Minister zum Coronavirus : Spahn warnt vor Ausgrenzung Infizierter

Gesundheitsminister Jens Spahn hat anlässlich der Rückkehr von Deutschen aus Wuhan vor Diskriminierungen gewarnt. Eine Nachrichtenzusammenfassung vom Tag.

Mahnt zur Gelassenheit: Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, bei seiner Pressekonferenz am Samstag in Bonn.
Mahnt zur Gelassenheit: Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, bei seiner Pressekonferenz am Samstag in Bonn.Foto: Caroline Seidel/dpa

Das Bundeswehrflugzeug mit 124 Rückkehrern aus China an Bord ist am Samstag in Frankfurt am Main gelandet. „Die Passagiere wurden vor dem Start in China untersucht und waren beim Start des Fluges symptomfrei“, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Hanno Kautz, nach der Landung.

„Aus Gründen der Vorsicht wurde während des Fluges jeder Passagier mit dem kleinsten Husten wie geplant separat gesetzt.“ Am Flughafen stiegen zunächst medizinische Fachkräfte mit Schutzmasken und Schutzkleidung in das Flugzeug, um die Passagiere zu begutachten. Eine nähere Untersuchung gab es in einer umgewidmeten Sporthalle.

Elf Passagiere seien direkt in die Uniklinik gebracht worden, hieß es. Bei einem von ihnen müsse abgeklärt werden, ob er mit dem Coronavirus infiziert sei, bei den anderen lägen andere medizinische Gründe vor.

Die gesund wirkenden Rückkehrer wurden zu einem Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Germersheim gebracht, wo sie für zwei Wochen in Quarantäne bleiben müssen. Ein Infektion kann bis zu 14 Tage symptomlos bleiben.

Das Flugzeug mit den Deutschen und ihren Angehörigen an Bord war am frühen Morgen in Wuhan gestartet.

Ende einer Irrfahrt. Die Maschine der Bundesluftwaffe mit den Deutschen aus Wuhan am Samstagnachmittag nach der Landung in Frankfurt am Main.
Ende einer Irrfahrt. Die Maschine der Bundesluftwaffe mit den Deutschen aus Wuhan am Samstagnachmittag nach der Landung in...Foto: Boris Roessler/dpa

Es durfte jedoch nicht wie vorgesehen in Moskau zwischenlanden. Es wurde nach Helsinki umgeleitet. Warum Russland die Zwischenlandung verweigerte, war zunächst nicht bekannt. Hintergrund könnte sein, dass die Regierung in Moskau zuvor die Sicherheitsregeln verschärft hatte. Der Flugverkehr zwischen Russland und China ist weitgehend eingestellt.

Handwerker verweigern Bedienung

Angesichts der Rückkehr deutscher Staatsbürger aus dem chinesischen Infektionsgebiet nach Deutschland hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor einer Ausgrenzung Infizierter und vor Verschwörungstheorien im Internet gewarnt. „Es kehren gesunde Menschen zu uns nach Deutschland zurück“, sagte er am Samstag in Bonn. „Ich möchte dazu auffordern, dass wir alle mit der nötigen Gelassenheit damit umgehen.“ Er spüre „viel Unsicherheit“ im Umgang mit den Gefahren des neuartigen Coronavirus. „Was mir im Moment am meisten Sorge macht, sind Verschwörungstheorien aller Art, die in den sozialen Netzwerken verbreitet werden“, sagte der Minister.

Er berichtete davon, dass sich Kfz-Werkstätten in Bayern geweigert hätten, die Autos von Mitarbeitern einer Firma zu reparieren, unter deren Beschäftigten mehrere Infektionsfälle aufgetreten waren. Wer in den vergangenen Wochen keinen Kontakt zu China-Reisenden hatte, „muss sich jetzt keine Sorgen machen“, sagte Spahn. In Zweifelsfällen sollte ein Infektionsverdacht schnell beim Arzt abgeklärt werden. Seit Freitag sei klar, dass die Kosten von den Krankenkassen übernommen werden.

Quarantäne in Germersheim

Aus Wuhan angekommene Passagiere ohne Symptome wurden zu einem Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Germersheim gebracht, wo sie für zwei Wochen in Quarantäne bleiben müssen. Insgesamt 124 Passagiere sind laut Gesundheitsamt in Frankfurt gelandet: 100 Deutsche, 22 Chinesen, ein US-Bürger und ein Rumäne. Auch 21 Kinder unter sieben Jahren seien an Bord gewesen.

