Ausstellung spanischer Architektur : Steinerne Hallen und spiegelnde Flohmärkte

Büro b720 Arquitectos und Fernando Menis: Die Berliner Galerie Aedes zeigt innovative Baukunst von spanischen Architekten.

Kubistische Höhle. Fernando Menis’ Konzerthalle „CKK Jordanki“.
Kubistische Höhle. Fernando Menis’ Konzerthalle „CKK Jordanki“.Foto: Aedes

Der „Torre Agbar“ aus dem Jahr 2004 ist längst ein Wahrzeichen Barcelonas, ein Symbol für die wirtschaftliche Potenz der katalanischen Hauptstadt. Entworfen hat den 142 Meter hohen, vollrund scheinenden doch leicht ovalen Turm das Büro b720 Arquitectos gemeinsam mit dem Franzosen Jean Nouvel, dem anfangs der größere Entwurfsanteil zugerechnet wurde. Tatsächlich ist das Büro mehrfach als Ko-Entwerfer hervorgetreten, so auch bei den bunten Betonblöcken der Justiz-City im Nordwesten der Stadt, die gemeinsam mit David Chipperfield entstand. Ganz allein das Werk von b720 ist der Markt „Encants“, im Wesentlichen eine Dachstruktur, die sich auf 35000 Quadratmetern über einem jedermann zur Verfügung stehenden Flohmarkt erstreckt. 25 Meter hoch ist das Dach über der Platzfläche, und seine Unterseite ist der eigentliche Clou: in einer Art goldfarbenem Spiegel, vielfach gefaltet, lässt sich tausendfach das Geschehen am Boden beobachten oder besser, als Spektakel erleben.

Es war die Idee der Architekten, ihre bisherigen Entwürfe bei Aedes in ganz ähnlicher Weise als Flohmarkt zu präsentieren, als bunte Stapel verschiedener Materialien, die für ihre einzelnen Bauwerke stehen. Die aber sind ringsum an den Seitenwänden in einer gefalteten, goldfarbenen Struktur zu erspähen, die ganz der Unterseite des Encants-Marktes gleicht.

Fernando Menis entwarf auch das "Badeschiff" in der Spree

Im oberen Ausstellungsraum von Aedes hat Fernando Menis einen schwarzen Würfel als Haus-im-Haus hingestellt, in dessen düsterem Inneren Ton- oder Gipsmodelle seiner Bauten vertikal eher zu erahnen als zu betrachten sind. Menis hat viel auf den heimatlichen Kanarischen Inseln gebaut. Seine Versammlungsräume und Konzertsäle sind eher Skulpturen, deren Beton vielfach den Charakter gewaltiger Felsblöcke annimmt. Mit dem Kultur- und Kongresszentrum Jordanki im polnischen Thorn errang der inzwischen 67-jährige Menis 2015 internationale Aufmerksamkeit, nicht zuletzt durch die variable Akustik der Konzerthalle. Die Saaldecke lässt sich senken, um die Nachhallzeiten zu verändern, und der Beton der Wände ist mit porösem Vulkangestein versetzt, dass den Schall absorbiert. Fotos zeigen einen höhlenartigen Raum, eine Intensivierung des Scharounschen Philharmoniekonzepts.

Menis ist promovierter Architekt, er hat insbesondere Akustik studiert, und wenn er seine Bauten erläutert, vermag er das Verhalten des Schalls von Tönen unterschiedlicher Frequenzen mit den Händen nachzuformen. Man glaubt ihm gerne, dass sich die Schallwellen wie gezeigt verhalten. In Berlin hat er, das ist schon zwölf Jahre her, ein „Badeschiff“ in der Spree entworfen. Offene Plätze und die Verbindung von Land und Wasser sind ihm aus seiner Heimat eng vertraut. Wer dorthin reist, muss sich ansehen, was er in der Inselhauptstadt Santa Cruz auf Teneriffa gebaut hat, etwa den burgartigen Sitz der Regionalregierung, oder hat anlegen lassen, wie den Strand dieser eigentlich strandlosen Stadt, den die Bewohner so sehr benötigen.

Aedes, Christinenstr. 18-19, bis 17. 1., Kataloge 10/20 €

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