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Comicverlage in der Coronakrise : „Die Stabilität ist in Gefahr“

Wie die Coronakrise deutsche Comicverlage trifft, welche Neuerscheinungen ausfallen – und wie Leser den angeschlagenen Unternehmen helfen können.

Verschoben: Das „Lustige Taschenbuch Extra“ erscheint wegen der Coronakrise ein Jahr später als geplant, hier eine Szene daraus.
Verschoben: Das „Lustige Taschenbuch Extra“ erscheint wegen der Coronakrise ein Jahr später als geplant, hier eine Szene daraus.Foto: © Disney / Egmont Ehapa Media

Umsatzeinbrüche, Zahlungsausfälle – und manche für die kommenden Wochen oder Monate angekündigte Neuerscheinung wird verschoben oder gestrichen. Das sind einige der ersten akuten Auswirkungen der Coronakrise für deutsche Comicverlage.

Wie viele andere Unternehmen leiden auch sie unter der durch das Coronavirus ausgelösten Notlage. Und bei manchen geht es dabei um die Existenz, wie eine Umfrage des Tagesspiegels unter einigen der wichtigsten deutschsprachigen Verlage ergab.

Noch ist nicht abzusehen, wie lange der Ausnahmezustand anhalten wird, aber die ersten Folgen sind bereits zu spüren – in erster Linie für das Personal der betroffenen Unternehmen, aber mittelfristig auch für die Kundschaft, die sich auf ein schrumpfendes Angebot an neuen Comics einstellen muss.

Dazu kommt, dass auch die Läden, in denen sich viele Leserinnen und Leser regelmäßig mit neuen Comics versorgen, massive Umsatzrückgänge zu verzeichnen haben und oft nur noch einen eingeschränkten Betrieb aufrechterhalten können – hier gibt es einen Überblick, welche Comicläden derzeit welche Dienstleistungen anbieten.

„Unser Umsatz ist mehr als zur Hälfte eingebrochen“

Bezüglich der Verlage trifft die aktuelle Krise die kleineren, eigentümergeführten Unternehmen ohne Anbindung an ein großes Verlagshaus besonders hart. „Unser Umsatz ist mehr als zur Hälfte eingebrochen“, sagt zum Beispiel Dirk Rehm, Gründer und Geschäftsführer des Berliner Verlages Reprodukt. Der Grund sind fehlende Verkäufe aufgrund von Ladenschließungen in beinah allen Bundesländern.

Programmänderung: Wegen der Coronakrise werden nicht alle für 2020 angekündigten Comics wie geplant erscheinen.
Programmänderung: Wegen der Coronakrise werden nicht alle für 2020 angekündigten Comics wie geplant erscheinen.Foto: Cross Cult / avant / Egmont Ehapa

„Die weiträumige Schließung des stationären Handels macht sich sehr deutlich bemerkbar“, sagt auch Max Schlegel, Sprecher des Splitter-Verlages in Bielefeld. „Vorbestellungen wurden in großen Mengen abgesagt, und auch der Weiterverkauf von Novitäten und Backlist ist stark zurückgegangen.“

Rossi Schreiber, Gründerin des Verlages Schreiber & Leser, nennt ebenfalls Umsatzeinbrüche und Zahlungsausfälle als die beiden aktuellen Hauptprobleme in Folge der Coronakrise.

Johann Ulrich, Gründer und Geschäftsführer des in Berlin sitzenden avant-Verlages, weist neben dem Ausfall vieler Buchhandlungen noch auf ein weiteres Problem für Verlage wie seinen hin: „Dass in diesen Zeiten die Buchhändler eher durch die Regale gehen um Bücher zu remittieren als neue zu bestellen. Das heißt, den Verlagen wird eher noch Geld, das ja schon vor Monaten bezahlt wurde, nun wieder nachträglich entzogen“.

