• Trumps neuer Botschafter für Berlin: Vergangenheitsbewältigung hält er für eine „kranke deutsche Mentalität“

Trumps neuer Botschafter für Berlin : Vergangenheitsbewältigung hält er für eine „kranke deutsche Mentalität“

Douglas Macgregor soll neuer US-Botschafter werden. Nun kursieren brisante Zitate von dem Mann, der auch beim russischen Propagandasender RT auftritt.

Immer gut für ein offenes Wort, Douglas Macgregor.
Immer gut für ein offenes Wort, Douglas Macgregor.Foto: Dan Neal/U.S. Army/dpa

Kann es sein, dass sich die Deutschen nach Richard Grenell zurücksehnen werden? Jenem Statthalter Donald Trumps in Berlin, der zwei Jahre lang keine Gelegenheit ausgelassen hatte, der gesamten politischen Klasse auf die Nerven zu gehen?

Nun denn, werfen wir einen Blick auf dessen designierten Nachfolger, Ex-Oberst Douglas Macgregor. Der kennt zumindest das Terrain, war in Deutschland stationiert, spricht Deutsch, war Planungschef für den Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte im Kosovokrieg.

Nun hat der Sender CNN einige Äußerungen Macgregors zusammengetragen, der immer wieder gerne beim konservativen Sender FoxNews und dem russischen RT auftritt. Die Deutschen etwa kritisiert er dafür, „Millionen von unerwünschten muslimischen Invasoren“ üppige Sozialhilfe zu geben, statt die Bundeswehr aufzurüsten.

Schuld daran sei auch die „kranke Mentalität“ der Vergangenheitsbewältigung, derzufolge „eine Generation nach der anderen für Sünden büßen muss, die in 13 Jahren deutscher Geschichte begangen worden waren“. Die anderen 1500 Jahre deutscher Geschichte würden ignoriert.

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Die Aufnahme muslimischer Flüchtlinge seit dem Herbst 2015 ist Macgregor ein besonders spitzer Dorn im Auge. Gekommen seien Menschen, „die sich nicht assimilieren und ein Teil Europas werden wollen“. Stattdessen etablierten sie sich innerhalb der Länder anderer Völker mit dem Ziel, „Europa in einen islamischen Staat zu verwandeln“. Trotzdem bekämen sie von der EU „sehr luxuriöse und extrem teure“ finanzielle Unterstützung.

"Die Nato ist ein Zombie"

 Auch auf anderen Gebieten äußert sich der künftige Diplomat höchst undiplomatisch. An der Grenze zu Mexiko will Macgregor das Kriegsrecht einführen und auf illegale Einwanderer schießen lassen. Er bereut zutiefst, im Kosovokrieg gegen serbische Kräfte gekämpft zu haben – „orthodoxe Serben, orthodoxe christliche Serben“ -, nur damit am Ende eine „muslimische Drogenmafia an die Macht kommt“.

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Die Bewohner der östlichen und südlichen Ukraine seien „natürlich Russen“, denen es erlaubt werden müsse, sich Russland anzuschließen.

So geht es munter weiter. „Die Nato stirbt nicht, sie ist ein Zombie“, schreibt Macgregor im März 2019. Das Militärbündnis werde lediglich immer wieder „reanimiert“, vornehmlich durch „Vodoo-Zauber“. Und das Ziel der Demokratischen Partei in den USA sei einzig und allein, mit Hilfe massiver Einwanderung einen „demographischen Wandel“ herbeizuführen, der sie permanent an der Macht hält.

Derzeit wird die US-Botschaft in Berlin von der Berufsdiplomatin Robin Quinville geleitet, ruhig und professionell. Die Bestätigung Macgregors durch den Senat kann dauern, Grenell musste 15 Monate lang warten. Außerdem formiert sich innerhalb des Senats bereits Widerstand gegen den ehemaligen Heeresoffizier.

Dessen Äußerungen würden ihn jetzt und in Zukunft für alle Regierungsämter disqualifizieren, sagt einer der Senatoren, der Demokrat Bob Menendez, der dem Ausschuss für Außenpolitik angehört.

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