Virologe Hendrik Streeck : „Man traut sich kaum noch, seine Einschätzung zu geben“

Streeck kritisiert "emotionale Debatte" und sorgt sich, verkürzt dargestellt zu werden. Doch dann sagt er bei "Maybritt Illner" noch etwas zur Schulöffnung.

Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn.
Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn.Foto: Federico Gambarini/dpa

Der Virologe Hendrik Streeck hat sich kritisch zur Emotionalität der Corona-Debatte in Deutschland geäußert. 

Auf die Frage, wie er die Wiederaufnahme des Regelunterrichts an Schulen sieht, sagte der Virologe in der Sendung von Maybritt Illner am Donnerstagabend: "Man traut sich ja in dieser emotionalen Debatte gar nicht mehr, seine Einschätzung oder Empfehlung zu geben."

Natürlich habe er auch eine Meinung dazu, aber es "wird dann ja entweder verkürzt dargestellt, was ich sage, oder es wird der eine gegen den anderen aufgebauscht - wir sind ja keine Gegenspieler." 

Auf erneute Nachfrage zur Schulsituation sagte Streeck dann, Kinder könnten gleich infektiös sein wie Erwachsene oder weniger. Immer mehr Daten deuteten in die Richtung, dass Kinder weniger an der Verbreitung des Virus beteiligt sind. 

Die Entscheidung, ob man und wie man Schulen öffnet, sei politisch - virologisch sei alles gesagt.

Studien In den Niederlanden und Australien hätten gezeigt, dass die Sorge, dass die Jüngeren sich nicht an Abstandsregeln halten, nicht so groß sein muss, sagte Streeck. 

In den Niederlanden etwa seien die Kitas schon längst wieder geöffnet, erhöhte Infektionszahlen würden dort aber nicht verzeichnet.

In der Vergangenheit war etwa in der Bild-Zeitung der Virologe Christian Drosten ziemlich direkt für die Schulschließungen verantwortlich gemacht worden. 

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