Berliner Maler Max Kaus : Ein Freund der Brücke-Künstler

In Potsdam zeigt der Kunstsalon Chiericati Bilder des Berliner Malers Max Kaus.

Bahnbrechend. Um 1952 malte Kaus die „Küste (Amrum Boddenseite)“.
Bahnbrechend. Um 1952 malte Kaus die „Küste (Amrum Boddenseite)“.Foto: Kunstsalon Chiericati / VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Eine eigenartige Ruhe strömt aus den Bildern von Max Kaus. Dabei strahlen die Farben, und auf Gemälde wie „Küste (Amrum Boddenseite)“ aus den frühen fünfziger Jahren scheint sich die Landschaft geradezu in den Ausstellungsraum zu ergießen – was auch am pastosen Farbauftrag liegen mag.

Noch mehr aber hat es mit kompositorischen Entscheidungen zu tun: Der Berliner Maler rahmt jedes Farbfeld seiner Landschaften, Stillleben oder Porträts, hegt es ein und schafft so einen faszinierenden Kontrast zwischen den pulsierenden Farbmassen und seinem eigenen gestalterischen Willen.

Die Wirkung dieser Entscheidung ist aktuell in zwei Ausstellungen zu sehen. Zum einen hat Sigrid Kaus, die Witwe des 1977 verstorbenen Künstlers, dem Brücke-Museum jüngst zwanzig Werke geschenkt, um die Verbindung zwischen Kaus und seinen expressionistischen Künstlerfreunden noch einmal visuell herzustellen (s. Tagesspiegel vom 16. 5.)-

Zum anderen nutzt der Kunstsalon Chiericati in Potsdam die Chance zu einer Verkaufsausstellung, für die Kaus’ fast 90-jährige Witwe ebenfalls die Exponate stellt. Und obgleich es sich hier um das singuläre Werk eines Protagonisten der deutschen Moderne handelt, siedeln die Preise noch immer im niedrigen fünfstelligen Bereich.

Es mag daran liegen, dass Max Kaus keiner Gruppe angehörte. Abgesehen von diversen Sezessionen, mit deren Hilfe sich der Künstler bis weit in die 1920er Jahre von aller akademischen Tradition absetzte. Ausstellungen in den Galerien Paul Cassirer oder Nierendorf unterstreichen den progressiven Charakter seines Werks, von dem 1943 während einer Bombardierung Berlins ein Großteil im Atelier verbrannte.

Bedürfnis nach klarer Kontur

1953 avancierte Kaus zum stellvertretenden Direktor der hiesigen Kunstakademie, im selben Jahr heirateten er und die Tänzerin Sigrid Reinke. Seitdem ist das Werk zumindest fotografisch gut dokumentiert – bis weit zurück in die Anfangsjahre, wo vieles in private Sammlungen wechselte und anderes unwiederbringlich verloren ging.

Der große Überblick zeigt einen Maler, der sich in der Avantgarde bewegt und hier abstrakte wie figürliche Strömungen des Expressionismus aufnimmt. Mit Karl Hofer verbindet ihn vor allem bei seinen Porträts und Interieurs weit mehr als mit der Brücke, auf deren Bildern der menschliche Körper immer mehr verflacht. Kaus kostet diese Phase ebenfalls aus, orientiert sich dann aber wieder an den konstruktiven Körpern eines Paul Cézanne. Und sein Bedürfnis nach dunkler Kontur mit klar voneinander abgegrenzten, dabei gerundeten Binnenfeldern, das vor allem die Werke im Kunstsalon Chiericati prägt, scheint sich tatsächlich direkt aus dem Jugenstil zu speisen.

Ordnung, Harmonie, ein nuanciertes Kolorit bei gleichzeitiger Farbexplosion, die Kaus dank der Konturen wieder einfängt: Gemälde wie „Römische Treppe (Spanische Treppe in Rom)“ von 1957 oder „Küste (Amrum Boddenseite)“ ebenfalls aus den fünfziger Jahre kombinieren Anspruch und Fähigkeit.

Souverän staffelt der Künstler die Landschaft und formt daraus ornamentale Bildflächen, um sie changieren zu lassen: Ist das noch eine Stadt, ein Küstensaum – oder doch ein abstraktes Bild? Die Farben sind satt, intensiv und dominant, erzählen allerdings auch immer etwas über den konkreten Moment. So wie Sigrid Kaus, die über jedes Detail Auskunft geben kann, weil sie die gemeinsamen Reisen im Kopf aufbewahrt, während Max daraus feinste Malerei gemacht hat.

Kunstsalon Chiericati, Humboldtstr. 4, Potsdam; bis 29. August, Mo, Mi–Fr 11–18 Uhr, Sa 11–16 Uhr

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