Denkbar ist eine eng begrenzte Machtdemonstration der Türken

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Türkischer Jet von Syrien abgeschossen : Ankara scheut die militärische Eskalation

Die Türkei, die sich wegen des gewaltsamen Vorgehens der syrischen Regierung gegen die Protestbewegung von einem Partner zu einem entschiedenen Gegner von Präsident Baschar al Assad gewandelt hat, denkt zwar seit Monaten laut über die Einrichtung einer militärisch gesicherten Pufferzone in Syrien nach; doch bisher gibt es keine festen Beschlüsse.

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Die Sympathisanten der syrischen Rebellen in Deutschland fordern Freiheit und Demokratie für ihre Heimat.Weitere Bilder anzeigen
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09.10.2011 08:53Die Sympathisanten der syrischen Rebellen in Deutschland fordern Freiheit und Demokratie für ihre Heimat.

Auch der Abschuss des Jets dürfte für Ankara kein Grund sein, mit einer groß angelegten Aktion in Syrien einzugreifen, sagte Oytun Orhan von der Ankaraner Denkfabrik Orsam. Seda Altug, Syrien-Spezialistin an der Istanbuler Bosporus-Universität, sagte ebenfalls, sie erwarte nicht, dass die Türkei den Abschuss als Vorwand für einen Krieg mit Syrien nehmen werde.

Orhan sagte zu möglichen türkischen Reaktionen, denkbar sei eine eng begrenzte Machtdemonstration, weil Ankara den erlittenen Prestigeverlust nicht hinnehmen wolle. Die türkische Reaktion hängt laut Orhan allerdings davon ab, ob der Jet wirklich im syrischen Luftraum war, ob die Syrer eine Entschuldigung aussprechen und wie die westlichen Verbündeten der Türkei den Fall sehen. Die UN forderte beide Seiten zur Zurückhaltung auf.

Orhan und andere Beobachter fragen sich aber auch, was die Syrer dazu bewogen haben könnte, sofort zu schießen, ohne die türkischen Piloten per Funk zu warnen oder eigene Kampfjets aufsteigen zu lassen. Die Tatsache, dass der Jet ohne Zögern beschossen wurde, sei ohne Zweifel ein „feindlicher Akt“ gewesen und beinhalte – ob gewollt oder nicht – eine Warnung an Ankara, sagte Orhan.

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