Haben Sie Precht in Ihrer Show als Gast? - Sicher nicht.

Seite 3 von 3
Harald Schmidt im Interview : „Abstieg, Aufstieg…das ist was für Werktätige“

Adorno, Horkheimer, Hans Mayer, solche Namen werfen Sie zwischen die Gags weiter in Ihre Show rein?

Wir zitieren Namen, von denen die Generation Smartphone nichts gehört hat. Das bedeutet für mich: So lange weitermachen, bis es wieder heißt, es gibt noch einen, der Hans Mayer, wenn nicht verstanden, so doch gelesen hat. Der könnte doch auch mal mit Richard David Precht essen gehen.

Haben Sie Precht in Ihrer Show als Gast? Mit dem könnten Sie über Adorno reden.

Sicher nicht. Der macht doch Primetimeshow im ZDF, oder? Talkgäste bleiben Bestandteil der Show, genauso wie die jungen Wilden als Sidekicks, Klaas Heufer-Umlauf, Pierre M. Krause oder Olli Dittrich. Neu kommen Mirjam Weichselbraun und Stefanie Stappenbeck dazu.

Die „Schmidt-Show“ bleibt ohne Reform, ohne Innovation, ohne Weiterentwicklung.

In der Theologie begeht der Glaube Selbstmord. Ein toller Satz von Karl Rahner. Das hat mich von der Lektüre jeglicher katholischer Hintergrundliteratur befreit und meine Show vor vielen Fehlern bewahrt. Ich sage mir immer: Kerzchen und Marienbild, da sind wir richtig.

Was ist eigentlich mit Ihrer Gage für die Show? Steigt da bei Harald Schmidt noch die Stimmung?

Die Gage ist für mich nicht mehr das Entscheidende. Da habe ich mich lange von gelöst. Das Entscheidende für mich ist, die Sendung machen zu können. Wichtiger, als dass ich Geld verdiene, ist, dass ich die Produktion bezahlen kann.

Sie denken mehr an andere als an sich.

Ich könnte ja locker Geld verdienen als Mediensöldner. Hier ’ne Moderation, dort ’ne Gala, da ein Panel. Interessiert mich alles nicht. Ich brauche Kapital, eingehaltenen Lohn, wie die Marxisten wissen, um meine Mitarbeiter, die Produktion und das Studio bezahlen zu können.

Das klingt nach Arbeitgeberverständnis.

Ne, ich bin ein Ausbeuter. Und dazu brauche ich Werkzeug für die Knechte.

Das Gespräch führten Markus Ehrenberg und Joachim Huber

Harald Schmidt wurde am 17. August 1957 in Neu-Ulm geboren. Nach Schauspielstudium und Bühnen-Engagements erste TV-Erfahrungen 1988  mit „MAZ ab!“. Es folgte „Schmidteinander“. Seine Late-Night-Show etablierte Schmidt von 1995 bis 2003 bei Sat 1, danach in der ARD, zuletzt wieder bei Sat 1, wo die Show wegen schlechter Quoten eingestellt wurde. Ab Dienstag (22 Uhr 15) kehrt die Schmidt- Show beim Pay-TV-Sender Sky Atlantic HD dreimal die Woche auf den Bildschirm zurück. Schmidt lebt mit Lebensgefährtin in Köln und hat fünf Kinder.

Autoren

17 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben