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EWP-Chef Eckhard Veil mit Bundeskanzler Olaf Scholz und Oberbürgermeister Mike Schubert (v.l.) im Gas-Kraftwerk im Potsdamer Südosten.
© Andreas Klaer,PNN,Tsp

Energiepreise in Potsdam: Gaskrise droht städtischen Haushalt zu belasten

Schubert in Sorge um Preissteigerung. Scholz besucht Heizkraftwerk. Aufregung um niedrigeren Stromtarif für Kirchenmitglieder in Potsdam. 

Potsdam - Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) stimmt Potsdam auf finanzielle Belastungen durch die Gaskrise ein. „Wir schauen mit größter Sorge auf die Preisentwicklung“, sagte er am gestrigen Freitag im Heizkraftwerk der Stadtwerke. „Wir tun gut daran, mit Vorsicht, aber nicht mit Panik zu reagieren.“ Zum einen müssen sich bekanntlich aufgrund der Knappheit des Gases infolge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine auch Potsdams Strom- und Gaskunden ab 1. September auf deutlich höhere Rechnungen einstellen. Zum anderen ergebe sich das durch die Besonderheit der Stadtwerke und ihre Querfinanzierung, so Schubert. 

Da die Energie und Wasser Potsdam (EWP), Tochter der kommunalen Stadtwerke, im Fall einer sogenannten Gasmangellage die steigenden Gaspreise zwar bei Wärme und Heizung an die Kunden weitergeben könne, nicht aber beim Strom, müsse der Potsdamer Stromanbieter die Mehrkosten abfedern. Da aber durch die Stadtwerke üblicherweise in ihrem Verbund durch Gewinne bei der EWP den Verkehrbetrieb Potsdam (ViP) querfinanzieren, fehle dort am Ende Geld. „Das werden wir über den städtischen Haushalt stabilisieren müssen, wenn die Ticketpreise nicht steigen sollen“, so Schubert. 

Sondersitzung des Hauptausschusses

In der Folge bedeutet das aber auch, dass im Haushalt an anderer Stelle gespart werden muss – im Zweifelsfall bei freiwilligen Leistungen. „Am Ende kommt es wieder bei den Potsdamerinnen und Potsdamern an“, sagte Schubert bedauernd. Am kommenden Mittwoch hat er eine außerordentliche Sitzung des Hauptausschusses angesetzt. Einziges Thema auf der Tagesordnung: Der Bericht zur Energielage.

Das Gas-Heizkraftwerk im Potsdamer Südosten. 
Das Gas-Heizkraftwerk im Potsdamer Südosten. 
© Andreas Klaer,PNN,Tsp

Anlass des gestrigen Pressetermins war ein Besuch des Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) im Heizwerk der EWP im Industriegebiet, ganz in der Nähe des Bahnhofes Potsdam-Rehbrücke. Wie berichtet unternimmt Scholz in dieser Woche eine Sommertour durch seinen Wahlkreis, in dem er wohnt und bei der Bundestagswahl direkt gewählt worden ist. Seine Führung durch das Gas-Heizkraftwerk – von hier aus wird der Großteil der Potsdamer:innen mit aus Gas gewonnenem Strom und Fernwärme versorgt – bezeichnete Scholz als „wichtig und interessant“. Sehr viel mehr war dem Kanzler zur lokalen Lage nicht zu entlocken. 

Im Wesentlichen erläuterte Scholz nach einigen Fotoposen vor der lokalen und nationalen Presse die Maßnahmen der Bundesregierung, um Deutschlands Gasversorgung zu sichern. Neben dem schnellen Bau von Flüssiggasterminals an der Küste sprach er die Nutzung von Kohlekraftwerken und eine mögliche kurzfristige Umstellung von Gas auf Öl an. In Potsdam besteht diese Möglichkeit zwar, es handelt sich aber nur um einen Notpuffer für Havarien. Der Vorrat des Diesel-Speichers, mit dem das Heizkraftwerk auch betrieben werden könnte, reicht nur für eine Woche. 

Aufregung um Kirchenstrom

Für Aufregung gesorgt hatte im Vorfeld des Termins mit dem Bundeskanzler ein Text der Bild-Zeitung über Vorzugstarife für Christen bei der EWP. In der Tat haben Potsdams Kirchengemeinden und ihre Mitglieder schon seit 2004 die Möglichkeit, Strom zum EchtKircheÖko-Tarif zu beziehen. Hauptanliegen der Gemeinden war es damals, Ökostrom ohne Atomkraft zu beziehen. Dafür zahlen Katholiken laut Internetseite der Katholischen Kirche nur 26 Cent brutto pro Kilowattstunde – statt 39 Cent in einem anderen Ökostromtarif des Anbieters. Die aktuellen Konditionen gelten demnach seit 1. Juli dieses Jahres. Für Protestanten sind es 30 Cent pro Kilowattstunde. So ist es auf der Homepage des Potsdamer Kirchenkreises nachzulesen. Auch für Gas gibt es einen Kirchentarif. 

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Stadtwerkesprecher Stefan Klotz versicherte jedoch in einer Mitteilung am Freitagabend, der EWP gehe es nicht um eine Bevorzugung von Glaubensrichtungen. Grundsätzlich könne jede Institution, jeder Verein oder Verband, jedes Unternehmen initiativ an die EWP herantreten und eine Kooperations- oder Vertriebsvereinbarung schließen. In Potsdam gebe es rund 100 derartige vertriebliche Rahmenverträge, unter anderem mit Wohnungsgesellschaften, Sozialeinrichtungen oder eben aus dem kirchlichen Bereich. 

EWP-Chef Eckhard Veil betonte, es handle sich um Verträge mit einer Laufzeit von ein bis zwei Jahren. „Wie bei jedem anderen Kunden auch laufen die Verträge dann aus und werden neu verhandelt.“ Kanzler Scholz erwiderte auf eine Journalistenfrage danach, ob er sich um den Vorzugstarif bemüht habe nur, er sei kein Mitglied der Katholischen Kirche. Er sei aber informiert worden, dass es eine Reihe von Gruppentarifen gebe. 

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