„Die Flora und Fauna ist fort“ : In Australien verenden eine halbe Milliarde Tiere

Schwere Buschfeuer wüten in Australien: Einige Tierarten sind vom Aussterben bedroht. Koalas sind besonders in der Existenz bedroht.

Die Beuteltiere sind besonders gefährdet: Sie sind nicht schnell genug, um vor den Flammen zu fliehen.
Die Beuteltiere sind besonders gefährdet: Sie sind nicht schnell genug, um vor den Flammen zu fliehen.Foto: SAEED KHAN / AFP

Die Nase ist angesengt, das Fell verkohlt, die Pfoten verbrannt: Das Foto eines Koalas, der in einen Tierpark auf Kangaroo Island eingeliefert wurde, ist herzerweichend. Dabei hat er noch Glück im Unglück gehabt. Tausende andere kamen in den Feuern, die derzeit in dem australischen Naturparadies Kangaroo Island lodern, ums Leben. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte der insgesamt 50.000 Koalas auf der Insel ums Leben gekommen sein könnten.

Die seit Wochen wütenden Buschbrände in Australien bedrohen nicht nur Menschenleben und ganze Ortschaften – sie haben auch bereits mehr als sechs Millionen Hektar Land verwüstet. Im Vergleich: Im Amazonas-Regenwald zerstörten Feuer im vergangenen Jahr 900.000 Hektar, während in der sibirischen Steppe 2,6 Millionen Hektar in Asche verwandelt wurden. Die Folgen für die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt Australiens sind verheerend. Experten schätzen, dass allein in dem besonders betroffenen Bundesstaat New South Wales bereits fast eine halbe Milliarde Tiere in den Flammen ums Leben gekommen sind.

Bilder von geretteten Koalas, die gierig Wasser aus von Helfern gehaltenen Flaschen trinken und von hilflos in verkohlten Wäldern herumirrenden Kängurus sind in den vergangenen Wochen um die Welt gegangen. Eine am Freitag veröffentlichte Studie der Universität von Sydney schätzt die Zahl der seit September im Staat New South Wales verendeten Tiere auf 480 Millionen – wobei es sich um eine „sehr zurückhaltende“ Kalkulation handelt, wie die Autoren betonen. Die wahre Zahl könne „bedeutend höher“ liegen.

Einige Arten vom Aussterben bedroht

Er gehe davon aus, dass bereits Milliarden von Tieren durch die Feuer ums Leben gekommen seien, sagt Professor Andrew Beattie von der Macquarie-Universität nahe Sydney, „wenn man Säugetiere, Vögel, Reptilien und größere Insekten wie Schmetterlinge mit einrechnet“. Es sei „ziemlich sicher, dass in großen Teilen dieser sehr ausgedehnten Brandgebiete der größte Teil der Tierwelt tot ist“, sagt der Biologe. „Die Flora und Fauna ist fort.“

Einige Arten könnten durch die Verwüstung an den Rand des Aussterbens gebracht werden. Besonders betroffen sind die ohnehin schon durch Krankheiten und den Verlust ihres Lebensraums bedrohten Koalas: Die Beuteltiere leben auf Bäumen, ernähren sich nur von bestimmten Eukalyptusarten und sind nicht schnell genug, um vor den Flammen zu fliehen. Schon vor den derzeitigen Buschbränden ging die Zahl der Koalas in New South Wales und Queensland zwischen 1990 und 2010 um 42 Prozent zurück.

Keiner weiß, wie viele nun durch die Buschbrände verendeten. Der Ökologe Mark Graham vom Naturschutzrat des Landes warnte, die Feuer seien so heiß und entwickelten sich derart schnell, „dass es eine beträchtliche Sterberate von auf Bäumen lebenden Tieren gibt“. Da die Feuer noch immer brennen, „werden wir die Kadaver wahrscheinlich nie finden“.

40 Jahre, bis Habitate wiederhergestellt sind

Einer Studie der University of Adelaide zufolge sind die Koalas auf der Känguru-Insel besonders wertvoll für den Fortbestand, da sie als Einzige nicht von Chlamydien befallen sind. Die Bakterien verursachen bei Koalas Blindheit und Unfruchtbarkeit, oft führen sie zum Tode.

Wie die Zukunftsaussichten für die Tier- und Pflanzenwelt sind, wenn die Brände endlich gelöscht sind, ist noch völlig unklar. Studien zeigen, dass Buschbrände sich nicht gleichmäßig über die Landschaft ausbreiten, sondern es in Brandgebieten immer wieder von den Flammen unberührte „Inseln“ gibt. „Es sind diese unberührten oder weniger betroffenen Gebiete, in die sich Tiere flüchten, wenn sie es dorthin schaffen“, sagt der Biologe Beattie.

Falls es genug solcher „Inseln“ gebe und sich die äußeren Bedingungen rasch verbesserten, gebe es Hoffnung, dass die Wälder und Buschgebiete sich wieder erholen können. Die Zukunft der am schwersten verbrannten Gebiete hängt nach Beatties Worten von Faktoren wie dem Niederschlag und dem Klima in den kommenden Monaten ab. Es könne bis zu 40 Jahre dauern, bis die Habitate wiederhergestellt seien. (mit AFP)

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