Gerd Ruge wird 90 : Mit Respekt für die Menschen

Immer ruhig, immer sachlich, aber immer mit Blick auf die Menschen in den Ländern, aus denen er berichtete. Der ehemalige ARD-Auslandskorrespondent Gerd Ruge wird 90.

Gerd Ruge war 1956 der erste ARD-Korrespondent in Moskau.
Gerd Ruge war 1956 der erste ARD-Korrespondent in Moskau. Von 1987 bis 1993 setzte ihn die ARD in Russland ein.Foto: wDR/dpa

Den Leitspruch von Hajo Friedrichs – sich auch mit guten Sachen nicht gemeinzumachen – den hat Gerd Ruge mitunter weit ausgelegt. Nicht unbedingt in seinen Reportagen für die ARD, aber für die Menschen, die ihm bei seiner Arbeit als Auslandskorrespondent in Russland, in China oder den USA begegnet sind. Boris Pasternak, den russischen Autor von „Doktor Schiwago“, hat Ruge 1958 in Peredelkino interviewt. Daraus entstand eine Freundschaft, aus der heraus er Pasternak und seiner Familie mit gewagten Geldübergaben half, als die sowjetische Staatsführung den Autor wegen seines Literaturnobelpreises kaltstellte. Jahrzehnte später, als Ruge während des Putsches gegen Boris Jelzin erneut in Russland tätig war, stellte er kurzerhand zwei in Misskredit geratene russische Fernsehjournalisten im Moskauer ARD-Büro ein. An diesem Donnerstag wird Ruge 90 Jahre alt.

Zu seinem 85. Geburtstag gestand er in einem Interview mit dem Tagesspiegel, dass es seinen Berichten nicht geschadet hätte, wenn er etwas weniger genuschelt hätte. Dass er manches Wortende verschluckte, war so etwas wie sein Markenzeichen. Wer sich an seine Reportagen erinnert (das WDR-Fernsehen zeigt am Donnerstag ab 23 Uhr 25 und in der WDR-Mediathek sieben Filme von ihm), dem fällt zudem auf, mit welcher Ruhe er seine Berichte vortrug, wo andere hyperventilierten. Selbst bei umwälzenden Ereignissen wie der Ermordung von Martin Luther King und den daraus resultierenden Rassenunruhen in den USA blieb er sachlich. In seiner Arbeit war Ruge vielleicht nicht so analytisch wie Peter Scholl-Latour, aber man merkte seinen Berichten stets das Interesse an den Menschen an. Das hebt auch WDR-Intendant Tom Buhrow hervor, wenn er sagt, dass Ruge mit den Menschen stets auf Augenhöhe redete, mit viel Respekt und ohne Eitelkeit.

Seinen 90. Geburtstag feiert Ruge im Kreise seiner Familie in München.

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