busse und Bahnen schon um 3 oder 4 Uhr morgens gen BER pendeln, um auch die Mitarbeiter von Logistikfirmen zu befördern. Für die Straße regt die Kammer den Bau der bereits zu DDR-Zeiten angedachten Tangentiale Verbindung Ost (TVO) im Berliner Südosten an.

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