Die "Finals" 2019 : Berlins langer Weg zur Sportmetropole

Die „Finals“ helfen kleinen Sportarten, sich besser zu vermarkten. Ins Stadtzentrum dürfen sie aber nicht - dabei will Berlin sich als Sportmetropole vermarkten

Große Sprünge voran. In Hamburg starten jedes Jahr über 10 000 Triathleten – davon kann Berlin nur träumen.
Große Sprünge voran. In Hamburg starten jedes Jahr über 10 000 Triathleten – davon kann Berlin nur träumen.Foto: Markus Scholz/dpa

Da ist er wieder, der ungeliebte Vergleich: „Die best practice bei großen Sportveranstaltungen ist immer noch das Hamburger Modell“, sagt Matthias Zöll, Geschäftsführer der Deutschen Triathlon-Union (DTU). Was er damit meint: Ein Wettkampf mit Weltklasseathleten vor einem Innenstadtpanorama mit einer parallel laufenden Breitensportveranstaltung, die zehntausende von Zuschauern anzieht. Im Fall des Hamburg-Triathlons ist das ein Event mit 10 500 Startern, die in der Außenalster schwimmen, am Ufer entlangradeln und -laufen; die größte Triathlonveranstaltung der Welt. Dazu kommen weitere Breitensportveranstaltungen wie die Cyclassics.

So etwas soll in Berlin auch stattfinden, haben sich die DTU und das Land Berlin vorgenommen. Am 3. und 4. August 2019 wollen zehn verschiedene Sportverbände ihre Deutschen Meisterschaften gemeinsam und gebündelt ausrichten, „Finals“ heißt das Konzept. Vorbild waren die European Championships, die Multisport-Europameisterschaften in Glasgow und Berlin im August 2018.

Dabei kommt die Idee nicht von Stadt oder Verbänden: Die Fernsehsender ARD und ZDF kamen auf die Idee, weil es für sie wirtschaftlicher ist, die Meisterschaften zeitlich und räumlich gebündelt auszutragen. Das wiederum ist gerade für Sportarten wie den Triathlon, die sonst eher unter den medialen Radar fallen, attraktiv. „Für uns ist es ein willkommenes Geschenk“, so Zöll. Die Deutschen Meisterschaften über die Sprintdistanz (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen), die bei den „Finals“ ausgetragen werden, würden sonst wohl kaum im Fernsehen übertragen. „Viele Jahre lang scheiterte so ein Event an den Egoismen der Verbände“, so Zöll. Er zeigt aber auch in Richtung Berlin: „Bisher hat der politische Wille gefehlt, mit guter Präsenz zu veranstalten.“

Dabei befindet sich die Senatsverwaltung seit 2015 in Gesprächen mit den Verbänden. Die Hoffnung dahinter: „Wir sehen mit diesem neuen Format vielfältige positive Effekte, um Berlin mit seiner Strahlkraft als Sportmetropole national wie international zu verankern“, so die Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Immerhin einen „niedrigen siebenstelligen Betrag“ investiert das Land in Infrastruktur und Personalaufwand. Nur: So richtig Werbung macht die Stadt noch nicht. Dabei wäre auch etwas für ihre Bürger dabei. Ähnlich wie in Hamburg, sollen auch in Berlin Freizeitathleten etwas von der Veranstaltung haben. Geplant sind Sprintrennen für Hobbyathleten, die am Samstag und Sonntag jeweils nach den Profis starten. Man hofft auf bis zu tausend Starter und ein Familiensportfest im Zielbereich.

Ein Wermutstropfen für den Verband: Die Strecke führt von der Schwimmstrecke im Wannsee über die Havelchaussee zum Olympiastadion, wo auch der Lauf endet. Die DTU hätte sich einen zentraleren Standort gewünscht, ebenso die Kooperationspartner von den „Weltraumjoggern“, die für die Planung des Wettbewerbs zuständig sind. Als Veranstalter des „BerlinMan“-Triathlons hat der Verein immer wieder Vorstöße gemacht, die Strecke aus dem Grunewald in Innenstadtnähe zu verlegen, etwa mit einer Schwimmstrecke im Kupfergraben – dem einzigen Gewässer, das weit genug vom Regierungsviertel entfernt ist und dessen Wasserqualität stimmt. „Es scheitert an der Radstrecke“, sagt Oliver Büttel, Mitorganisator und Präsident der Berliner Triathlon-Union. Für das Radfahren müsste die Innenstadt für nur ein paar tausend Athleten komplett abgesperrt werden.

Dabei hatte sogar der Großveranstalter Ironman einst ein Auge auf Berlin geworfen, veranstaltete 2013 in Kollaboration mit dem SCC gar ein Rennen über die halbe Ironman-Distanz, das aber wieder eingestellt wurde. „Damals beschlossen wir: Wenn selbst der SCC mit seiner großen Lobby nicht weiterkommt, dann versuchen wir es auch nicht weiter“, sagt Büttel. Deshalb setzt er seine Hoffnung jetzt auf die Strahlkraft des Zieleinlaufs am Olympiastadion, damit der Triathlon vielleicht mittelfristig doch von der Peripherie ins Zentrum rückt. Denn: „Berlin hat mindestens das gleiche Potential wie Hamburg“, sagt Zöll.

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