Der Vormittag in Offenbach: Willkommen beim #bpt112

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Live-Blog vom Parteitag : Piratenpartei: eher links und wenig Frauen

11.45 Uhr Die Tagesordnung der Antragskommission hat es geschafft. Damit kann es normal weitergehen, wären da nicht die Satzungsänderungsanträge. Desweiteren noch eine umjubelte Rekordmeldung: 1255 Piraten beim Parteitag. Das sind bald Ausmaße wie beim Volkskongress in China - wir steigen kurz aus.

11.35 Uhr Nachdem noch die Rentnerinnen- und Rentnerpartei begrüßt wurde, geht's nun endlich an die Arbeit. Zunächst wird über die Geschäftsordnung abgestimmt: Das ging erstaunlich schnell. Vorsitz und Wahlleitung werden gewählt - bisher nur Männer, was, wie die Versammlungsleitung anmerkt, auch via Twitter bemängelt wird.

Gerne würden wir hier übrigens selbst ab und an nachgucken, was nebenher unter #bpt112 so alles bei Twitter passiert - allein: Wir kommen wegen Überlastung nicht rein.

Und jetzt: Die von Bundesvorstand und Wahlkommission vorgeschlagene Tagesordnung scheint reibungslos gegen die Gegenanträge durchzukommen - nein, doch nicht: Es wird interveniert. Nun kommt es tatsächlich zur Aussprache: Kommt es am Ende tatsächlich zur Tagesordnung per erweitertem Losverfahren? Immerhin ist die Rednerliste jetzt geschlossen.

10.55 Uhr Nerz geißelt weiter: die EU-Finanzpolitik, die Machtlosigkeit der Parlamente - und ganz besonders Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, dem unter Jubel ein zunächst nachlässiger, dann alarmistischer Umgang mit Rechtsterrorismus unterstellt wird.

Die Schlussfolgerung des Piratenvorsitzenden. "Wir brauchen eine neue liberale Politik in Deutschland." Und genau die solle die Piratenpartei machen.

Das also ist die Vorgabe des Bundesvorsitzenden und Ex-CDU-Mitglieds Nerz - die Piraten als neue liberale Kraft, und - wie eigentlich seit jeher - als Korrektiv konservativer Innenpolitiker.  "Mein Name ist Sebastian Nerz, ich bin stolz darauf, Pirat zu sein."

Jubel. Jetzt weitere Grußworte, es spricht der Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider - wohlwollend. Wir blenden kurz aus.

10.50 Uhr Jetzt spricht der Bundesvorsitzende Sebastian Nerz. Zunächst Dank. Dann Resümee: "Wenn man sich umschaut, sieht man viele neue unbekannte Gesichter." Jetzt geht's drum: eine Partei im Umbruch, innerhalb eines Jahres um die Hälfte gewachsen, über 150 Mandatsträger deutschlandweit, die jetzt beklatscht werden. "Wir dienen uns langsam Stück für Stück nach oben", sagt Nerz.

Nächstes Ziel: die Schleswig-Holstein-Wahl. "Dort werden wir allen beweisen, dass wir keine Eintagsfliege sind." Aber: "Die viel härtere Zeit liegt vor uns. Wir müssen jetzt richtig arbeiten, wir müssen unter Beobachtung arbeiten. Die Piratenpartei ist in der Realpolitik angekommen." Nun gelte es, sich neue Themen zu erarbeiten und zugleich piratische Grundsätze zu verteidigen.

Nerz beschwört die Einheit, entgegen der oftmals die Differnzen betonenden Berichterstattung: "Wir sind eine Partei - weil wir uns auf gemeinsame Grundsätze geeinigt haben." Der Gegenüber sei ein Freund. Und jetzt wird Nerz konkret: Streits dürften nicht mehr so exzessiv offen im Netz ausgetragen werden, die Anspielung geht wohl auch nach Berlin.

10.35 Uhr Die Landesverbände werden begrüßt, auch das mit krachender Musikunterlage. Besonderer Jubel für Berlin, das war klar. Und jetzt: Dunkelheit, Kunstnebel, Flaggen werden aufs Podium getragen (und geschwenkt), Stroboskopblitze, noch mehr laute Musik, "etwas ungelenk" findet es der parteitagserfahrene Kollege nebenan im Gegensatz zu den Parteitagen anderer Parteien. Und tatsächlich: Mit der anschließenden Ansage "Jetzt erstmal ein paar Orga-Durchsagen" wird die Stimmung gekonnt wieder runtergeholt.

Wir kommen jetzt zum ersten Mal zur Genderthematik: Nach ein paar Bierwitzen durch einen Vertreter der gastgebenden hessischen Piratenpartei ("Wir nennen es Liquid Feedback") fängt es durchaus geschmacklos an: "Die Orga-Leute haben lila T-Shirts an, die Farbe der unbefriedigten Frau - weil sie so viel zu tun haben". Vereinzelte Buh-Rufe der auch hier wieder recht vereinzelten Frauen.

10.25 Uhr Ein erstes Rambazamba, das Intro des Parteitags startet. Erstes Element: eine Toninstallation, bei der auf eine Musikschleife Zitate, offenbar aus den Reihen der Piratenpartei, verlesen werden: "Die etablierten Parteien haben Angst." "Was ich kann, fehlt der Partei." Etc ...

Dann über die Hallenleinwand Grußbotschaften von Piraten weltweit. Besonderer Applaus für die leidgeprüften russischen Piraten. Jubel für eine Nachricht aus Somalia. Es menschelt ironisch.

10.15 Uhr Herzlich willkommen zum Live-Blog vom Bundesparteitag der Piratenpartei in Offenbach, in gewisser Weise der Bewährungsparteitag der recht frisch ins Licht der Öffentlichkeit geratenen Partei. Wir versuchen das hier einfach mal mit einem Blog, vielleicht lohnt es sich ja, die Piraten bleiben unberechenbar.

Bisher ist allerdings noch nicht allzu viel los, das heißt: Es ist schon sehr viel los - in der Stadthalle Offenbach, fast alle Plätze sind besetzt, und ja, auf den Tischen reiht sich Laptop an Laptop. Lan-Party-Feeling - wie man sich das halt so vorstellt. Aber eine große Zahl Teilnehmer steht auch noch vor der Halle - die ehrenamtlichen Akkreditierer bekommen den Ansturm nicht ganz bewältigt, weshalb sich auch der für zehn Uhr geplante Beginn der Veranstaltung noch verzögert.

Bisher: Betont witzige Mikrophon-Durchsagen des Berliner Piratensprechers ("Der kleine Kevin möchte aus dem Smalland abgeholt werden") und - natürlich - Netzwerkprobleme.

Desweiteren: Der optisch wie üblich mit oranger Latzhose und Palästinensertuch auffällig gekleidete Gerwald Claus-Brunner zieht eine Spur von Kameraleuten hinter sich her. Später mehr.

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