Kunst im Theaterbau : Neuer Standort fürs Käthe-Kollwitz-Museum

Überraschende Wende: Das Käthe-Kollwitz-Museum zieht 2022 ins Schloss Charlottenburg.

Neue Heimat. Blick auf den Theaterbau, der sich links an die große Orangerie von Schloss Charlottenburg anschließt.
Neue Heimat. Blick auf den Theaterbau, der sich links an die große Orangerie von Schloss Charlottenburg anschließt.Foto: Gateau/dpa

Still war es geworden um das Käthe-Kollwitz-Museum in letzter Zeit. Ausstellungseinladungen gingen zwar heraus, aber von dem für Ende 2019 angekündigten Umzug von der Fasanenstraße ins frühere Charlottenburger Heimatmuseum war nichts mehr zu hören.

Die Idee verflüchtigte sich, als sich nach genauer Prüfung erwies, dass die Ertüchtigung des Gebäudes mit Klimaanlage finanziell nicht zu stemmen war. Nachgefragt, wie es weitergeht, wurde kaum noch, seit Vermieter Bernd Schultz sein Exil-Museum nicht im Gründerzeithaus in der Fasanenstraße, sondern einen Neubau am Anhalter Bahnhof plant. Zeitdruck bestand offensichtlich keiner mehr.

Doch nun kommt wieder Bewegung in die Sache. Bei allem Hin und Her am ursprünglichen Quartier war ohnehin deutlich geworden, dass die Räume zu klein geworden waren, ein Lift hermusste, die sanitären Anlagen nicht mehr genügten.

Die gute Nachricht kam mit dem Ortstermin am Donnerstag im Theaterbau von Schloss Charlottenburg. Die offene Standortfrage des Berliner Käthe-Kollwitz-Museums ist entschieden, steht mit Ausrufezeichen auf der Einladung zur Pressekonferenz.

Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert, Eberhard Diepgen als Vorsitzender des Kollwitz-Museumsvereins und Direktorin Josephine Gabler präsentierten gestern die neueste Planung, Erleichterung ist ihnen allen ins Gesicht geschrieben.

Günstige Mietkonditionen für das Kollwitz-Museum

„Dies ist ein guter Tag für das Kollwitz-Museum“, kommentiert der ehemalige Regierende Bürgermeister mit gekonnt staatsmännischem Ton die neueste Wendung. Innerhalb von nur vier Monaten sei man sich mit der Immobilienverwaltung der Schlösserverwaltung einig geworden.

Der moderate Mietvertrag (10 Euro pro Quadratmeter) für die nächsten zwanzig Jahre – mit Option auf Verlängerung – gilt ab 1. April 2022. Der Betrieb am alten Standort läuft so lange wie möglich, bis Ende 2021, weiter.

Damit geht es auch weiter für den dreigeschossigen, frühklassizistischen Theaterbau, der 1788 nach einem Entwurf von Carl Gotthard Langhans entstand, dem Architekten des Brandenburger Tores.

Seit das Museum für Vor- und Frühgeschichte dort vor über zehn Jahren ausgezogen war, um sich im oberen Geschoss des von Chipperfield sanierten Neuen Museums niederzulassen, stockte auch hier die Entwicklung.

Dass Käthe Kollwitz, die große Chronistin des sozialen Elends zu Beginn des 20. Jahrhunderts, mit ihren Werken ausgerechnet einst royale Räume beziehen würde, damit hätte bis vor kurzem vermutlich keiner gerechnet.

Doch nun erweist sich der neue Standort als „Coup“ (Diepgen). Christoph Martin Vogtherr schwärmt davon, dass man sich gegenseitig neue Besuchergruppen erschließen werde. Mit Käthe Kollwitz entstehe eine produktive Spannung zur Geschichte des Schlosses.

Ein Schub für das gesamte Charlottenburger Kulturquartier

Den schleppenden Fortgang im Theaterbau erklärt er damit, dass lange Zeit nicht klar gewesen sei, wo die künftigen Wechselausstellungen des Schlosses stattfinden würden. Außerdem unterhalte das Museum für Vor- und Frühgeschichte noch immer Depotflächen am alten Standort.