Zudem mache sich auch der Ausfall zahlreicher Comic-Veranstaltungen bemerkbar: Die Absage der Leipziger Buchmesse im März und des Fumetto-Festivals, das eigentlich derzeit in Luzern stattfinden sollte, haben die Branche hart getroffen. Ob der Internationale Comic-Salon Erlangen wie geplant im Juni diesen Jahres stattfinden kann, ist derzeit noch offen. Viele Aktivitäten und Titel seien eng verzahnt mit derartigen Veranstaltungen, sagt Ulrich. „Alles Arbeit, die nun verschoben werden muss oder umsonst gemacht wurde.

Schwierige Aussichten. Viele Verlage - hier ein Foto vom Comic-Salon 2016 - müssen wegen der Coronakrise umplanen.
Schwierige Aussichten. Viele Verlage - hier ein Foto vom Comic-Salon 2016 - müssen wegen der Coronakrise umplanen.Foto: Lars von Törne

„Am heftigsten trifft uns die Schließung der Buchhandlungen und Comicshops“, bestätigt auch Andreas Mergenthaler, Geschäftsführer des Verlages Cross Cult. „Alles andere funktioniert noch: Druckereien arbeiten, wenn auch mit verkleinerter Belegschaft, und die Vertriebe und Logistikunternehmen arbeiten auch noch.“ Manche Händler allerdings konnten nicht so schnell auf Online- oder telefonische Bestellung und Versand oder Fahrradlieferung umstellen. „Das wird dauern“, sagt Mergenthaler.

Der Versandhändler Amazon, erklärt der Verlagschef, sei in der Krise „keine große Hilfe, da dort jetzt lebenswichtige Güter priorisiert und vorerst keine neuen Bücher ans Lager genommen werden.“ Da speziell im deutsche Comicbereich digitale Ausgaben bisher nur wenig verbreitet seien, habe das die praktische Folge: „Wir bekommen unsere Titel nicht mehr richtig an den Mann beziehungsweise die Frau.“

Wobei Cross Cult als kleiner Verlag noch das „Glück“ gehabt habe, schon vor der Krise einen großen Anteil über Onlineshops verkauft zu haben. „Unsere Titel liegen nicht in Stapeln im stationären Buchhandel“, sagt Mergenthaler. „Große Publikumsverlage werden wegen der Schließung der Buchhandlungen also größere Absatzprobleme bekommen als wir. Die werden komplette Monatsprogramme verschieben müssen.“

„Die Herausforderung liegt im Vertrieb“

Das Vertriebsproblem plagt aktuell auch größere Verlage, die Teil eines Medienkonzerns sind. So wie der in Berlin ansässige Egmont-Ehapa-Verlag, der inzwischen unter dem Namen Egmont Ehapa Media GmbH firmiert und eine Tochtergesellschaft der skandinavischen Egmont Mediengruppe mit Sitz in Kopenhagen ist.

„Die Herausforderung liegt im Vertrieb unserer Titel“, sagt Klaus Høeg-Hagensen, Geschäftsführer der deutschen Egmont-Holding und CEO von Egmont Publishing Dänemark, dem Tagesspiegel. „Im Pressevertrieb unserer Magazine sind wir natürlich auch von Schließungen betroffen, insbesondere an Bahnhöfen und Flughäfen.“ Ein großer Teil der Händler werde aber nach wie vor mit den Titeln des Verlages beliefert.

Anders sehe es im Buchgeschäft aus. „Aktuelle Zuwächse im Vertrieb über digitale Shopangebote können leider nicht die Rückgänge im stationären Buchhandel kompensieren, welcher fast flächendeckend von Schließungen betroffen ist.“ Trotzdem sei nach jetzigem Stand die Produktion der für dieses Jahr geplanten Titel weitgehend gesichert.

