Neue Oxford-Studie : Täuschung im Netz wird zum globalen Phänomen

Von russischen "Trollen" haben viele Deutsche schon gehört. Jetzt zeigt eine neue Untersuchung: Politische Desinformation im Netz nimmt weltweit rasant zu.

Wer im Netz manipuliert, will meist unerkannt bleiben - auch wenn er in Regierungsauftrag unterwegs ist.
Wer im Netz manipuliert, will meist unerkannt bleiben - auch wenn er in Regierungsauftrag unterwegs ist.Foto: imago stock&people

Die Zahl der Länder ist sprunghaft angestiegen, in denen politische Desinformationskampagnen in sozialen Netzwerken zu beobachten sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Universität Oxford, über die zuerst die „New York Times“ berichtet hatte. Demnach hat sich die Zahl solcher Länder in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt und liegt nun bei 70. Im Jahr 2017 waren es lediglich 28 Länder gewesen. Kriterium für die Einstufung ist, dass eine politische Partei oder eine Regierungsbehörde in dem Land an Manipulationen in den sozialen Netzwerken beteiligt ist.

In ihrer Studie mit dem Titel „The Global Disinformation Order“ warnen Samantha Bradshaw und Philip N. Howard vom Oxford Internet Institute der renommierten Universität, dass viele autoritäre Regime die sozialen Netzwerke für ihre Propaganda nutzen. Die Regierungen in 26 Ländern versuchen demnach die öffentliche Meinung zu beeinflussen, um grundlegende Menschenrechte zu unterdrücken, politische Opponenten zu diskreditieren und abweichende Meinungen zu übertönen.

Meist werden Techniken wie Bots, falsche Accounts in den sozialen Medien oder bezahlte „Trolle“ eingesetzt, um die Öffentlichkeit im eigenen Land zu beeinflussen. Sieben Ländern wurde von Facebook und Twitter aber bescheinigt, Nutzer von sozialen Medien im Ausland anzusprechen. Dabei handelt es sich um China, Indien, Iran, Pakistan, Russland, Saudi-Arabien und Venezuela. Besonders China sei in Bezug auf globale Desinformation zu einem „major player“ (Hauptakteur)  aufgestiegen, der Facebook, Twitter und Youtube in aggressiver Weise nutze, urteilt die Studie. Dies sei ein Fakt, der Demokratien durchaus beunruhigen solle.

Wichtigstes Medium für Desinformation in sozialem Netzwerken bleibt laut der Studie Facebook. In nicht weniger als 56 Ländern wurde Facebook für organisierte Propagandakampagnen genutzt. Facebook und anderen Anbietern halten die Autoren vor, ihre Bemühungen zur Bekämpfung von Desinformation im Netz seien nicht ausreichend. „Facebook setzt sich nicht mit den tieferliegenden strukturellen Problemen auseinander, die es erleichtern, falsche oder verfälschende Behauptungen zu verbreiten“, sagte Samantha Bradshaw der „New York Times“.

Die gute Nachricht für Deutschland: Die Oxford-Wissenschaftler fanden ausweislich ihrer Tabellen keine Anzeichen dafür, dass staatliche Akteure in der Bundesrepublik das Netz für Desinformation nutzen, das gleiche gilt für Privatfirmen sowie Bürger und „Influencer“. In täuschender Absicht unterwegs seien im Netz in Deutschland allerdings „Politiker und Parteien“ sowie „zivilgesellschaftliche Akteure“.

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