• Ausstellung zu „Reichskunstwart“ Edwin Redslob: Die vielen Formen des Reichsadlers

Ausstellung zu „Reichskunstwart“ Edwin Redslob : Die vielen Formen des Reichsadlers

Verantwortlich für das corporate design der Weimarer Republik: Eine Ausstellung über Edwin Redslob im Werkbundarchiv.

Entwürfe für ein Adler-Wappen.
Entwürfe für ein Adler-Wappen.Foto: Werkbundarchiv – Museum der Dinge, 2020

Mit seiner Flagge tat sich Deutschland immer schwer. Besonders aber nach dem Ersten Weltkrieg und der Revolution, als die Republik ein neues Nationalsymbol suchte. Sie fand es in Schwarz-Rot-Gold, den Farben der Frankfurter Nationalversammlung von 1848. 

Die reaktionären Kräfte beharrten auf dem kaiserlichen Schwarz-Weiß-Rot, einer im Übrigen künstlichen Kombination zur Gründung des Norddeutschen Bundes 1866.

Edwin Redslob, der das 1919 geschaffene Amt des „Reichskunstwarts“ bekleidete, bis ihn die Nazis 1933 verjagten, suchte den Flaggenstreit – der im Kern der Streit über die Rechtmäßigkeit der Republik war – auszutarieren. Ihm oblag die Gestaltung aller staatlichen Symbole, das corporate design der Republik. 

Während Schwarz-Rot-Gold die republikanische Flagge bildete, fuhr die Marine weiter unter Schwarz-Weiß-Rot. Redslob war Kunsthistoriker; im Alter von 28 Jahren wurde er in Erfurt der jüngste Museumsdirektor Deutschlands. 

Blick in die Sonderausstellung »Die Demokratie und ihre Adler«.
Blick in die Sonderausstellung »Die Demokratie und ihre Adler«.Foto: Werkbundarchiv – Museum der Dinge, 2020

Er hatte enge Verbindung zur künstlerischen Avantgarde, auch zum Deutschen Werkbund als Vereinigung von der Moderne aufgeschlossenen Gestaltern und Architekten. So kam es zur Berufung zum „Reichskunstwart“.

Im Werkbundarchiv ist seiner Tätigkeit jetzt eine Ausstellung gewidmet, die sich wesentlich auf den Nachlass des Amtes im Bundesarchiv Lichterfelde stützt. Geldscheine, Münzen, Plaketten, offizielle Dokumente des Deutschen Reiches werden vorgestellt; vor allem aber die vielfältigen Formen, die der Reichsadler annahm. 

Einzig festgelegt war lediglich das Wappen des republikanischen Reiches: schwarzer Adler mit roten Krallen, Schnabel und Zunge auf goldgelbem Grund, den Kopf streng zur Seite gewendet.

Anhand der Entwürfe – die Redslob für sich in einem Dokumentenbuch sogsam festhielt – lässt sich der Weg vom expressiven, noch „tiernahen“ Adler Karl Schmidt-Rottluffs zu den sachlicheren Entwürfen zunächst des Wettbewerbs von 1922 und dann nochmals 1928 verfolgen. 

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Allerdings blieb es statthaft, unterschiedliche Adler je nach Verwendungszweck einzusetzen. So kam beispielsweise für die offizielle Sportkleidung der Nationalmannschaften ein abstrakter Adler in Gebrauch. 

Von diesem „Werkbund-Adler“ leitet sich der offizielle Adler der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg her, den Bundespräsident Theodor Heuß – selbst altes Werkbund-Mitglied – als Zeichen der Kontinuität zur Republik von Weimar verfügte.

Die Ausstellung in einem einzigen Raum des Werkbundarchivs versucht das Maximum aus Redslobs Nachlass zu zeigen. Dadurch büßt sie mit ihrem kleinteiligen Material an Übersichtlichkeit ein. Es gibt einfach zu viele Adler! 

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Am Ende des Saales darf der Besucher sein eigenes Wappentier mit Hilfe eines am Eingang verteilten Stiftes zeichnen und an eine Pinnwand hängen. Einmal „Reichskunstwart“ sein! Es geht doch nichts über Museumsdidaktik. 
[Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Oranienstr. 25, bis 20. Oktober. Do bis Mo 12-19 Uhr. Mehr: www.museumderdinge.de]

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