Matthies meint : Von der armen AKK und Hubschraubern, die keinen Diesel tanken

Zu den Privilegien der Politiker, dem Ehrenamt der AKK, und der Rettung des Planeten. Eine Glosse.

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wechselt von Generalsekretärin zur Parteivorsitzenden.
Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wechselt von Generalsekretärin zur Parteivorsitzenden.Foto: Christian Charisius/dpa

Heute fragen wir mal was Grundsätzliches. Verdienen Politiker a) zu viel, b) zu wenig, c) die Meinung gesagt oder d) eine Tracht Prügel? Mein unrepräsentativer Eindruck ist, dass etwa je ein Viertel der Deutschen diesen vier Basis-Auffassungen zuneigt. AKK ist dabei allerdings außen vor, denn durch den Wechsel vom bezahlten Generalsekretärsamt zum ehrenamtlichen CDU-Parteivorsitz hat sie sich auf Null verschlechtert, was nun auf keinen Fall verdient ist; die Gremien schauen grad, was sich da machen lässt.

Fragt man Politiker nach diesem Thema, werden sie in der Regel sagen, sie verdienten zu wenig. Richtig: Für das Salär eines Bundespräsidenten oder -kanzlers wären Leute wie Winterkorn oder Middelhoff morgens nicht mal aufgestanden. Andererseits macht es einen Unterschied, wer das Gehalt aufbringt; der Steuererzahler ist da etwas pingelig, denn er kann sich zwar ein anderes Auto kaufen als eins von VW, aber keine andere Regierung.

Aber nun wieder andererseits: Politiker haben Privilegien. Personenschützer, Dienstwagen, Traumpensionen. Und, noch besser: Das Amt, wenn es denn hoch genug ist, erlaubt es ihnen, fast allem auszuweichen, was sie den Bürgern so einrühren. Deshalb ist es ein wenig spät, aber dennoch aufgefallen, dass Winfried Kretschmann, der grüne Ministerpräsident von Ba-Wü, im Sommer mit dem Hubschrauber geflogen ist, 167 Kilometer von Rheinfelden nach Bad Wurzach, um dort einen Aussichtsturm zu eröffnen und ein paar Schritte im nahen Wald zu gehen.

Die Rettung des Planeten

Dienstwagen, oder, wie man dem Bürger gern andient, Bahn und Fahrrad hätten den gleichen Zweck erfüllt, nur langsamer. Und nun finden viele Pendler überall in Deutschland, der Weg zum Arbeitsplatz sei nicht nur für sie, sondern auch insgesamt volkswirtschaftlich wichtiger als ein Aussichtsturm in Bad Wurzach, der sicher auch ohne den MP eröffnet worden wäre. Und wo sie denn für den Staufall steuerfinanziert einen Hubschrauber ordern könnten?

Gegenwärtig wird übrigens sehr ernsthaft darüber diskutiert, ob die absehbaren Diesel-Fahrverbote per Kamerakontrolle und Datenabgleich durchgesetzt werden sollen. Das wird die Grünen ein wenig zerreißen, denn wenn jemals eine Maßnahme für Generalverdacht und Datenkrakentum stand, dann doch wohl diese. Die Rettung des Planeten muss uns das wert sein, werden Kretschmanns Leute vermutlich sagen. Und, dass Hubschrauber ja sowieso keinen Diesel tanken.

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