Studie über Kommunikation : WhatsApp & Co fördern Dialog mit Familie und Freunden

Immer mehr Deutsche benutzen zur täglichen Kommunikation Messenger. Davon profitieren die Nutzer, sagt eine Studie. Doch es gibt auch Risiken.

Texten statt Telefonieren: Einer Studie zufolge sind Messenger beliebter als das Telefon.
Texten statt Telefonieren: Einer Studie zufolge sind Messenger beliebter als das Telefon.Foto: picture alliance / Sebastian Gol

Wollte man sich im Jahr 1917 in Berlin für den Abend verabreden und hatte keines dieser neuartigen Telefone im Haus, dann musste man zum Stift greifen und eine Postkarte verschicken. Bis zu dreimal täglich wurden Karten in großen Industriestädten zugestellt. Auf eine Einladung am Morgen konnte man am Mittag sogar noch eine Bestätigung schicken.

100 Jahre später sind Postkarten und Telefon geblieben, nur genutzt werden sie zur Kommunikation kaum noch. Messenger wie Skype, Facebook Messenger oder Telegram werden immer mehr genutzt, am beliebtesten ist WhatsApp. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Münchner Kantar TNS-Instituts, die das Lifestyle-Portal Techbook.de des Axel Springer Verlags und die Deutsche Telekom in Auftrag gegeben haben. Demnach kommuniziert rund die Hälfte (46 Prozent) mit Freunden und Bekannten am häufigsten über WhatsApp. 32 Prozent bevorzugen das persönliche Gespräch, zum Telefon greifen 24 Prozent.

Nur noch jeder Zweite telefoniert in der Familie

Innerhalb der Familie steht das persönliche Gespräch zwar noch mit 84 Prozent an erster Stelle, doch 59 Prozent nutzen inzwischen auch WhatsApp, um mit Familie und Verwandten zu kommunizieren. Nur noch jeder Zweite telefoniert.

Für die Studie wurden im August 2000 Personen online befragt – allerdings nur solche, die Seiten wie Techbook.de besuchen. Folgt man dennoch der Studie, helfen Messenger dabei, persönliche Beziehungen aufrechtzuerhalten. 65 Prozent der Befragten gaben an, durch Messenger eher Bescheid zu wissen, wie es ihren Freunden geht. Die digitalen Chats ersetzen laut Studie aber nicht persönliche Kontakte. Rund drei Viertel aller Befragten gaben an, es treffe nicht zu, dass sie sich weniger mit Freunden und Bekannten treffen würden, seitdem sie Messenger verwenden.

Lehrer sollen WhatsApp meiden

Auch Nuno Alves, Leiter für Unterhaltung im Online-Bereich von Springer, liest die Studie so. „Digitalisierung macht nicht einsam, sondern bringt Menschen in Familien und Beziehungen zusammen“, sagt Alves.

Das Bildungsportal „Didacta Digital“ warnt Lehrer indes, mit Schülern via WhatsApp zu kommunizieren. Begründet wird dies damit, dass im Schulkontext Betroffene zustimmen müssen, wenn ihre Daten verarbeitet werden. Für Schulen sei es aber kaum absehbar, was WhatsApp mit den Nutzerdaten anfange. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist die dienstliche Nutzung von WhatsApp deswegen ausdrücklich verboten. Postkarten dürfen Lehrer ihren Schülern aber noch schreiben, nur zugestellt werden diese inzwischen erst am Folgetag.

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