„Germanlessness“? : Warum die Welt jetzt genauer auf Deutschland schaut

Auf der Sicherheitskonferenz wird der Untergang des Westens beklagt. Was unternimmt Deutschland dagegen? Nicht viel, beklagen auch die Partner. Ein Kommentar.

Welchen Beitrag leistet Deutschland in der Welt?
Welchen Beitrag leistet Deutschland in der Welt?Foto: Patrick Pleul/ZB/dpa

Seien wir ehrlich: Amerika schaut längst, seit Präsident Obama, auf den pazifischen Raum - und da besonders auf China. Weil es überall unterwegs ist und seine Macht, vor allem wirtschaftlich, ausspielt. Immer mehr, immer weiter. Unter den Bedingungen eines autoritären Regimes, das keine Rücksichten nimmt. Politische erst recht nicht.

Von Peking wird Amerika in vielen Bereichen herausgefordert: wirtschaftlich, technologisch, militärisch. Verglichen damit war es leichter, mit der alten Welt umzugehen, der bipolaren mit den Russen. Der neue kalte Krieg ist kälter.

Allenthalben wird vor dem Hintergrund der Untergang des Westens beklagt. Wie, er tut wirklich etwas dagegen? Was, politisch und militärisch? Noch dazu gegen die Gegner des Westens? In Syrien und im Irak etwa hat eine politisch gedachte Koalition aus mehr als achtzig Staaten unter amerikanischer und französischer Führung und mit britischer, kanadischer und kurdischer Beteiligung das Kalifat der Terrormiliz „IS“ zurückgedrängt.

Was war Deutschlands Beitrag zu diesem Kampf? Zwei alte Tornados mit Aufklärungskameras, vor 40 Jahren in Dienst gestellt, und ein Tankflug den Irak wurden geschickt - und einige Militärausbilder. Ende März werden die beiden deutschen Tornados durch die italienische Luftwaffe abgelöst, der SPD zuliebe.

Der Beifall für Heiko Maas war mäßig

Konferenzen zum Sieg gegen den IS sind da auch nur Worte. Vor sechs Jahren bereits wurde von deutscher Seite in München ein Fortschritt versprochen, politisch und militärisch. Problem erkannt, Abhilfe ist schwierig. Der Beifall für Bundespräsident Steinmeier und Außenminister Maas (SPD) in diesem Jahr in München war dementsprechend mäßig.

Die Freunde werden ungeduldig, sagen es auch, voran Frankreichs Präsident Macron. Er hält sich auch nicht lange mit „Westlessness“ auf, dem Leitspruch der Sicherheitskonferenz. Macron will die Herausforderung annehmen, drängt dazu, die liberalen Werte, die Freiheit, europäischen Interessen zu verteidigen, ob sie von China, den USA oder von Europäern infrage gestellt werden.

Die nächste deutsche Antwort wird dann vielleicht die „Germanlessness“ beenden. Noch so ein Wort, das zeigt, dass die Welt bei den Deutschen jetzt genauer hinschaut, 30 Jahre nach der Einheit, 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz.

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