Jetzt erst bestehe Klarheit: Wenn im September der neue Flügel des Charlottenburger Schlosses eröffnet wird, kommt darin auch die Sonderausstellung unter.

Überhaupt wird alles neu rundum. Das gesamte Charlottenburger Kulturquartier mit dem Museum Berggruen, dem Bröhan-Museum und der Sammlung Scharf-Gerstenberg auf der anderen Seite des Spandauer Damms werde einen gewaltigen Schub machen, verspricht sich Vogtherr.

So sollen die Schlossgärten wieder hergestellt werden, ein Besucherzentrum für Schloss und Kollwitz-Museum gleich neben der Orangerie ist geplant, der Theaterbau bekommt eine neue Fassade.

Außerdem wird im Rahmen des millionenschweren Sonderinvestitionsprogramms, das der Bund mit den Ländern Brandenburg und Berlin für die preußischen Schlösser und Gärten aufgelegt hat, das Dach saniert.

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Der Theaterbau muss noch intensiv umgebaut werden

Fast klingt die Sanierungsmaßnahme nach Pferdefuß in der ganzen schönen Planung: Wenn sich das Kollwitz-Museum ab Sommer 2022 zunächst im Erdgeschoss mit seiner Dauerausstellung präsentiert, wird es die nächsten zwei Jahre eingerüstet sein.

Doch die Gelegenheit wollte sich offensichtlich keiner der Beteiligten entgehen lassen. „Die Baustelle bleibt draußen!“ macht man sich gegenseitig Mut. Direktorin Gabler, die anders als ihre entnervt geflüchtete Vorgängerin weiterhin Optimistin bleibt, stellt sich werbewirksame Aufdrucke auf der Bauplane vor.

Irgendwann werde über dem Portal in goldenen Lettern nicht mehr neutral „Museum“ prangen, sondern der Name ihres Museums, hofft sie.

Mit Abschluss der Bauarbeiten gewinnt sie außerdem das erste Stockwerk hinzu: 1000 Quadratmeter insgesamt. Das ist doppelt so viel Ausstellungsfläche wie an der Fasanenstraße. Außerdem gehört ein Lift schon jetzt zur Ausstattung.

An der mit 370 000 Euro veranschlagte Herrichtung des Gebäudes will sich das Land beteiligen, ferner sollen Anträge bei der Lottostiftung gestellt werden. Bei genaueren Nachfragen zu den laufenden Kosten stockt allerdings die Beschreibung der gloriosen Zukunft.

Offene Fragen zur Finanzierung des laufenden Betriebs

Alles sei sehr genau berechnet worden, beteuert Diepgen und springt zwischen Kalt- und Warmmieten am alten und neuen Standort hin und her, ohne dass ihm zu folgen wäre. Mit 160 000 Euro blieben die Betriebskosten ungefähr in gleicher Höhe, vermutet er mehr, als dass er es genau weiß.

Staatssekretär Torsten Wöhlert – als Vorsitzender des Stiftungsrates der Schlösserstiftung in Doppelfunktion auf dem Podium — springt ihm bei und verspricht, mit der Miete flexibel zu sein, natürlich werde das Land beizeiten seine Zuschüsse erhöhen.

Eine Rechnung mit lauter Unbekannten: Dazu gehört auch der zweite Mieter im Theaterbau, über den Vogtherr noch nichts verraten will, um die Verhandlungen nicht zu stören. Jemand mit öffentlich-kultureller Funktion, allerdings kein Museum, so viel gibt er preis.

[Kollwitz-Museum, Fasanenstr. 24. „Käthe Kollwitz und das Elend der Großstadt“ und „Käthe Kollwitz – Mutter und Kind“ bis 3. Mai; täglich 11 – 18 Uhr.]

Im Sommer wird der Name bekannt gegeben. Josephine Gabler führt noch durch das Haus und imaginiert die nächsten Ausstellungen, an denen sich dann hoffentlich auch die Nationalgalerie beteiligen werde. Bisher versagte sie ihre Leihgaben.

Mit der neuen Adresse, der besseren Technik soll sich das ändern. Für das Kollwitz-Museum beginnt dann die Zukunft.

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