INF-Abrüstungsvertrag gekündigt : Russland entwickelt neue Raketen mittlerer Reichweite

Der INF-Vertrag erlaubte keine Raketen, die weiter als 500 Kilometer fliegen können. Nach dem Ende des Abkommens will Russland jetzt aufrüsten.

Wladimir Putin und Donald Trump (r.) beim G20-Gipfel Ende 2018
Wladimir Putin und Donald Trump (r.) beim G20-Gipfel Ende 2018Foto: REUTERS/Marcos Brindicci

Nach dem Ausstieg der USA und Russlands aus dem Abrüstungsvertrag über nukleare Mittelstreckenraketen hat Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Dienstag angekündigt, Moskau werde schnell neue Raketen mit der bislang verbotenen Reichweite bauen. „Jetzt kommt es darauf an, die Reichweite der heute zu entwickelnden bodengestützten Raketensysteme zu erhöhen“, sagte Schoigu am Dienstag. Sie sollten weiter als 500 Kilometer fliegen können, was der INF-Vertrag nicht erlaubte. Die Abkürzung INF steht für „Intermediate Range Nuclear Forces“, auf Deutsch: nukleare Mittelstreckensysteme.

Die USA und Russland hatten das mehr als 30 Jahre alte Abkommen über das Verbot landgestützter atomarer Mittelstreckenraketen am Wochenende nacheinander ausgesetzt, weil sie sich gegenseitig Verstöße dagegen vorwerfen. Es bleibt aber noch eine halbjährige Kündigungsfrist, um den Vertrag doch noch zu retten.

Die Chancen dafür stehen jedoch schlecht: Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am vergangenen Samstag nach einem Treffen mit Schoigu und Außenminister Sergej Lawrow erklärt, weitere Verhandlungen mit den USA zu dem Thema solle es vorerst nicht geben. Gleichzeitig hatte er bereits angekündigt, es werde an neuen, landgestützten Hypeschall-Mittelstreckenraketen gearbeitet.

Auch neue Satelliten

Schoigu erklärte nun, zunächst werde eine landgestützte Variante des bislang seegestützten Marschflugkörpers "Kalibr" (Nato-Kennung SS-N-27 "Sizzler) entwickelt. Diese sind Mitte der 90-er Jahre in Dienst gestellt worden und haben eine Reichweite von 2500 Kilometern. Sie waren bislang mit konventionellen Sprengköpfen bestückt.

Bereits seit einigen Jahren wird aber für die Marine eine größere Variante entwickelt, die auch nukleare Sprengköpfe tragen könne, schrieb die kremlkritische Wirtschaftszeitung "Kommersant" am Dienstag. Die "Kalibr"-Raketen hätten sich in Syrien bewährt, zitiert die Online-Zeitung "gazeta.ru" den Verteidigungsminister.

Dort sollen die Marschflugkörper in den vergangenen drei Jahren 26 Mal zum Einsatz gekommen sein. Die Entwicklung der neuen Mittelstreckenwaffe soll bereits 2020 abgeschlossen sein. Gleiches gelte für die neuen Hyperschall-Raketen.

Nach Angaben von Schoigu will Russland zudem seine Militärsatelliten im Weltall umrüsten. „Die Erfahrung in Syrien zeigt, dass für einen effizienten Einsatz von Präzisionswaffen detaillierte Karten notwendig sind.“ Solche Daten könnten nur mit modernen Satelliten gewonnen werden, die die Erdoberfläche überwachten, erklärte der Minister. Es gehe dabei etwa um Kameras mit höherer Auflösung. (fra, dpa)

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