2:0 gegen Nordirland : Warum die deutsche Nationalelf noch nicht souverän spielt

Gegen Nordirland hat die deutsche Nationalmannschaft zwar gewonnen. Aber sie ist noch nicht so stark, wie es die Tabellenführung vermuten lässt. Ein Kommentar

Joshua Kimmich im Zweikampf gegen Gavin Whyte. Der Sieg über Nordirland war kein Selbstläufer.
Joshua Kimmich im Zweikampf gegen Gavin Whyte. Der Sieg über Nordirland war kein Selbstläufer.Foto: imago images / Schüler

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist am späten Montagabend wieder da angelangt, wo sie nach ihrem Selbstverständnis hingehört. Durch den 2:0-Sieg in Nordirland hat sie in ihrer Qualifikationsgruppe für die Europameisterschaft im kommenden Jahr die Tabellenführung erobert. So kennt man das. Doch das Tabellenbild täuscht. Und zwar in doppelter Hinsicht.

Die Deutschen sind nur deshalb vorne, weil ihr mutmaßlich ärgster Konkurrent um den Gruppensieg, die Niederlande, ein Spiel weniger bestritten hat. Zudem ist die Mannschaft noch lange nicht so stark, wie es Platz eins in Gruppe C vermuten lässt. Das hat auch der Sieg in Nordirland noch einmal nachdrücklich bewiesen. 2:0 beim bisherigen Tabellenführer – das hört sich gut an, war aber bei weitem nicht so souverän, wie es das Ergebnis auszusagen scheint.

Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw hatte vor der Pause gegen die eigentlich biederen Nordiren einige heikle Momente zu überstehen. Und nach der Führung direkt zu Beginn der zweiten Halbzeit war sie nicht in der Lage, das Spiel trotz guter Chancen zeitig zu entscheiden. Der erlösende Treffer zum 2:0 fiel erst in der dritten Minute der Nachspielzeit.

„Wir sind in einer Phase des Lernens“, sagte Löw nach der Begegnung in Belfast. Die vergangenen Tage waren dabei für die Nationalmannschaft so etwas wie eine sechsstündige Leistungskurs-Klausur: eine echte Herausforderung. Einen Rückschlag wie das deutliche 2:4 am Wochenende gegen Holland steckt das junge Team eben doch nicht so leicht weg wie es der große Name und die großen Namen in der Mannschaft vermuten lassen.

Die Deutschen wirkten gegen die Nordiren anfangs noch richtig angefasst. Es fehlte die Sicherheit in ihrem Spiel, das alte Selbstverständnis, der unbeirrbare Glaube an die eigene Qualität. Insofern war der Sieg in Belfast in seinem Zusammenkommen recht schmucklos, für das weitere Fortkommen aber auch ungemein wichtig. Weil die Nationalmannschaft in erster Linie ihre Selbstzweifel besiegt hat.

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