Hamburger in Pjöngjang : US-Fast-Food hält Einzug in Nordkorea

In Nordkorea sind die USA verhasst – das ist Staatsdoktrin. Beefburger gibt es in Pjöngjang trotzdem.

Sebastian Berger AFP
Pjöngjang, Nordkorea.
Pjöngjang, Nordkorea.Foto: dpa/ Wang Zirui

Die USA sind der Staatsfeind Nummer eins - das lernen Nordkoreaner schon im Kindergarten. Bücher, Filme und Musik aus den Vereinigten Staaten sind in dem kommunistischen Land verboten. Die US-Fast-Food-Kultur hat in der Hauptstadt Pjöngjang dennoch Einzug gehalten.

Green Leaf heißt das Burger-Lokal mit Blick auf den neuen Ryomyong-Prachtboulevard. Auf der Speisekarte stehen Beefburger, Burger mit Käse und Speck, aber auch regional angepasste Burger mit Reis und Kimchi, dem fermentierten koreanischen Gemüse. Uniformierte Kellnerinnen servieren die Hamburger, eingewickelt in Papier, auf Kunststofftabletts. Die Pommes in roten Papptüten. Fehlt nur das gelbe Logo.

Doch das Ambiente hat wenig mit McDonald's gemein: Die Einrichtung ist in Brauntönen gehalten und wirkt wie aus den 70er Jahren. An den Wänden hängen Bilder von "Kimilsungia" und "Kimjongilia" - nach der Herrscherfamilie benannte Blumen. Die Musik kommt aus dem Fernseher: Im staatlichen Programm singt gerade der Nationalchor.

300 bis 500 Gäste kämen jede Woche in das Restaurant, sagt Geschäftsführerin Kim Yong. Zwischen umgerechnet 1,80 Euro und 3,60 Euro kosten die Burger - das ist mehr, als viele Nordkoreaner an einem Tag verdienen.

Staatliche Propaganda auf die Vereinigten Staaten

Vor allem Familie und junge Paare sitzen an diesem Tag an den Tischen. Vielen sei nicht klar, dass sie gerade amerikanisch essen, sagt Kim. "Die Leute denken bei Hamburgern eher an ein belegtes Brötchen als an McDonald's. Einige meinen auch, dass es ein Gericht aus Singapur ist." Denn hinter dem Restaurant steht der singapurische Geschäftsmann Patrick Soh, Franchisenehmer der US-Fast-Food-Kette Waffletown.

Die staatliche Propaganda macht die USA für die Teilung Koreas und die wirtschaftlichen Probleme des Landes verantwortlich. Nicht nur in den Schulen, auch Museen und Gedenkstätten lehren den Nordkoreanern Hass auf die Vereinigten Staaten.

"Die Menschen werden auf vielfältige Weise beeinflusst, aber nicht alle glauben alles", sagt Sokeel Park von der Organisation Liberty in North Korea, die nach China geflüchtete Nordkoreaner unterstützt. Obwohl die Medien unter staatlicher Kontrolle stehen, hörten einige Nordkoreaner Radio Free Asia oder Voice of America. US-Filme würden heimlich auf USB-Sticks verbreitet. Wer erwischt wird, dem drohen harte Strafen.

Seit dem ersten Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un im vergangenen Jahr hat die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA ihren Ton gegenüber den USA gemäßigt. Und durchaus freundlich war auch die Berichterstattung der staatlichen Medien schon bevor das zweite Treffen Kims mit Trump am Mittwochabend in Hanoi begann.

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