Viele Comics werden später veröffentlicht - oder gar nicht

Als Folge der Krise wird in einigen Comicverlagen erwogen, manche geplante Veröffentlichung zu verschieben oder ganz ausfallen zu lassen. „Das erwägen wir sehr konkret und es war mit die erste Maßnahme, die wir ins Auge fassen mussten“, sagt Splitter-Sprecher Max Schlegel. „Druckkosten machen einen erheblichen Anteil unserer laufenden Kosten aus, und Bücher, die nicht verkauft werden können, können diese Kosten nicht zeitnah wieder einspielen.“

Allerdings betont der Splitter-Sprecher, „dass jeder Comic, der bisher angekündigt wurde, auch veröffentlicht wird.“ Im Gespräch seien ausschließlich Terminverschiebungen. „Wir erwägen, eine Monatsproduktion ganz oder teilweise zu verschieben, aber das ist bisher nicht entschieden.“ Man müsse auf die dynamische Situation ebenso dynamisch reagieren.

Bei avant setzt Johann Ulrich auf eine Verbindung aus Verschiebungen und Stornierungen geplanter Veröffentlichungen: „Wir verschieben Titel aus dem Frühjahrsprogramm gegenwärtig in den Herbst und werden das Herbstprogramm 2020 sehr, sehr einschränken.“ Betroffen seien „im Grunde alle Titel, die noch nicht erschienen sind.“ Zum Teil seien sie bereits in Druck, aber auch das sei im Moment schwierig zu planen.

„Wir sind darüber noch in der Diskussion“, sagt Reprodukt-Chef Rehm. Titel zu verschieben, sei einerseits sinnvoll, weil sie später an mehr Verkaufsstellen geliefert werden. Andererseits unterstütze es hoffentlich den Einzelhandel oder den lokalen Mailorder-Service, wenn auch in der nächsten Zeit Neuheiten erscheinen.

Konkret seien aktuell folgende Titel bei Reprodukt wegen der aktuellen Lage verschoben: „Die Rückkehr aufs Land“, Band 3, von Mai nach Juni, „Esthers Tagebücher“, Band 4, von April nach Juni, „The Artist: Ode an die Feder“ von Juni nach August, „Der nutzlose Mann“ von Juli nach August sowie „Die Perineum-Technik“ von Juni nach September.

Noch ist offen, welche langfristigen Folgen die Krise für die Szene - hier ein Foto vom Comic-Salon 2018 - hat.
Noch ist offen, welche langfristigen Folgen die Krise für die Szene - hier ein Foto vom Comic-Salon 2018 - hat.Foto: Lars von Törne

„Derzeit machen wir weiter wie geplant“, sagt hingegen Andreas Mergenthaler von Cross Cult. „In unserem eigenen Interesse, weil dann wenigstens etwas Geld reinkommt, und auch im Interesse jener Händler, die weiterarbeiten wollen und neue Ware brauchen. Und im Interesse der Fans, die gerade viel Zeit zum Lesen haben.“

Ausfälle gebe es dennoch, und zwar vor allem bei Titeln, die man von anderen Verlagen ins Deutsche übertrage. So werden bei Cross Cult einige Titel des US-Verlags Image Comics nicht wie geplant erscheinen können, weil dort derzeit „niemand mehr im Verlag arbeitet – ergo können keine Daten an die ausländischen Verlage geschickt werden.“

Abgesehen von wenigen Ausnahmen habe man aber einen guten Vorlauf, was die Druckdaten angeht: „Wir sind bis Juni/Juli hin versorgt.“ Sollten die Verkaufszahlen im April zu 80 Prozent einbrechen, müssen man allerdings nachjustieren und überlegen, was zu tun ist, sagt Mergenthaler.

Aus verkaufstechnischer Sicht seien aber zumindest derzeit keine Verschiebungen geplant. „Unsere Frühjahrs-Toptitel „Bowie“ und „They called us Enemy – eine Kindheit im Internierungslager“ werden wie geplant erscheinen.“ Auch zwei Titel, die Cross Cult speziell zum Comic-Salon-Besuch des schwedischen Zeichners Peter Bergting eingeplant habe, werden veröffentlicht: Der Holocaust-Band „Bald sind wir wieder zu Hause“ und „Drachen“.

