Das faire Preis-Leistungsverhältnis wird gelobt

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Wellness an der polnischen Ostsee : Die Renaissance der Spazieralleen
Nachkriegsmodell – 1948 errichtet auf dem einstigen Fort Münde.
Nachkriegsmodell – 1948 errichtet auf dem einstigen Fort Münde.Foto: Klaus Klöppel

Jetzt, am Abend, färbt sich der Himmel blutrot. Ein einsamer Läufer joggt, ein Pärchen schlendert vorüber, ein Mann befestigt seine Kamera auf einem Stativ. Die meisten Gäste aber sitzen um diese Zeit in ihren Hotels beim Abendessen. Viele Urlauber buchen Halbpension.

Dabei macht es viel mehr Spaß, die schmackhafte Kolberger Küche in einem Restaurant zu probieren. Frischen Fisch gibt es, Wildgerichte und natürlich die regionalen Spezialitäten wie Bigos oder Piroggen. In den kleinen Lokalen rund um den Leuchtturm könnte man einkehren, und dabei den dümpelnden, bunten Kuttern im Hafen zusehen. Oder man speist im urig eingerichteten, auf Alt getrimmten Domek Kata (Henkerhaus), erbaut 2004, in der „neuen Altstadt“.

Vom Kurviertel aus ist man zu Fuß binnen einer Viertelstunde da. Tagsüber werden Führungen zu den wenigen Sehenswürdigkeiten im zerstörten Zentrum angeboten. Lediglich der Pulverturm hat die Kämpfe überdauert, das Rathaus, erbaut nach einem Schinkel-Entwurf, wurde wie der Wasserturm und ein Patrizierhaus wieder an Ort und Stelle gesetzt. Zuallererst hatte man sich allerdings um den Wiederaufbau der fünfschiffigen Basilika bemüht, die bis zu 9000 Menschen Platz bietet. Ein gigantischer Backsteinbau. Die Kirche war 1945 ausgebrannt, doch hatten Bewohner wertvolle Figuren und Gemälde rechtzeitig verstecken können. Heute sind sie wieder an ihren angestammten Plätzen, genau wie der vier Meter hohe siebenarmige Leuchter. Auseinandergeschraubt hatte er die Kriegstage in einem unterirdischen Kirchengewölbe überstanden.

Im Kurviertel verblasst Kolbergs traurige Geschichte. Sole-Bäder, Mooranwendungen und Massagen bestimmen den Tagesablauf der meisten Urlauber. Was sie an Kolberg mögen? „Die Ostsee und den breiten, feinsandigen Strand“, sagt ein Ehepaar aus Leipzig. Und natürlich: das gute Preis-Leistungsverhältnis. Im „Vital Center“ beispielsweise kostet eine 50-minütige Massage 25 Euro – und sie ist ausgesprochen gut.

Im Sommer verwandelt sich Kolberg in ein quirliges pickepackevolles Ostseebad. Dann wird’s selbst den Schwänen zu trubelig, die jetzt noch majestätisch am Strand entlang tapsen. Die Kolberger hegen und pflegen sie, „auch im Mittelalter waren schon welche da“, sagt der Historiker Kroczynski, „wir haben sie sogar auf unserem Stadtwappen.“ Auf den Bänken der Promenade sitzen Urlauber, genießen die Sonne und bewundern die vielen bunten Tulpen. Es ist, als habe Kolberg endlich seinen Frieden gefunden.

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