• Kampf gegen Antisemitismus: Steinmeier und Rivlin fordern Schüler zu Besuchen in Israel auf

Kampf gegen Antisemitismus : Steinmeier und Rivlin fordern Schüler zu Besuchen in Israel auf

Es sei „notwendige Ergänzung“ zum Unterricht: Der Bundespräsident und Israels Staatschef Rivlin rufen in Berlin junge Menschen dazu auf, Yad Vashem zu besuchen.

Israels Staatschef Reuven Rivlin (r.) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Israels Staatschef Reuven Rivlin (r.) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.Foto: Michael Sohn/Pool/AFP

Die Präsidenten Deutschlands und Israels, Frank-Walter Steinmeier und Reuven Rivlin, haben Jugendliche dazu aufgerufen, Israel, die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und ehemalige Konzentrationslager zu besuchen. Dies sähe er als "notwendige Ergänzung zum Schulunterricht", sagte Steinmeier am Dienstag in Berlin. Fakten über die Geschichte müssten "mit Erfahrungen" kombiniert werden.

Steinmeier und Rivlin besuchen jüdisches Gymnasium in Berlin

Steinmeier und Rivlin besuchten gemeinsam das Jüdische Gymnasium "Moses Mendelssohn" in Berlin. Anlass der Visite des israelischen Präsidenten in Berlin ist der 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz.

Lehrer und Schulen hätten die Verpflichtung, ihre Schüler über den Nationalsozialismus, die Schoah und die Verantwortung dafür zu informieren, sagte Steinmeier. "Was mich besorgt, ist, dass sich die Rolle der Schulerziehung ändert, weil der Einfluss der sozialen Medien heute mit der Erziehung in Schulen und Familien konkurriert."

Rivlin warnte, es gebe wieder "Wellen von Antisemitismus, Hass und Rassismus" in der ganzen Welt. Weiter sagte Rivlin vor 60 Schülern: "Wir haben die vierte, fünfte Generation nach dem Holocaust. Wir müssen einen Weg finden, um Euch und Eure Kinder wissen zu lassen, was passiert ist, damit es sich nicht wiederholt." Rund um die Schule im Bezirk Mitte waren die Straßen von schwer bewaffneten Polizisten gesperrt.

Das Jüdische Gymnasium Moses Mendelssohn zählt derzeit 441 Schüler, Tendenz steigend. 60 Prozent von ihnen sind jüdischen Glaubens, 15 Prozent haben eine andere als die deutsche Staatsangehörigkeit. Das Gebäude der 1778 gegründeten Schule wurde von den Nazis zwischen 1942 und 1945 als Deportationslager für die Berliner Juden genutzt. Erst seit 1993 ist es wieder ein jüdisches Gymnasium. Bei der Veranstaltung berichteten einige Schüler auch davon, dass sie auf anderen Schulen geschmäht worden seien.

Am Mittwoch wird Rivlin eine Rede im Bundestag halten. Vergangene Woche waren Steinmeier und Rivlin bei der Konferenz des World Holocaust Forum in Yad Vashem in Jerusalem. Steinmeier sprach als erster deutscher Staatschef dort. Am Montag nahmen die beiden gemeinsam am Gedenken in Auschwitz teil. (mit dpa)

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