Fußball im Fernsehen : TV-Frauen immer noch Ausnahme

Die „Sportschau“ zeigt Frauen-Bundesliga, Stephanie Baczyk kommentiert Männer-Bundesliga.

Leistung entscheidet. Stephanie Baczyk kommentiert Männer am Ball.
Leistung entscheidet. Stephanie Baczyk kommentiert Männer am Ball.Foto: rbb/Christian Spielmann

Die Bundesliga-„Sportschau“ am Samstag wird auch die Höhepunkte der Begegnung SC Freiburg gegen den FC Bayern München zusammenfassen. Moment mal, die Bayern spielen doch schon am Freitag gegen die Hertha aus Berlin?

Richtig, die erstgenannte Partie findet nicht in der Männer-Liga statt, sondern in der Frauenfußball-Bundesliga. Die „Sportschau“ der ARD wird künftig auch samstags Berichte von der Frauenfußball-Bundesliga zeigen. „Wir werden in dieser Saison punktuell berichten“, kündigte „Sportschau“-Chef Steffen Simon an. Er möchte „Spitzenspiele der Liga“ im Programm haben. Das sei bisher schwierig gewesen, weil die meisten Partien am Sonntag angepfiffen werden. „Wir sind in Verhandlungen mit dem DFB", erklärte Simon.

Mit dem zusätzlichen Frauenfußball wird es enger in der „Sportschau“ zwischen 18 und 20 Uhr im ersten Programm. Bis 18 Uhr 30 werden künftig Berichte aus der Frauen-Liga und Zusammenfassungen aus der 3. Männer-Liga gezeigt. Danach werden die fünf Erstliga-Partien vom Samstag und das Eröffnungsspiel am Freitag reportiert. Alexander Bommes moderiert am Samstag.

Frauenfrage ist nicht gelöst

Die Frauenfrage ist im Fußball wie im Fußball-TV längst nicht gelöst. Rund 20 Jahre nach dem Debüt von Anne Will als Moderatorin der „Sportschau“ gibt es zur neuen Saison der Bundesliga immerhin und erstmals eine Frau als Kommentatorin des TV-Klassikers: Stephanie Baczyk vom Rundfunk Berlin-Brandenburg gehört ab Samstag zusammen mit 17 Männern zum ARD-Kommentatorenteam.

„Es war gar nicht so einfach, jemanden zu finden“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Das Erste war schon länger auf der Suche nach einer Fußball-Kommentatorin – während das ZDF mit Claudia Neumann schon mehrere Jahre eine Frau im Erstliga-Einsatz hat. Sie ist aber auch Beispiel dafür, dass bei Frauen (von Männern) sehr viel genauer hingehört wird. Als Neumann als erste Frau Spiele der Männer-WM kommentierte, brachen im Internet Häme und Kritik über sie herein. Das ZDF stellte teilweise die Kommentar-Funktion auf seinen Social-Media-Kanälen ab, Sportchef Thomas Fuhrmann sagte: „Hier wird offensichtlich etwas Grundsätzliches berührt: Eine Frau kommentiert ein Spiel der Männer-WM. Manche drehen da völlig durch.“ Die Suche nach Kommentatorinnen machte das nicht einfacher, erklärte ARD-Mann Balkausky. Und auch sein ZDF-Kollege Fuhrmann sagte: „Ich glaube eher, dass das Frauen abgeschreckt hat.“ Das Zweite würde gerne mehr Frauen hinter dem Mikrofon einsetzen.

Frauen müssen besonders robust sein

Jeder Fußball-Kommentator muss mit scharfer Kritik rechnen und einstecken können, Frauen sollten laut Fuhrmann „besonders robust“ sein. Das dürfte auch für Baczyk gelten, die für die „Sportschau“ bereits 3. Liga und DFB-Pokal kommentiert hat. Darüber reden möchte Baczyk nicht so gerne. „Ich mache mir ehrlich gesagt keine Gedanken darüber, ob es um Männer oder Frauen geht. Es sollte um Leistung gehen“, hatte die 32-Jährige bei der Bekanntgabe ihres neuen Jobs gesagt. RBB-Sportchefin Katrin Günther hatte Baczyk „unglaublichen Fußball-Sachverstand“ attestiert und hinzugefügt: „Sie hat, was für Frauen nicht ganz unwichtig ist, eine Stimme, die nicht ganz nach oben geht, wenn es spannend wird. Das spielt eine Rolle, weil es einige abschreckt.“ Hinter dem Mikrofon sind Frauen im Fußball-TV noch die Ausnahme, anders bei der Moderation. Nach Anne Will folgte in der „Sportschau“ unter anderem Monica Lierhaus, seit zwei Jahren gehört Jessy Wellmer zum festen Team. Beim „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF arbeiten Dunja Hayali und Katrin Müller-Hohenstein im Moderations-Quartett. Bei Sky arbeiten seit mehreren Jahren Esther Sedlaczek und Jessica Libbertz (geborene Kastrop) vor der Kamera. Joachim Huber

„Sportschau“, ARD, Samstag, 18 Uhr