Chef des Fashion Council : „Unsere Aufgabe ist das Netzwerken“

Scott Lipinski ist Chef des Fashion Council. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel erzählt er, was er von der Fashion Week und der Bundeskanzlerin hält.

Von Berlin nach Schweden. Eine Reise mit dem Fashion Council.
Von Berlin nach Schweden. Eine Reise mit dem Fashion Council.Foto: Axl Jansen

Seit vier Jahren hat auch Deutschland sein eigenes Fashion Council, wie es in Großbritannien, Frankreich, Belgien und Dänemark schon lange Tradition ist. Hier laufen nicht nur wichtige Informationen zusammen, es wird auch der Nachwuchs gefördert und fit gemacht für die Selbstständigkeit. In London richtet das British Fashion Council sogar die Fashion Week aus, in Dänemark hat der Moderat den staatlichen Auftrag, Mode zu fördern und als kulturelles Gut in der Gesellschaft sichtbarer zu machen. Davon ist das deutsche Pendant noch weit entfernt. Doch Geschäftsführer Scott Lipinski hat Pläne.

Die Gründungsphase ist vorbei. Was ist gerade wichtig?

Die erste Phase ist natürlich vorbei, aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Wenn man zurückblickt, hatten wir die erste Phase 2015, in der elf Personen sich zusammentaten mit einem Unverständnis darüber, dass Marken plötzlich verschwinden, von denen man dachte, sie haben Potenzial. Jetzt, nach gut vier Jahren, befinden wir uns in der nächsten Phase, haben 155 Mitglieder, viele Projekte durchgeführt, müssen aber noch weiter Aufklärung betreiben. Wir hören oft die Frage nach unserer Positionierung. Wir verstehen uns als Interessensvertretung der Branche und machen keinen Unterschied zwischen Jungdesignern und bereits etablierten Vertretern der Branche.

Wer gehört als Mitglied in den Fashion Council Germany?

Zur deutschen Modeindustrie gehören viele Unternehmen und Marken wie Closed, Laurel, Luisa Cerano oder etwa junge, kleine Labels, die nur Accessoires machen. Aber es sind ja nicht nur Modeunternehmen oder Designer, sondern auch alle anderen Akteure auf diesem Gebiet, das ist ein weites Feld. Alle gehören auf die große Bühne Mode. Wir möchten mit der Struktur des Fashion Council Germany die gesamtdeutsche Modelandschaft repräsentieren.

Wie gehen Sie das an?

Um uns in Deutschland zu präsentieren und auch in München, Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg stärker in den direkten Dialog treten zu können, haben wir Veranstaltungen wie die Firesidechats, bei denen sich die Branche treffen und austauschen kann, initiiert. Wir glauben an das Zusammenspiel aller Akteure. Wir müssen uns messen lassen an anderen Fashion Councils. Im Ausland gehen ohnehin alle davon aus, dass es uns schon seit Jahren gibt, weil Deutschland eine große Industrienation ist.

Wie orientieren Sie sich an den anderen?

Wir schauen uns die anderen an, müssen aber nicht alles kopieren, sondern lassen und von deren Erfahrung inspirieren und lernen daraus. In Textiltechnologie ist Deutschland führend. Die Patente im Bereich Mode kommen zu 70 Prozent aus Deutschland.

Sie waren im Sommer 2018 im Kanzleramt bei Frau Merkel. Was hat das gebracht?

Natürlich kann man sagen: Das war nur symbolisch. Aber auch das ist wichtig. Zur Fashion Week in London lädt die Premierministerin die wichtigsten Akteure in die Downing Street. Frau Merkel hat im Gespräch gesagt, dass sie wissen will, was getan wird und werden muss. Der Dialog wurde seitdem mit verschiedensten Vertretern der Politik fortgesetzt.

Wie stehen Sie dazu, junge Labels mit Geld Starthilfe zu unterstützen?

Das Wort Unterstützung erzeugt falsche Erwartungen. Für uns beginnt es, wenn man eine Präsentation im Showroom organisiert, man Netzwerkmöglichkeiten bietet, Workshops organisiert, aber insbesondere eine Anlaufstelle darstellt. Niemandem wurde von uns Geld versprochen, aber wir haben viele Ideen für die Zukunft, die eine externe Finanzierung erfordern.

Wie offen geben Sie Feedback und Kritik?

Wir geben oft den Ratschlag, sich über seine eigenen Stärken und Schwächen Gedanken zu machen. Nicht nur weiter die Stärken stärken, sondern auch seine Schwächen durch Businesspartner, Coachings, Workshops oder andere Methoden in eine Stärke umwandeln. Wir gehen aber nicht aktiv auf Leute zu und sagen: Denk doch mal über Gardinen nach.

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Inwieweit steht die Fashion Week bei Ihnen im Fokus?

Wir sind nicht Veranstalter der Fashion Week wie das British Fashion Council. Wir glauben, dass unsere Aufgabe im Netzwerken liegt. Wir wissen nicht, ob Modeschauen, Installationen oder ein Stand auf der Messe das Rezept für Glückseligkeit sind. Ich finde es gut, dass es die Fashion Week gibt, aber ich finde, dass es an Unterstützung fehlt, von Staat und Regierung und den Akteuren. Mode sollte 365 Tage im Jahr Thema sein.

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