Schloss Neuhardenberg : Wo Schinkels Karriere begann

Das Ensemble mit Schloss, Park und Kirche verzaubert die Besucher. Mit dem Frühjahr startete dort auch die neue Veranstaltungssaison.

Frühes Meisterwerk in Weiß: das klassizistische Schloss Neuhardenberg.
Frühes Meisterwerk in Weiß: das klassizistische Schloss Neuhardenberg.Foto: Fotokraftwerk

Die Anlage ist imposant. Derartiges würde man nicht erwarten in einer Gemeinde mit rund 2600 Einwohnern im östlichen Brandenburg. Schon der Dorfanger weitet sich ungewöhnlich breit und ist links und rechts von Bäumen bestanden. In der Mitte thront auf einem runden Rasenstück ein Obelisk und bietet Orientierung. Ein Stück weiter, an der Allee, steht die Schinkel-Kirche, ebenfalls ungewöhnlich mächtig für einen Ort dieser Größe. Am Obelisk öffnet sich eine breite Sichtachse auf das Schloss Neuhardenberg, das vornehm elegant einen klassizistischen Akzent in der märkischen Landschaft setzt.

Das ehemalige Gut, rund 70 Kilometer östlich von Berlin gelegen, ist durch die Stiftung Schloss Neuhardenberg bekannt geworden. Sie bietet seit mehr als 15 Jahren ein umfangreiches Kultur- und Tagungsprogramm an, das Gäste aus aller Welt nach Märkisch-Oderland holt.

König Friedrich Wilhelm III. schenkte seinem Staatskanzler das Amt Quilitz

Ursprünglich hieß dieser Ort Quilitz – zweifacher königlicher Dank hat Neu-Hardenberg, wie es auch einmal hieß, groß gemacht (siehe Seite 27). König Friedrich Wilhelm III. schenkte 1814 seinem Staatskanzler und Reformer Karl August von Hardenberg das Amt Quilitz; 1815 wurde es dem neuen Fürsten zu Ehren in Neu-Hardenberg umbenannt. Dieser engagierte erneut Karl Friedrich Schinkel, um dem Schloss ein zweites Stockwerk aufzusetzen, so wie es der erstaunte Besucher heute vorfindet.

Auch die Schinkel-Kirche ist ein besonderes Juwel in der Landschaft. Sie gehört immer noch zur Gemeinde Neuhardenberg und wird von der Stiftung für Veranstaltungen gemietet. Im Grunde begann hier die Karriere des jungen Stararchitekten, der die gesamte Kirche getreu dem Motto gestaltete: „In jedem Winkel ist ein Schinkel“. So jedenfalls erzählt es Uwe Rosenberg, der durch Kirche und Schloss führt. Beeindruckend ist der Himmel der Kirche mit 6262 Sternen, für die Interessierte bei der Renovierung Patenschaften übernahmen. Er entstand fast zeitgleich mit Schinkels berühmtem Bühnenbild für die „Königin der Nacht“.

Refugium in Märkisch Oderland
Dorfanger Neuhardenberg mit dem Obelisken in der Mitte.Weitere Bilder anzeigen
1 von 36Foto: Rolf Brockschmidt
03.04.2019 16:30Dorfanger Neuhardenberg mit dem Obelisken in der Mitte.

Der Bau ist die Grabeskirche der Hardenbergs; der Altar weist daher eine Besonderheit auf. 1822 starb der Staatskanzler. Sein Herz wird in einem kleinen Schränkchen hinter dem Altar aufbewahrt: „Des Fürsten Herz, das liebend treu geschlagen /für seinen König und sein Vaterland/das in den schweren blut’gen Kampfestagen/wo vielen auch die letzte Hoffnung schwand/durch Muth und Weisheit stark in kühnen Tagen /des Vaterlandes Ruhm und Rettung fand/und nach vollbrachtem Werk gebaut /dem heiligen Worte des Herrn den Tempel hier/das ruht an diesem Ort“, steht in schwungvoller Schrift auf einer Tafel vor dem Türchen, welches das innen rot gestrichene Fach verschließt. Unter einer Glashaube liegt das Herz Hardenbergs. Dessen separate Bestattung war bei Adligen üblich.

Die Platane hinter dem Schloss stand schon zu Schinkels Zeiten

Die mächtige Kirche scheint im Inneren zum Teil mit Marmor verkleidet zu sein, doch in Wirklichkeit ist alles nur kunstvoll bemaltes Holz. „Das ist gut für die Akustik“, sagt Rosenberg. Eingeweiht wurde das Gotteshaus zum 300-jährigen Reformationsjubiläum 1817. Seine Rückseite ist wie ein griechischer Tempel gestaltet, denn für einen separaten Tempelbau als Mausoleum für Hardenberg reichte das Geld nicht. Vor der griechisch anmutenden Fassade liegen die Gräber der Familie.

Von der Kirche gelangt man über den Parkplatz, vorbei am ehemaligen Kräutergarten, hinter das Schloss und damit in den Park mit seinen wunderbaren alten Bäumen. Die Schatten spendende Platane hinter dem Schloss stand schon zu Schinkels Zeiten, wie ein Stich beweist. Von dort aus sieht man eines der ersten Denkmäler für Friedrich II. Joachim Bernhard von Prittwitz, der erste Schlossbewohner, ließ es aus Dankbarkeit für seinen Gönner 1792 von Johann Meil entwerfen. Es zeigt Mars und Minerva, wie sie an der Urne um den verstorbenen König trauern. Den Sockel des Denkmals gestaltete kein Geringerer als Christian Daniel Rauch, der auch das Reiterdenkmal Unter den Linden schuf.

Die Schinkel-Kirche ist die Grabeskirche der Hardenbergs.
Die Schinkel-Kirche ist die Grabeskirche der Hardenbergs.Foto: Fotokraftwerk

Der Park ist ein besonderes Juwel der märkischen Kulturlandschaft, und auch an seiner Gestaltung wirkten große Namen mit: Hardenberg hatte Peter Joseph Lenné mit der Anlage eines englischen Landschaftsgartens beauftragt. Sein Schwiegersohn, Fürst von Pückler-Muskau, stand ihm dabei zur Seite. Das aktuellste Know-how von der Insel lieferte der Landschaftsarchitekt John Adey Repton.

Prächtig ist der frühklassizistische Gartensaal

1820 machte sich Schinkel an den Umbau des Schlosses, so wie wir es heute kennen. Das Gebäude bekam ein zweites Geschoss und strahlt nun eine vornehm zurückhaltende preußische Eleganz aus. Seine Räume kann man besichtigen und auch mieten. Prächtig ist der frühklassizistische Gartensaal, der gerne für Hochzeiten genutzt wird und dessen Terrasse sich zum Park öffnet. Glanzpunkt war früher einmal die Bibliothek, die schon Fontane wegen ihrer 16 000 Bücher in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ rühmte.

Von dem fürstlichen Interieur ist leider so gut wie nichts mehr erhalten. Die Bibliothek wird aber allmählich wieder aufgebaut und schmückt heute erneut das Schloss. Prunkstück ist das lang gestreckte Mosaikbild „Die Tempelruinen von Paestum“ aus den Vatikanischen Werkstätten, das Hardenberg von Pius VII. geschenkt bekam.

Wer heute Kunst genießen will, findet sie in der großen Ausstellungshalle in einem ehemaligen Kavaliershaus. Dort wird als Nächstes die Ausstellung „Deutsche Vita“ von Stefan Moses gezeigt.

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