Eine bereits konkret beschlossene Verschiebung gibt es bei Cross Cult zudem für einen Titel aus dem Nicht-Comic-Programm des Verlages, wie Andreas Mergenthaler sagt: „Einzig ein Sachbuch zu James Bond haben wir auf Herbst verschoben, weil der Start des neuen 007-Kinofilms auf November verlegt wurde.“ Ansonsten habe es noch keine akuten Gründe gegeben, auch andere Titel zu verschieben. „Das kann sich aber bald ändern, da in den USA die Hauptauslieferung Diamond ab April auf absehbare Zeit nicht mehr arbeitet.“

Es werden sich also auch in den USA viele angekündigte Titel bei allen großen Verlagen verschieben. „Bei uns betrifft das wohl die erfolgreichen Titel aus dem Avatar/Korra-Universum und neue Serien von Robert Kirkman“, sagt Mergenthaler. So dürfte ein Sammelband der aktuellen „Avatar“-Trilogie später erscheinen. Zudem habe man vorsorglich weitere Titel aus dem nächsten Programm ins übernächste geschoben, weil ein rechtzeitiges Erscheinen unwahrscheinlich wäre. Darunter die Gesamtausgabe der Reihe „Enigma“ von Peter Milligan und Duncan Fegredo. „Bei anderen, älteren Reihen gibt es diese Probleme eher nicht, zum Beispiel „Hellboy“ oder „Invincible“ - da veröffentlichen wir derzeit Titel, die in den USA bereits erschienen sind.“

Auch das „Lustige Taschenbuch“ ist betroffen

Bei Egmont Ehapa hat man sich bei einzelnen eventbezogenen Titeln dazu entschlossen, diese auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, wie Geschäftsführer Klaus Høeg-Hagensen sagt. So werde der sechste Band der Reihe „Lustiges Taschenbuch Extra“, der im Sommer ganz dem Thema Fußball gewidmet sein sollte, vorerst auf Eis gelegt.

„Durch die Verschiebung der EM wird dieser Titel dann voraussichtlich 2021 erscheinen“, sagt Høeg-Hagensen. Er betont allerdings, dass es sich nur um eine Sonderausgabe der Reihe handelt, das alle vier Wochen erscheinende reguläre „Lustige Taschenbuch“ sei nicht betroffen.

„Das sind jedoch absolute Ausnahmen“, sagt Høeg-Hagensen zudem. Ansonsten werde das Programm wie geplant produziert. „Weitere Änderungen sind vorbehaltlich zusätzlicher Einschnitte in die Verfügbarkeit unserer Titel.“

Beim Hamburger Carlsen-Verlag „ist noch nicht final absehbar, welche Folgen die Coronakrise im Einzelnen hat“, wie Klaus Schikowski sagt, Programmleiter für Comics bei dem Unternehmen, das zum schwedischen Medienunternehmen Bonnier AB gehört.

Wie nahezu alle anderen Comicverlage arbeitet man auch bei Carlsen derzeit dezentral vom Homeoffice aus und kommuniziere über digitale Kanäle. „Aber insgesamt läuft die Arbeit an den einzelnen Comicprojekten weiter“, sagt Schikowski. „Inwieweit es auch Verschiebungen geben wird, ist auch noch nicht gänzlich absehbar - allen voran, da es auch den Lizenzgebern nicht gelingen wird, alles nach Plan zu produzieren, insofern werden uns wahrscheinlich auch Verschiebungen treffen, die das Original in Frankreich betreffen. Aber auch das muss die Zukunft zeigen.“

Allerdings führe die Situation auch zu neuen, sehr schnell umsetzbaren Ideen, wie Schikowski sagt. So soll beispielsweise beim zu Carlsen gehörenden Lappan-Verlag bereits Anfang April ein eBook veröffentlicht werden, das unter dem Titel „#staythefuckhome“ Cartoons zur aktuellen Lage enthält - „produziert in rekordverdächtiger Zeit“, wie Schikowski betont.