Rheinland-Pfalz sieht sich gut vorbereitet für die Quarantäne. In der Germersheimer Südpfalz-Kaserne würden die „Menschen, die einiges durchgemacht haben“, eine gute und angemessene Betreuung erhalten, sagte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) in Germersheim. Es stehen insgesamt 128 Zimmer in einem bisher unbewohnten Gebäude auf dem Areal bereit. „Die Betreuung in der roten Zone übernehmen 27 Freiwillige des DRK“, sagte Michael Sieland vom Deutschen Roten Kreuz.

In Deutschland gibt es bisher acht bestätigte Infektionsfälle, alle stehen im Zusammenhang mit der Firma Webasto in Bayern. Darunter sind sechs Angestellte des Autozulieferers, einer davon hat sein Kind angesteckt. „Sie sind momentan alle in sehr gutem gesundheitlichem Zustand“, betonte Spahn.

Deutscher auf Gomera infiziert

Das Corona-Virus ist inzwischen auch in Spanien angekommen. Ein deutscher Urlauber, der sich auf der Ferieninsel Gomera befand, ist an dem Virus erkrankt. Wie die spanischen Behörden in der Nacht zum Samstag bestätigten, steckte er sich in Deutschland an. Der Urlauber habe in seinem Heimatland direkten Kontakt zu einer infizierten Person gehabt.

Der deutsche Feriengast werde derzeit mit leichten Symptomen in einer Klinik auf Gomera behandelt, es gehe ihm aber gut, sagte am Samstagmittag Fernando Simón, Sprecher der spanischen Gesundheitsbehörden. „Wir müssen jetzt erstmal abwarten, wie sich der Patient weiterentwickelt.“ Es ist der erste Corona-Erkrankungsfall in Spanien.

Fünf weitere deutsche Urlauber, die mit dem Erkrankten in einem Ferienapartment auf der kanarischen Insel lebten, befinden sich unter Beobachtung: Vier wurden ins Krankenhaus gebracht, wo sie derzeit unter Quarantäne stehen. Der fünfte durfte in der Ferienwohnung bleiben mit der Auflage, diese derzeit nicht zu verlassen.

Bei diesen fünf Touristen sei ein erster Virus-Test negativ verlaufen. Sie sollen aber weiter beobachtet werden, bis eine Infektion definitiv ausgeschlossen ist. Nach Angaben der spanischen Behörden waren die Urlauber bereits seit Mittwoch in Quarantäne. Vorausgegangen war ein Hinweis aus Deutschland, dass wenigstens zwei dieser Touristen Kontakt zu einem Erkrankten in Bayern hatten.

Die Deutschen waren am Dienstag auf der Insel angekommen und hatten sich in dem Ort Hermigua in einer Ferienwohnung einquartiert. Bei den Betroffenen soll es sich um sechs Männer im Alter von 30-40 Jahren handeln. Nach dem Erkrankungsfall auf der spanischen Atlantikinsel Gomera, die vor allem bei Wanderurlaubern beliebt ist, untersuchen die Behörden nun, ob es zu weiteren Ansteckungen auf der Insel gekommen sein können. Alle Personen, mit denen der infizierte Deutsche in Spanien in Kontakt gekommen sein könnte, sollen untersucht werden.

Bisher höchster Anstieg in China

In China erlebte die Epidemie am Samstag den bisher höchsten Anstieg der Infektionen und Toten innerhalb eines Tages. Peking meldete einen Zuwachs um fast 2000 auf 11 791 Erkrankte. Die Zahl der Todesfälle kletterte um 46 auf 259. Außerhalb der Volksrepublik wurden bisher in zwei Dutzend Ländern rund 150 Infektionen gezählt.

Die Welt schottet sich ab

Großbritannien zog Diplomaten aus Peking zurück. Der IT-Gigant Apple schloss seine Filialen in Festland-China. Die USA und Australien verhängten am Samstag ein Einreiseverbot für Reisende aus China. Von dem australischen Verbot ausgenommen seien eigene Staatsbürger und Menschen mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung sowie deren Angehörige, erklärte Premierminister Scott Morrison.

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Das Außenministerium in Canberra riet Australiern von Reisen in die Volksrepublik ab. Auch das Einreiseverbot in den USA gilt nicht für eigene Staatsbürger, Ausländer mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung in den USA sowie deren enge Familienmitglieder. Das US-Außenministerium gab zudem eine Reisewarnung für China aus, worauf die Regierung in Peking mit scharfer Kritik reagierte. Länder wie Italien, Singapur, Vietnam und die Mongolei ergriffen ähnliche Schutzvorkehrungen. (Ralph Schulze mit dpa und AFP)

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