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Die Nuthe im Wohngebiet "Am Schlaatz" mit Niedrigwasser und zugewachsen.
© Andreas Klaer

Fluss in Potsdam fast zum Stillstand gekommen: Pegelstand der Nuthe dramatisch niedrig

Der Sauerstoffgehalt im Wasser der Nuthe in Potsdam ist gering, ein Fischsterben wurde aber noch nicht beobachtet. Gegen die Entwicklung kann wenig getan werden.

Von Erik Wenk

Potsdam - Wer in den letzten Tagen an der Nuthe spazieren ging, dem bot sich ein erschreckendes Bild: Der Wasserstand ist dramatisch niedrig, die Oberfläche von Wasserpflanzen bedeckt, der Fluss fast zum Erliegen gekommen. „Die Nuthe verlandet“, schrieb uns ein besorgter PNN-Leser.

Fließrichtung zwischenzeitlich umgedreht

Ganz so schlimm ist es zum Glück noch nicht, dennoch ist der Zustand des Flusses alles andere als normal: Laut dem Pegelportal Brandenburg liegt der Wasserstand bei nur 110 Zentimetern (Stand 14. August). Schon im August vergangenen Jahres war der Pegel sehr niedrig, war aber nicht tiefer als 140 Zentimeter gesunken. Allerdings ist der Fluss beinahe zum Stillstand gekommen: Der Abfluss in Drewitz erreichte am Sonntagabend laut Pegelportal zwischenzeitlich sogar Minuswerte - die Fließrichtung hatte sich umgedreht.

Sonntagabend (14.8.) drehte sich die Fließrichtung zwischenzeitlich um.
Sonntagabend (14.8.) drehte sich die Fließrichtung zwischenzeitlich um.
© Andreas Klaer

„Die Lage ist schon deshalb ungewöhnlich, da von den letzten fünf Sommern vier mit lang anhaltenden Niedrigwasserphasen einhergingen“, sagt Thomas Frey, Pressesprecher des Landesumweltamtes Brandenburg mit Sitz in Potsdam. Eine derartige Häufung solcher Ereignisse sei bisher selten zu beobachten gewesen: „Hinsichtlich des Abflusses nähern wir uns den bislang niedrigsten gemessenen Werten“, so Frey.

Umweltamt rechnet nicht mit einem Austrocknen des Flüsschens

Dennoch gibt das Umweltamt Entwarnung: „Ein völliges Austrocknen der Nuthe im Stadtgebiet Potsdam ist derzeit nicht zu erwarten“, sagt Frey. Teilabschnitte des Unterlaufs lägen im Rückstau der Havel, im Mittellauf wiederum würden Stauanlagen ein Trockenfallen der Nuthe verhindern. Ähnlich sieht das der Naturschutzbund Potsdam (NABU): „Die Sorge um eine Verlandung teilt der NABU Potsdam derzeit noch nicht“, sagt Sprecherin Cordula Persch.

Dennoch ist der Zustand des Flusses problematisch, besonders für die Tierwelt: Mit steigender Wassertemperatur sinkt die Sauerstofflöslichkeit des Wassers, weshalb der Sauerstoffgehalt abnimmt. Dies ist kritisch für viele Muschelarten und Wasserinsekten, aber vor allem für die Fische: „Da der Wasserstand schon über sehr lange Zeiträume niedrig ist, kann man von einem Ausweichen von Fischarten mit höherem Sauerstoffbedarf in tiefere Gewässerteile oder an Wehre ausgehen, vielleicht sogar bei den empfindlicheren Arten ein Abwandern in die Havel vermuten“, sagt Frey. „Am Rhin, der noch häufiger als die Nuthe von Niedrigabflüssen geprägt ist, wurde von uns schon oft die Ansammlung von tausenden Fischen in den schmalen und bis zu zwei Meter tiefen Strömungskanälen zwischen den Wasserpflanzen beobachtet.“

Experten sind sich uneins, wie man mit dem Pflanzenbewuchs verfährt

Ein Fischsterben in der Nuthe ist bislang weder dem Landesumweltamt noch der Unteren Fischereibehörde Potsdam nicht bekannt. Die Gefahr dafür besteht jedoch, wie ein Beispiel aus dem Einzugsgebiet der Nuthe in Teltow-Fläming zeigt: Letzte Woche war dort ein Abschnitt des Pfefferfließes von Fischsterben betroffen, einem Zufluss zur Nieplitz, der weiter zur Nuthe führt.

Hinsichtlich der Wasserpflanzen kommen NABU und Landesumweltamt zu verschiedenen Einschätzungen: Laut NABU muss die Gewässerpflege das übermäßige Wachstum von Wasserpflanzen genau beobachten und organisches Material regelmäßig entfernen, um den Nährstoffeintrag im Wasser so gering wie möglich halten. Das Umweltamt hingegen rät von einem Abmähen der Wasserpflanzen ab: „Durch die geringe Fließgeschwindigkeit würde das Mähgut nicht zusammenlaufen und wäre kaum vollständig zu entnehmen“, so Frey. Die abgestorbenen Pflanzenteile, die im Wasser verbleiben, würden dann abgebaut, was dem Wasser weiteren Sauerstoff entziehen würde. „Ein Fischsterben könnte die Folge sein“, sagt Frey.

Nur langanhaltender Regen würde helfen

Dichte Unterwasserpflanzenbestände zwingen das Wasser zudem in schmale Strömungskanäle zwischen den Pflanzen. Daher seien die Wasserpflanzen gerade angesichts der geringen Strömung ein wichtiger Zufluchtsort für viele Fische, sagt Frey: „In diesen Engstellen sind die Überlebensmöglichkeiten für strömungsliebende Fischarten am größten.“

Gegen den niedrigen Pegelstand der Nuthe kann akut wenig getan werden: „Es hilft tatsächlich nur Regen, am besten ergiebig und lang anhaltend“, sagt Frey. Zudem dürfe es keine illegalen Oberflächen-Wasserentnahmen geben; wie berichtet hatte die Stadt die Wasserentnahme aus Oberflächengewässern bereits im Juni untersagt.

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