Abkehr von Atomabkommen : Iran steigert Produktion angereicherten Urans

Die islamische Republik fühlt sich nicht mehr an Atomdeal gebunden. Der Chef der Atomenergiebehörde gibt die Entwicklung neuartiger Zentrifugen bekannt.

Im Iran wurde am Montag der den 40. Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft gefeiert. Eine gefesselte Trump-Figur gehörte dazu.
Im Iran wurde am Montag der den 40. Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft gefeiert. Eine gefesselte Trump-Figur gehörte dazu.Foto: ATTA KENARE / AFP

Der Chef der iranischen Atomernergiebehörde hat angekündigt, die Produktion angereicherten Urans weiter zu erhöhen. Damit hat der Iran nach neuen Sanktionen der USA einen weiteren Schritt zur Abkehr vom internationalen Atomabkommen vollzogen.

Auch die Entwicklung zweier neuartiger Zentrifugen zur Urananreicherung wurden angekündigt. Die einzigen durch das Atomabkommen zugelassenen Zentrifugen der ersten Generation kommen Ali Akbar Salehi zufolge im Iran gar nicht mehr zu Einsatz.

Was die islamische Republik laut dem Abkommen darf

  • Nur die ältere Generation der Zentrifugen (IR-1) nutzen.
  • Uran lediglich auf 3,67 Prozent anreichern.
  • Nicht mehr als 300 Kilogramm an Uranbestand haben. 

Der Iran schloss das Abkommen 2015 mit den fünf Vetomächten des UN-Sicherheitsrats und Deutschland.

Die auf 3,67 Prozent begrenzte Urananreicherung war einer der Kernpunkte des Wiener Vertrags, um den Bau einer iranischen Atombombe zu verhindern.

Salehi, der auch Vizepräsident des Iran ist, sagte bei einem Besuch in der Atomforschungsanlage in Natans laut Staatsfernsehen, sein Land produziere nun täglich fünf Kilogramm angereicherten Urans, was einer Steigerung um das Zehnfache gegenüber der noch vor zwei Monaten produzierten Menge entspricht. Die Grenze habe zuvor bei 450 Gramm pro Tag gelegen. Es ist nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass der Iran gegen das Abkommen verstößt. Hier steht, was im Juli geschah.

Zwei neuartige Zentrifugen zur Anreicherung von Uran entwickelt

Innerhalb von zwei Monaten habe sein Land zudem Prototypen zweier neuartiger Zentrifugen entwickelt. Technische Details nannte Salehi nicht. Ein Prototyp werde aber bereits mit Uran in gasförmigem Zustand getestet.

Das Staatsfernsehen zeigte, wie der Chef der iranischen Atomenergiebehörde eine neue Kaskade mit 30 Zentrifugen vom Typ IR-6 in Betrieb nahm. Diese Zentrifugen ermöglichen dem Iran, den Vorrat an schwach angereichertem Uran deutlich aufzustocken. Die neu entwickelten Zentrifugen tragen laut Salehi die Bezeichnung IR-9 und IR-s.

Iran „dankt dem Feind“ USA

„Wir müssen auch dem Feind danken, dass er uns diese Möglichkeit gegeben hat, die Kraft der Islamischen Republik unter Beweis zu stellen, besonders in der Atomindustrie“, sagte Salehi mit Blick auf die Sanktionspolitik der USA. Die USA hatten in der vergangenen Woche die Strafmaßnahmen gegen den Iran ausgeweitet, um nach Angaben des US-Außenamts das Risiko einzudämmen, dass der Iran Atomwaffen entwickeln könne.

Unter Präsident Donald Trump hatten sich die USA im Mai 2018 aus dem Atomabkommen zurückgezogen. Trump verfolgt seitdem eine Politik des „maximalen Drucks“ gegenüber Teheran. Der Iran fühlt sich deshalb nicht mehr an die Vereinbarungen zur Begrenzung seiner nuklearen Kapazitäten gebunden und verletzt schrittweise die Auflagen des Abkommens. Im Mai hatte der US-Präsident dem Iran mit „Auslöschung“ gedroht.

Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft in Teheran

Unterdessen beging der Iran am Montag den 40. Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft in Teheran.

Eine US-Flagge brennt am Jahrestag der Botschaftsbesetzung.
Eine US-Flagge brennt am Jahrestag der Botschaftsbesetzung.Foto: Nazanin Tabatabaee/WANA/VIA REUTERS
Verhasster US-Präsident: Auf Demos zu sehen ebenso wie vom Chef der Atomenergiebehörde zu hören. Er dankte dem „Feind“.
Verhasster US-Präsident: Auf Demos zu sehen ebenso wie vom Chef der Atomenergiebehörde zu hören. Er dankte dem „Feind“.Foto: Nazanin Tabatabaee/WANA/VIA REUTERS

Tausende Menschen nahmen dabei an einer Protestkundgebung gegen die USA in der Hauptstadt teil. Auch in anderen Städten fanden Kundgebungen statt.

Am 4. November 1979 hatten radikale Studenten während der islamischen Revolution die US-Botschaft gestürmt und 444 Tage lang mehr als 50 US-Diplomaten als Geiseln genommen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Teheran wurden damals abgebrochen. (AFP/dpa)

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