CDU-Politiker sieht Versorgung gefährdet : Tattoo-Entfernung nur noch durch Hautärzte

Künftig sollen nur noch Hautärzte Tattoos weglasern dürfen. Das bringt ihnen viel Geld. Doch womöglich kommen sie dann kaum noch zu was anderem.

Eine Lasertherapeutin entfernt ein Tattoo.
Eine Lasertherapeutin entfernt ein Tattoo.Foto: Uli Deck/dpa

Der CDU-Politiker Alexander Krauß hat die geplante Neuregelung kritisiert, wonach Tätowierungen nur noch durch Dermatologen entfernt werden dürfen. „Von heute auf morgen müssten wir dadurch die Zahl der Hautärzte um die Hälfte erhöhen“, sagte Krauß. Das sei völlig unrealistisch. Der Bundestagsabgeordnete forderte das Umweltministerium auf, von dieser Vorgabe abzurücken. Tätowierungen solle jeder entfernen dürfen, der über Heilerlaubnis und Sachkunde verfüge, sagte Krauß. Das seien nicht nur alle Ärzte, sondern auch Heilpraktiker.

Bisher dürfen Tätowierungen sogar in Kosmetikstudios weggelasert werden. Eine Heilerlaubnis ist lediglich in einigen Bundesländern vorgeschrieben. Doch eine „Verordnung zur weiteren Modernisierung des Strahlenschutzrechts“ sieht vor, dass sich künftig nur noch Fachärzte für Hautkrankheiten oder für plastische/ästhetische Medizin derart betätigen dürfen. Die Delegation dieser Leistung an medizinisches Personal soll untersagt werden. Auch die Vor- und Nachsorge bliebe den Spezialisten vorbehalten.

Für den Gesundheitspolitiker Krauß ist das ein Horrorszenario. Um die Dimension des Ganzen zu verdeutlichen, hat er die Nachfrage hochgerechnet. Jeder vierte Deutsche über 18 sei inzwischen tätowiert, führt er ins Feld, jeder zehnte sogar mehrfach. Und ebenfalls jeder Zehnte davon sei mit einem seiner Tattoos unzufrieden, wie eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) von 2014 belegt. Das ergäbe, wenn sich alle Unzufriedenen zur Entfernung entschließen würden, ein Behandlungsvolumen von 1,2 Millionen Patienten. Und dass die Tendenz steigend sei, könne „wohl jeder Besucher eines Freibades bestätigen, der die mehr oder minder gelungenen Kunstwerke betrachten durfte“.

Hochrechnungen sind so eine Sache

Insgesamt gebe es in Deutschland 5767 Ärzte mit der Fachrichtung Dermatologie, sagt Krauß. 3546 arbeiteten als niedergelassene Ärzte. Eine Tätowierung im Umfang von 10 mal 10 Zentimetern erfordere zur Entfernung acht bis zwölf Laserbehandlungen von jeweils 20 Minuten – zusammen also rund 200 Minuten. Jeder niedergelassene Dermatologe müsse demnach über 1100 Stunden im Jahr Tätowierungen entfernen. Er wäre 22 Wochen im Jahr ausschließlich damit beschäftigt. Der Gesundheitsexperte meint, „ damit würde eine Facharztgruppe vollständig gegen die Wand gefahren. Die Verordnung sei „ein bürokratisches Monstrum ohne Bezug zur Realität". Er hoffe, dass sie vom Bundesrat noch gestoppt werde.

Nun ist das mit Hochrechnungen so eine Sache. Bedeutet die Tatsache, dass sich so viele über ihre Hautverschandelung ärgern, dass sich all diese Unzufriedenen auch einer Laserbehandlung unterziehen? Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen will das schon deshalb nicht glauben, weil jede Tattoo-Entfernung eine Menge Geld kostet. Pro Behandlung komme man auf 100 bis 500 Euro, rechnet der Berliner Landesvorsitzende und Generalsekretär des Bundesverbands, Thomas Stavermann, vor. Und nötig seien, je nach Farbe und Tattoogröße, bis zu 20 Sitzungen. Dass die Patienten diese Summen allein aufzubringen haben und dafür keine Krankenkasse einspringt, bremse die Nachfrage gehörig. „Ich glaube nicht, dass wir überfordert werden“, sagt Stavermann. Wenn sich herausstelle, dass es dennoch so sei, könne man die Verordnung immer noch ändern.

Klare Sache: Die Dermatologen wollen sich das Riesengeschäft mit Tattoo-Entfernungen, bei dem sie privat abrechnen können, nicht schmälern lassen. Aber sie betonen auch nicht von ungefähr die Risiken einer nicht sachgemäßen Behandlung. In Berlin gebe es bereits viele Tätowierer, die „hinten im Laden ihren Laser stehen haben“, sagt Stavermann. Nur ausgebildete Dermatologen seien in der Lage, fachgerecht zu lasern und Folgewirkungen auf Haut und Lymphdrüsen abzuschätzen. Schließlich werde der Körper durch Tattoo-Entfernungen enorm belastet.

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„Hochleistungslaser sind kein Spielzeug“, meint auch der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. „Sie gehören in die Hände von Ärztinnen und Ärzten.“ Doch müssen es auch immer ausgebildete Dermatologen sein? Bereits jetzt gebe es bei Hautärzten lange Wartezeiten, warnt Krauß. Es sei zu befürchten, dass diese über dem Weglasern missglückter oder unerwünscht gewordenen Tätowierungen kaum noch zu ihrer eigentlichen Arbeit, nämlich der Behandlung von Hautkrankheiten, kämen. Der CDU-Politiker ist sich sicher: „Angesichts der steigenden Herausforderung, die medizinische Versorgung im Lande zu sichern“ könne man sich die Mehrbelastung von Hautärzten durch ein Privileg auf Tattoo-Entfernungen nicht leisten.

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