Lesetouren mit Autoren werden verschoben

Die Absage viele öffentlicher Veranstaltungen mit Comic-Bezug wirkt sich bei Carlsen auch auf einige geplante Lesereisen von Comic-Autorinnen und -Autoren aus, wie Verlagssprecherin Claudia Jerusalem-Groenewald ergänzt. „Neben den Absagen der Leipziger Buchmesse und LitCologne mussten wir vereinzelte Veranstaltungen für April absagen, was sich in der Sichtbarkeit unserer Frühjahrsneuheiten wie „Beethoven“ und „Alan C. Wilder Ltd.“ bemerkbar macht.“

Da derzeit ja niemand wisse, wie es im Mai oder Juni aussieht, „werden wir versuchen, unsere Buchrelease-Touren mit Uli Oesterle („Vatermilch“) und Lisa Frühbeis („Busengewunder“) zu verschieben.“ Die Präsentation vor Publikum sei sowohl für die Künstler*innen wie auch die Bücher sehr wichtig ist. „Beide Titel werden aber wie geplant Ende Mai erscheinen“, betont Jerusalem-Groenewald. „Wir rechnen in den kommenden Wochen zwar mit Umsatzrückgang, aber nach heutigen Stand wird es weder personelle wie programmatische Auswirkungen haben.“

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise für das Personal der deutschen Comicverlage unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen. Während bei Reprodukt bereits alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu 50 Prozent in Kurzarbeit geschickt wurden, sagt Splitter-Sprecher Schlegel: „Abgesehen davon, dass wir jetzt alle im Homeoffice arbeiten, hat sich nichts geändert.“

Bei Egmont Ehapa versuche man, so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie möglich zu halten, sagt Geschäftsführer Høeg-Hagensen. Allerdings agiere man in allen Belangen aktuell sehr vorsichtig und habe deshalb beispielsweise einen Einstellungsstopp verfügt. „Unsere finanzielle Situation ist stark genug, um die Krise vorerst auszusitzen“, sagt er.

„Dabei versuchen wir durch diesen ersten Teil des Ausnahmezustands mit so vielen Mitarbeitern und Jobs wie möglich zu kommen.“ Zu welchen Konsequenzen dies später führen wird, könne er derzeit noch nicht sagen. „Aber ich denke, dass kann derzeit niemand.“

Existenzielle Bedrohung vor allem für kleiner Verlage

Sollte die Krise länger anhalten, wäre das für manche Comicverlage eine existenzielle Bedrohung, „Die Stabilität ist sehr in Gefahr, da wir immer an der Grenze des Möglichen arbeiten und niemals Rücklagen schaffen konnten“, sagt Reprodukt-Chef Rehm. „Wir sind jetzt bereits abhängig von Soforthilfe beziehungsweise Liquiditätshilfe der Investitionsbank Berlin.“

Entscheidend ist, wie lange die Situation andauert, sagt Dirk Rehm. „Über ein oder zwei Monate kommen wir mit der staatlichen Unterstützung klar, sofern sie denn bewilligt wird.“ Auf lange Sicht drohe existenzielle Gefahr: „Wenn der Lockdown drei oder vier Monate andauert, bräuchten wir im Prinzip fortdauernd Unterstützung in ähnlicher Höhe, um über die Runden zu kommen.“

„Für eine gewisse Zeit lässt sich der Betrieb fast normal aufrechterhalten“, sagt Splitter-Sprecher Schlegel. „Wenn die Krise über mehrere Monate andauert, ohne dass die Umsätze wieder steigen, werden nicht nur wir, sondern die gesamte Buchbranche und wahrscheinlich ein Großteil des Einzelhandels generell in große Schwierigkeiten geraten.“

Das sieht Cross-Cult-Chef Mergenthaler ähnlich: „Ich schätze, alle kleineren Verlage – ohne Anbindung an einen international arbeitenden Konzern – waren schon vor der Krise wirtschaftlich nicht gerade super stabil aufgestellt.“ Sein Unternehmen sei da keine Ausnahme. Die aktuelle Lage mache das natürlich nicht besser. „Und eine länger andauernde Krise wäre auch für uns nur schwer zu verkraften.“

