Europawahl : Martin Schulz macht in Europa Wahlkampf für die SPD

Ein Amt in Brüssel strebt er nicht an. Doch Ex-SPD-Chef Martin Schulz will als glühender Europäer Stimmen sammeln für die Spitzenkandidaten seiner Partei.

Einsatz für Europa: Martin Schulz (SPD)
Einsatz für Europa: Martin Schulz (SPD)Foto: dpa/Guido Kirchner

Der ehemalige SPD-Parteichef und langjährige EU-Parlamentspräsident Martin Schulz zieht für seine Partei in den Europawahlkampf. "Ich bin Teil der Europakampagne im kommenden Jahr", sagte Schulz den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Es wird offizielle Auftritte im Wahlkampf geben, bei denen ich für meine Partei kämpfe." Ein Amt strebe er aber nicht an, sagte Schulz. Die SPD tritt mit Bundesjustizministerin Katarina Barley und dem Europapolitiker Udo Bullmann an der Spitze in Europa an.

Europa warte auf die Bundesrepublik Deutschland. "Nach dem Brexit muss Deutschland als proeuropäischer Partner vorangehen", sagte Schulz.. Bei der Europawahl gelte es, die Werte von Toleranz, Freiheit und Solidarität hochzuhalten. "Das sind Werte, für die die SPD steht - und darin liegt eine große Chance."

Konkret fordert Schulz eine Internetsteuer für große Digitalkonzerne wie Apple, Facebook, Google und Amazon. Dazu habe die Koalition in Berlin sich verpflichtet. "Wenn man Vertrauen zurück gewinnen will, muss man das endlich machen."

Versöhnung mit Gabriel

Schulz sagte in dem Gespräch auch, er habe seinen Zwist mit Sigmar Gabriel aus dem Jahr der Bundestagswahl 2017 beigelegt. "Unsere Freundschaft basierte immer darauf, dass wir ehrlich miteinander umgehen konnten", sagte Schulz.

"Wir konnten beide immer miteinander über unsere Fehler reden. Wir haben in diesem Jahr beide Fehler gemacht, auch im Verhältnis zueinander", sagte Schulz weiter. "Man muss versuchen, die Eitelkeiten hinter sich zu lassen, die durch einen öffentlichen Streit entstehen. Sigmar und mir ist das gelungen. Die Krise ist überwunden."

Der Streit zwischen Schulz und seinem Vorgänger als SPD-Chef war eskaliert, als Gabriel in einem Interview seine Tochter mit den Worten zitierte, nun müsse Papi nicht mehr so viel Zeit mit "dem Mann mit den Haaren im Gesicht" verbringen. Schulz sagte dem RND, dass ihn dieser Angriff getroffen habe. "Als ich das gelesen habe, hat mich das verletzt. Das hat in diesem Moment zu einer Entzweiung zwischen uns geführt", sagte Schulz. "So ein Ereignis trägt deshalb immer das Potential eines Bruches, aber auch den Keim der Versöhnung. Ich bin froh, dass letzteres der Fall war."

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Schulz sagte, es sei eine Enttäuschung gewesen, auf das Amt des Außenministers zu verzichten. "Ich hätte gerne geholfen, die Europapolitik der SPD umzusetzen. Das hatte ich mir vorgenommen.“ Es habe aber an Rückendeckung gefehlt. "Ein Politiker muss irgendwann einsehen, wenn er oder seine Ziele nicht mehr genügend Unterstützung erfahren. So ein Moment war das für mich", sagte Schulz. (Tsp, AFP)

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