Gewalt im Gazastreifen : Türkei schickt israelischen Botschafter nach Hause

Der türkische Präsident Erdogan spricht von einem „Genozid“: Nach der Gewalt im Gazastreifen schickt die Türkei Israels Botschafter nach Hause. Die Palästinenser beklagen ihre Toten.

Palästinenser an der Grenze des Gazastreifens
Palästinenser an der Grenze des GazastreifensFoto: REUTERS/Ibraheem Abu Mustafa

Nach dem harten Vorgehen Israels im Gazastreifen hat die türkische Regierung den israelischen Botschafter Medienberichten zufolge zur Ausreise aufgefordert. Das Außenministerium habe Botschafter Eitan Naeh übermittelt, dass es „angemessen ist, wenn er für einige Zeit in sein Land zurückkehrt“, meldeten die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

Damit scheint es sich nicht um eine förmliche Ausweisung zu handeln. Der Botschafter war wegen der Zusammenstöße mit Dutzenden getöteten Palästinensern ins Außenministerium in Ankara einbestellt worden.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte das Vorgehen Israels im Gazastreifen zuvor als „Genozid“ bezeichnet. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nannte Erdogan daraufhin „einen der größten Unterstützer der Hamas, daher gibt es keinen Zweifel, dass er sich gut auskennt mit Terror und Massakern“.

Am Montag hatten die USA ihre Botschaft in Jerusalem eröffnet. Im Gazastreifen kam es parallel zu gewaltsamen Protesten, bei denen israelische Soldaten 60 Palästinenser töteten und mehr als 2700 verletzten. Aus Protest zog die Türkei ihre Botschafter aus Washington und Tel Aviv ab und ordnete drei Tage Trauer für die getöteten Palästinenser an.

Generalstreik in den Palästinensergebieten

Im Gazastreifen nahmen am Dienstag Tausende Menschen Abschied von ihren Toten. Die Trauer der Palästinenser über die Toten mischte sich am Dienstag, dem Tag der sogenannten "Nakba" (Katastrophe), mit dem Zorn über die Vertreibung und Flucht Hunderttausender Palästinenser im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948.

An der Grenze zum Gazastreifen wurde am Dienstag erneut ein Mensch erschossen, wie das Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte. Allerdings beteiligten sich nicht so viele Menschen wie am Vortag an den Protesten. Im Westjordanland beteiligten sich nach Angaben der israelischen Armee etwa 1300 Menschen an teilweise gewalttätigen Demonstrationen.

Nach der blutigen Gaza-Proteste blieben wegen eines Generalstreiks am Dienstag alle Geschäfte in den Palästinensergebieten und Ost-Jerusalem geschlossen. Auch Schulen, Universitäten und Regierungseinrichtungen blieben zu sowie arabische Einrichtungen in Israel. Die Flaggen am Amtssitz von Präsident Mahmud Abbas in Ramallah wehten auf halbmast.

Die Bundesregierung rief die Israel auf, beim Einsatz von Gewalt verhältnismäßig vorzugehen. „Die israelische Regierung hat das Recht und sie hat die Pflicht, sowohl (...) die Sicherheit ihrer Bürger, als auch die Sicherheit ihrer Grenzen zu schützen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Der Hamas warf er vor, sie lege es auf eine Eskalation der Gewalt an. „Das ist zynisch.“ (dpa)

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