Hoffen auf die Leserinnen und Leser: Viele Verlage setzen auf die die Treue der Kundschaft, hier ein Foto vom Comic-Salon 2014.
Hoffen auf die Leserinnen und Leser: Viele Verlage setzen auf die die Treue der Kundschaft, hier ein Foto vom Comic-Salon 2014.Foto: Lars von Törne

Bei den großen Playern der Szene sieht die Lage stabiler aus: „Trotz der Krise sind wir in keiner Weise finanziell gefährdet, weder kurz- noch langfristig“, sagt Egmont-Ehapa-Geschäftsführer Høeg-Hagensen. „Unsere Bedenken gelten hauptsächlich den langfristigen Folgen des Lock Downs und der Entwicklung unserer Geschäftsfelder, sobald diese Krise überstanden ist.“

Dabei gehe es um Fragen wie diese: „Wie wird der Markt danach aussehen? Und gibt es Geschäftsfelder, die so stark getroffen wurden, dass wir gezwungen sind, uns von dort zurückzuziehen?“ Insbesondere bezüglich des Buchgeschäfts sei er deshalb beunruhigt.

Neben staatlichen Hilfen und dem Zurückfahren des Verlagsprogramms gibt es noch eine weitere wichtige Größe, die fast alle Comicverlage als hilfreich in der Krise benennen: Die fortgesetzte Treue ihrer Kundschaft.

„Die Leser sollten eigentlich nur das tun, was sie vorher auch getan haben: weiter unsere Comics kaufen“, sagt Cross-Cult-Chef Mergenthaler. „Sie sollten sich nicht davon abschrecken lassen, dass es nun etwas umständlicher ist und sie sollten die lokalen Händler unterstützen und dort fleißig kaufen.“ Je mehr kleine Läden dicht machen müssten, desto schwerer werde es die gesamte Szene nach der Krise haben - und desto ärmer werde die Comiclandschaft.

Ein Appell an die Leser - und eine Warnung vor Amazon

Auch Reprodukt-Chef Rehm hofft darauf, dass möglichst viele Leserinnen und Leser weiter Comics kaufen – „bevorzugt im lokalen Handel“, wie er betont. „Empfehlen würde ich, bei der Buch- oder Comichandlung des Vertrauens Comics per Mailorder bestellen oder via Curb Side Delivery.“ Zudem können Leserinnen und Leser auch direkt über die Websites der Verlage bestellen.

Von Amazon-Bestellungen sollten Comicfans hingegen absehen: „Amazon bringt den wenigsten Nutzen für Verlage und Infrastruktur des Comicmarktes generell.“

Das sieht Max Schlegel von Splitter ähnlich: „Wir freuen uns über jede Bestellung in unserem Online-Shop - und die Anzahl der Bestellungen ist in den letzten Wochen deutlich gestiegen“, sagt er. „Aber ohne die Infrastruktur des stationären Buch- und Comichandels wird kein Verlag nach der Krise fortbestehen können.“ Und wer es sich leisten könne, solle am besten zusätzlich seine Lieblingskünstler direkt unterstützen.

„Wir freuen uns, wenn uns unsere Fans auch in diesen schwierigen Zeiten die Treue halten“, sagt auch Egmont-Ehapa-Chef Høeg-Hagensen. „Dafür wären wir und unser Team unseren Fans sehr dankbar“.

Welche Comicläden in der eigenen Umgebung in Zeiten von Corona welchen Service anbieten, können Leserinnen und Leser unter anderem auf der Website www.comics-kaufen.de herausfinden.

Auch manche Verlage helfen dabei, die lokalen Händler und ihre Dienstleistungen schnell ausfindig zu machen: „Welcher Laden welchen Service bietet, findet man in unserem Shopfinder auf unserer Seite unter www.carlsen.de/buchhandlungen, wo sich bereits über 300 Comicläden und Buchhandlungen eingetragen haben“, sagt Carlsen-Sprecherin Claudia Jerusalem-Groenewald.